Verrückte WG im GOP

Zur Bildergalerie

Bremen, 17.01.2019 – Nordevents konnte sich bei der Premiere von der GOP-Show „Appartement“ und der neuen Bestuhlung des Saales überzeugen. Die Show zeigt den turbulenten Alltag einer Wohngemeinschaft. Regisseurin Sabine Rieck hat aus diesem Thema eine turbulente Show formatiert, die im Bremer Ableger des GOP ihre Premiere mit langem Applaus des Publikums feierte. Wie schon mit den GOP-Shows „Karussell“ und „La Luna“, stellt sie mit „Appartement“ ihren Sinn für Dramaturgie und akrobatische Highlights unter Beweis. Die meisten der Artisten der aktuellen Show kommen aus Kanada.

Wie kommt man bloß mit seinen Mitbewohnern klar, die so ganz andere Gewohnheiten und Vorlieben haben als man selbst? Diese Frage stellen sich Madame und Monsieur du Fèvre, denn Geldnot hat das adelige Paar dazu gebracht, einzelne Zimmer ihrer Pariser Altbauwohnung unterzuvermieten. In WGs treffen oft Lebenswelten aufeinander, die reichlich Sprengstoff für absurde, dramatische und komische Momente bergen.

Wir sehen als Bühnendeko eine grün-bläuliche Tapete mit alten Ornamenten, ein Bücherregal und einen riesigen vergilbten Lampenschirm, der ein wenig Licht spendet. „Schöner Wohnen“ wird da ganz neu interpretiert.

Eine angenehme Erzählerstimme vom Band begrüßte das Publikum und stellte die Hausbesitzer vor: Madame und Monsieur du Fèvre, gespielt vom kanadischen Duo Philippe Trépanier und Tamara Bousquet. Das Clown-Ehepaar nennt sich im echten Leben „Les Deux de Pique“. Der Name geht zurück auf eine Redewendung aus Quebec und bedeutet so viel wie „Die zwei Idioten“. In der Show haben die Beiden zwar blaues Blut, sind aber total pleite und können sich gerade noch ihren Butler Pierre leisten.

Und da kommen die Untermieter ins Spiel. Sobald Madame und Monsieur samt ihren Stühlen den Salon verlassen haben, kommt ruck-zuck Leben in das Appartement. Aus allen Türen treten bunt gekleidete, gut gelaunte Chaoten auf die Bühne und üben sich munter in artistischen Disziplinen, Alltagsgegenstände werden dabei artistisch eingesetzt.

Was die Artistenuntermieter dann auf die Beine stellten, strapazierte auch mit viel Slapstick immer wieder die Lachmuskeln. Jede der Figuren habe zudem ihre ganz eigene Art zu leben. Gesprochen wurde lediglich wenig schlechtes Französisch, ansonsten sorgte übertriebene Mimik und Gesten bei der an Stummfilme angelehnten musikalischen Untermalung für die Verständigung.

Die langgesuchte letzte Mieterin für die WG war gefunden: Der rothaarige Vamp im schwarzen Netz-Negligé erwies sich als die talentierte drahtig-biegsame Hula-Hoop-Tänzerin Vita Radionova, die das Publikum mit ihrer Geschicklichkeit und Eleganz, mit der sie ihre in allen Farben schillernden Reifen vorführte, begeisterte. Bereits Heidi Klum hat die Wahl-Amerikanerin damit schon begeistert.

 


 

 

 

 

Ihre Ausbildung genoss die gebürtige Ukrainerin an der Kiewer Zirkusschule, sie war vor zwölf Jahren schon einmal Mitglied des GOP-Teams.

Anne-Marie Poirier (33) sorgte für unzählige Verwicklungen am Vertikaltuch und wagte mit Ehemann Jason Fergusson einen schwindelerregenden Pas des deux am Seil. Sie wurde bereits mehrfach auf Festivals ausgezeichnet. Ein artistischer Höhepunkt, den man Zuhause nicht nachmachen sollte, war eine Leiterbalance des 35-jährigen Australiers James Holt auf dem Russischen Barren. Inzwischen leitet Holt seine eigene Zirkusschule „Sky Trapeze“ in Australien und möchte nach Auftritten in Japan, den USA und Neuseeland nun Zuschauer in Europa begeistern.

Der Belgier Thibault Theyssens gilt als typischer Vertreter der französischen Show- und Zirkuskünstler-Schmiede Académie Fratellini, auch wenn er seinen individuellen Stil entwickelt hat: Der 23-Jährige lässt einen Cyr-Ring kreisen und vollführt darin seine artistischen Tricks auf poetische Art und Weise, als wäre er mit seinem Ring verschmolzen. Die beiden Australier Jason Fergusson und Coen Clarke vollführten zusammen imponierende Handstände. Ein artistischer Höhepunkt, den man Zuhause nicht nachmachen sollte, war eine Leiterbalance des 35-jährigen Coen Clarke auf dem Russischen Barren.

Philippe Trépanier zeigte „eine dieser Nummern, die man unbedingt ein zweites Mal sehen möchte.“ Im Repertoire hat der kanadische Clown unter anderem eine Parodie auf den klassischen Messerwerfer zusammen mit Assistentin Tamara Bousquet. Einen eher humoristischen Charakter hatte die Performance von David Louch. Der kanadische Jongleur jonglierte einfach alles, was ihm zwischen die Finger kommt, sogar Toiletten-Pümpel. Diese durch die Luft zu wirbeln und auf seinen Bauch zu „ploppen“ ist Louchs Spezialität. Und alle zusammen zeigen in einer herrlich albernen Gruppennummer, wie man sich mit einer Art Bauchtanz auch ohne Hände die Hose hochziehen kann. Man wundert sich, das zum Ende des zweistündigen Programms nicht viel mehr von der verstaubten Einrichtung im Hause du Fèvre zu Bruch gegangen ist. Die bunt gemischte WG ist noch bis zum 10. März auf der GOP-Bühne Bremen zu sehen.