Deutschlands gruseligstes Krankenhaus

Zur Bildergalerie

Beelitz- 50 Kilometer südwestlich von Berlin (Landkreis Potsdam-Mittelmark) liegen die Beelitz-Heilstätten, eine ehemalige Tuberkulose-Heilanstalt und einer der größten „Lost Places“ in Deutschland. Beelitz ist nun wirklich kein Geheimtipp mehr unter Fotografen und Fans verlassener Orte, sondern einer der wohl berühmtesten Lost Places Standort Deutschlands und die ehemalige Kurstadt ist wirklich unglaublich faszinierend.

Wer die Beelitz-Heilstätten betritt, glaubt kaum, dass es die Heilanstalten von Beelitz ab 1902 als Deutschlands Vorzeige-Tuberkuloseklinik und Sanatorium galten und seinerzeit angeblich als größtes und modernstes Krankenhaus der Welt. Die Patienten erlebten in Beelitz Luxus: Nur das Teuerste war damals gut genug für die Kliniken, wie z.B. die Villeroy & Boch Bodenfliesen – dreimal gebrannt. Die Gebäude sind nun verfallen, aus den Mauerritzen wachsen Bäume, auf den Wänden ist Graffiti und der Putz blättert ab, die Fenster entweder vernagelt oder eingeworfen. Regen tropft durch die Dächer, sodass bei Unwetter in den einst so prunkvollen Räumlichkeiten Pfützen von dreckigem Wasser stehen. Viele stahlen Buntmetall und alles, was sich zu Geld machen ließ.

Dabei waren die Heilstätten einst ein mustergültiger Betrieb, auf einem weitläufigen Waldareal von zwei Millionen Quadratmetern und 60 Gebäuden mit bis zu 1200 Betten sollten sich die Patienten von der Lungenkrankheit Tuberkulose erholen, die damals immerhin jeden dritten Berliner dahinraffte. Sogar eigene Waschhäuser und ein damals modernes Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung (gleichzeitig Strom und Warmwasser), ein Badehaus, Kegelbahn, Kinosaal und eine klinikeigene Kirche gab es. Eine Sensation war damals eine Art Klimaanlage, die saubere Luft aus dem Wald über Rohre direkt in die Krankenzimmer pusten konnte.

Im Ersten Weltkrieg dienten die Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für Soldaten – mehr als 12.500 Mann sollen bis Kriegsende hier versorgt worden sein, die Dunkelziffer der Toten ist unbekannt. Im Jahr 1920 war die Zahl der Behandlungsanfragen so groß, dass man nur noch Frauen und Kinder aufnehmen konnte. 1916 wurde auch ein gewisser Adolf Hitler als Gefreiter hier behandelt, nachdem dieser an der Westfront in Frankreich durch einen Granatsplitter verwundet worden ist.

Vom 1990 bis 1991 lebten Erich Honecker und seine Frau Margot unter dem Schutz der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gelände der Beelitz Heilstätten. Gegen Honecker lag ein Haftbefehl wegen des Verdachts vor, dass er den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze verfügt haben soll. Somit hatten die deutschen Behörden keinen Zugriff auf Honecker, dieser wurde 1991 zusammen mit seiner Ehefrau Margot mit einem sowjetischen Militärflugzeug von Beelitz nach Moskau ausgeflogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Russen das Gelände bis 1994 als Militärhospital. Seit 1994 liegt der Großteil des Geländes brach – und die Einrichtungen verfallen.

Nicht nur während der Behandlungen, auch danach sind in den Heilstätten noch Menschen gestorben. Ein Serienmörder, der als „die Bestie von Beelitz“ oder „Rosa Riese“ schaurige Berühmtheit erlangte, ermordete in den Wäldern um die Klinik herum die Frau eines russischen Chefarztes und deren Baby.

 

2008 erwürgte ein Hobby-Fotograf in einem ehemaligen Pförtnerhaus ein Fotomodell, das er im Internet kennengelernt hatte. Im Mai 2010 stürzte hier außerdem ein 25-jähriger Mann während einer Fototour aus dem vierten Stock zu Tode – der Balkon brach ab und 2011 erhängte sich Obdachloser in den Ruinen.

Der Immobilienentwickler Frank Duske hat sich des Komplexes angenommen und baut derzeit den Quadranten D der ehemaligen Lungenheilanstalt zu einem „Creative Village“ um. 2015 wurde auch für eine Millionensumme der Baumkronenpfad „Baum & Zeit“ installiert und auch ein Barfußpark wurde angelegt.

Im Rahmen von geführten Touren kann man den morbiden Charme einzelne Gebäude erkunden oder Fototouren durchführen und das Areal ist so groß, dass man dies locker mehrmals machen kann. Hohe Decken, große Fenster, Rundbogen, Schnörkel, Giebel mit Türmchen und Fachwerk, herrschaftlich wirkende Eingangsbereiche. Umgeben von einem verwilderten Park. Unzählige Musikvideodrehs kamen hier zum Einsatz,, u.a. in Rammstein’s „Mein Herz brennt“, Mandy Capristo mit „The Way I Like It“, Freiwild mit „Hab keine Angst“, Acira mit „Die Suche nach Dir“, Silly mit „Alles rot“, Meret Beckers „Seven Deaths of a Bird“ oder Saltatio Martis mit „Wo sind die Clowns?“. Auch die Locationscouts für Filme waren begeistert: „Männerpension“ mit Til Schweiger, „Das Adlon – Eine Familiensaga“ oder „A Cure for Wellness“ von Fluch-der-Karibik-Regisseur Gore Verbinski, „Operation Walküre“ mit Tom Cruise oder Roman Polanskis „Der Pianist“. Für die Filme wurden Fassaden, oder einzelne Räume, Flure oder Treppenhäuser in den Gebäuden immer wieder aufgehübscht. So sehen diese Bereiche relativ neu aus.

Das Betreten des Geländes und der Gebäude der Beelitzer Heilstätten ist außerhalb der genehmigten Fototouren (z.B. 7-stündige Fotobases) und Führungen strengstens verboten. Während der Führungen betretet ihr die Gebäude auf eigene Gefahr. Einige der Gebäude sind bereits an Investoren verkauft und werden saniert. Somit werden die jetzigen „alten“ Zustände langsam verschwinden und die Fototouren eingestellt. Das einstige Küchengebäude des Frauensanatoriums ist bereits fertig saniert. Fassaden und Fenster, Türen, Wände und Fußböden wurden original wieder aufgearbeitet und ist äußerlich ein echter Hingucker geworden. Am Ende soll eine Infrastruktur mit Supermarkt, Grundschule, Kita, Hort, Ärztehaus, Café oder Restaurant entstanden sein.

Anfahrt: Anfahrt aus Berlin mit dem RE 7 Richtung Dessau, Fahrtzeit ca. 40 min (ab Hbf). Die Heilstätten liegen direkt an der Bahnlinie (eigene Haltestelle Beelitz-Heilstätten). Die Heilstätten liegen auch direkt an der A9 und sind so auch mit dem Auto gut zu erreichen.