Deichbrand 2017 - Der Sonntag

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Wanhöden, Sonntag, 23.07.17 – Sie gehören inzwischen auch zum Inventar, war es doch Russkajas vierter Auftritt seit 2012. Die Wiener mischen äußerst originell traditionelle Musik mit Ska, Rock und Polkabeats und sind so etwas wie ein gerngesehenes Unikat. Einzigartigen plattdeutschen Electro-Hip-Hop spielten De fofftig Penns. Die Hanseaten aus Bremen setzen sich schnell als Ohrwurm fest. "Gröön un Witt" ist sozusagen die heimliche Stadionhymne von Werder Bremen und durfte auch auf der Setlist von Deichbrand nicht fehlen. Durch ein nächtliches Gewitter war der Boden aufgeweicht und überall waren Plützen und Schlammlöcher. Gummistiefel waren also angesagt. Aber man konnte auch ständig nach unten schauen wie einige Besitzer von weißen Chucks, die erstaunlich sauber aussahen.

Es folgten DMA'S aus Sydney. Die drei Freunde Johnny Took, Matt Mason und Tommy O’Dell machen aus ihren Gemeinsamkeiten zu den Mitbegründern des Brit-Pop keinen Hehl.

Mittlerweile 20 Jahre liefert die Alternative-Metal-Band Emil Bulls frische, mitreißende Töne. Die Lieder wechseln oft zwischen sehr harten und ruhigeren Passagen. Sänger Christoph „Christ“ von Freydorf freute sich, das 5. Mal bei Deichbrand zu sein.

Als Metallica für Arme wurde Apocalyptica früher genannt, nur weil sie deren Songs coverten. Das es sich bei den Finnen mittlerweile um eine spektakuläre Cello-Metal-Band handelt, konnten sie nach ihrem genialen --> Wacken-Auftritt 2014 damals mit großem Orchester (wir berichteten darüber) erstmalig bei Deichbrand zeigen. Das Orchester blieb dafür zu Hause und ihr Auftritt stand unter dem Motto "Plays Metallica by Four Cellos". Zumindest der Schlagzeuger Mikko Sirén ergänzte den Sond streckenweise.

Rapper Karuzo, Produzenten Sikk, Rizmo, Rokey, Mojo, Cicco und Hell sorgten als deutsche Hip-Hop-Crew Genetikk für tanzbaren Rap. Alle Mitglieder versteckten sich wie immer unter Gesichtsmasken, auch Cro aka. Carlo Waibel ließ sich auch dieses Mal nicht unter die Maske schauen. Wie beim letzten Auftritt hatte er wohl Angst, das seine Maske verrutscht und alle Fotografen durften nur vom ersten Wellenbrecher aus fotografieren. Dabei lag und stand er die meiste Zeit auf einem Podest über der Bühne. Von der am Mittag spielenden Band Russkaja wollte der Frontmann von hinten aus dem Backstagebereich nur mit Unterhose bekleidet auf die Bühne und wurde von der Securty gestoppt. Die Bächgroundsängerin des Panda-Rappers musste vor Lachen abbrechen.

Biffy Clyro aus Schottland spielten 2014 noch vor 40.000 Zuschauern, diesmal durften sie 15.000 Musikbegeisterte mehr bewiesen, dass sie eine gute Liveband und absolut absolut festivaltauglich sind. Es war ein sehr energisches und intensives Konzert. Die Fans feiern bei „Bubbles“ und „Medicine“. „Stingin‘ Belle“ riß zum krönenden Abschluss noch einmal alles ab!

Die Letzten auf den Hauptbühnen war die kanadische Rockband Billy Talent.

 

Mit „Devil in a Midnight Mess“ stürmten sie die Bühne, gefeiert wurden aber vor allem die älteren Songs um „Red Flag“. Aber auch Songs ihres jüngsten Albums „Afraid Of Heights“ waren dabei.

Im Palastzelt spielten nach dem Finale des Poetry Slam Antje Schomaker. Die junge Singer-Songwriterin aus Hamburg wurde von einem Plattenlabel auf Facebook entdeckt, war vergangenes Jahr mit Bosse auf Tour nun stand sie auf der Deichbrandbühne. Mit dreiköpfiger Band stand sie mal mit Akustik-Gitarre auf der Bühne, im nächsten Moment saß sie am Klavier. Ein Secury betätigte sich zweiweise als Konfettiwerfer und Stimmungsmacher. Sehr sympatisch. Chefket und Schnipo Schranke folgten. Das Genre der letztgenannten Band von Daniela Reis und Fritzi Ernst wurde von der Zeitschrift Intro als „HipHop-Chanson-Fuck“ bezeichnet, was die seltsame Stilrichtung ganz gut beschreibt, man ist irgendwie schon irritiert von der leicht neurotisch wirkenden Band. Da passt auch ihr Song "Pisse" ins Konzept.

Newcomer Drangsal aka Max Gruber spielte gleich danach barfuß und rotem Strohhut die Songs seines Debütalbums „Harieschaim“. Turbostaat und SXTN folgten. Der Act Christian Steiffen mußte krankheitsbedingt ausfallen.

Am letzten Festivaltag auf der ELECTRIC ISLAND-Bühne traten Wankelmut, Jan Blomqvist & BAND, Peer Kusiv, Kalipo, LOVRA. Chris Zippel und Vargo auf. Insgesamt war es laut Polizei ein ruhiges Festival. Etliche Diebstähle, Drogendelikte und drei Jugendliche bearbeiteten ihren eigenen Wagen mit Eisenstangen und zündeten ihn an.

Unser Fazit: Es war wieder ein tolles Festival. Missfallen haben uns nur die unsympathischen Jungs einer uns unbekannten Straßenbande die uns schon bei der Anfahrt die Vorfahrt mit ihrem schwarzen Protzbenz nahmen und ihre Arme samt goldenen Rolex-Uhren aus den offenen Fahrzeugfenstern hielten. Dazu passte, dass sie keine Fotografen in Bühnennähe haben wollten. Wir haben zum 7. Mal über das Festival berichtet und vermissen die frühere familiäre Atmosphäre und die kurzen Wege. Wir sind in 4 Tagen 60 km gelaufen, das war bei noch größeren Festvials nicht nötig. Und ein stabileres WLAN im Pressezelt würden wir uns auch beim nächsten Deichbrand-Festival vom 19.-22.07.2018 auch wünschen, um aktueller berichten zu können.