Africa unplugged

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Bremen, 13.07.2017 - Mit "Le Club" zeigte das GOP Bremen auf der Premierenveranstaltung afrikanische Akrobatik-, Zirkus-, und Varieté-Kunst. Und Tanz - denn bei der neuen Show im GOP wird eigentlich ständig getanzt. Bislang traten im GOP Bremen kanadische, deutsche, französische und vor allem osteuropäische Künstler auf. Eine Abwechslung bietet nun das neue Programm mit afrikanischen Artisten.
Zur neuen Show verwandelte sich die Bühne in das afrikanische In-Lokal „Le Club“ mit großer Tanzfläche, welcher der Show ihren Namen schenkte. Auf dessen Tanzfläche treffen sich jeden Abend unterschiedlichste Artisten und hervorragende Musiker, die allesamt in sechs verschiedenen afrikanischen Ländern verwurzelt sind. Schon zu Beginn wirbelten zum 90er-Jahre Hit „Can’t touch this“ von MC Hammer die ersten Akteure durch die Luft.
Den Großteil der musikalischen Untermalung kam von der packenden Live-Musik der vierköpfigen Combo (Sängerin Awa Diarra und ihre drei Bandkollegen Abou Diarra, Noutie Coulibaly und Boureima Kamate) aus Burkina Faso, die sich wie ein roter Faden durch das Programm zog. Auch die Besucher bezogen die Musiker bei einem kurzen Percussion-Workshop mit ein. Auf den Tischen wurden Klanghölzer, Metalleimer und kleine Einmachgläser mit Erbsen und Linsen bereit gelegt.
Die Band positionierte sich kurz vor der Pause auf der Bühne zum Publikum gewandt und ein Instrument nach dem anderen wurde zunächst eingeübt. Dazu gaben die Musiker den Takt vor und das Publikum ahmte ihn nach. Alle erzeugten schließlich zusammen mit der Band geradezu beschwörenden rhythmische Klänge, zu denen die Sängerin Abou Diarra mit afrikanischen Gesängen einstimmte.
Auch afrikanischer Tanz kam nicht zu kurz: Adama Hawa Sow Ep Bodian (28) und Mame Diarra Mbaye (21) erlernten die traditionelle Tanzkunst im Senegal, auf der Club-Bühne sorgten sie mit ihren rasanten und komplizierten Schrittfolgen mit modernen Einflüssen für großes Aufsehen.
Obwohl es immer wieder folkloristische Elemente im Programm gibt, war die Show keine Folkloreveranstaltung. Werner Buss, Kreativdirektor des GOP, hat das Programm mit den Regisseuren Pierre Caesar und Markus Pabst als sehr moderne Interpretationen typischer afrikanischer Varieté-Kunst zusammengestellt. Auch der High-Heel-Sport in der 3. Welt, sich Backsteine an die Füße zu binden, wurde in der Show übernommen. Immer wieder wurde betont, das bei dieser Produktion aufgrund der unterschiedlichsten Sprachen die Verständigung äußerst schwierig sei. 3 Künstler die GOP gerne für die Auftritte buchen wollten, bekamen kein Visum.
Wenn der 37-jährige äthiopische Publikumsliebling Girma Tsehai und sein Landsmann Tarik Usman (24) an der Vertikalstange, dem Pole, raufkletterten, runterrutschten und im 90-Grad-Winkel hingen ohne die Hände zu benutzen, schien es ihnen bei aller Mühe größten Spaß zu machen. Damit nicht genug: Er erklomm gemeinsam mit Usman die Pole-Stange oder ließ pinkrote Tennisbälle durch eine kantige Plexiglaskonstruktion wirbeln- eine einzigarte Performance.

 

Tsehai, dessen Karriere nach diversen Auftritten auf Kreuzfahrtschiffen im hannoverschen GOP begann, ist nicht nur ein sympathischer Komödiant mit charmantem Lächeln. Er ist ein kleines Kraftpaket, beherrscht auch das Bouncen – das Jonglieren nach unten – wie wenige andere Künstler, aber auch Jonglieren nach oben und an schrägen Flächen. Und er machte sich fast nackig. Aber er trug immerhin einen Hut, jeweils an der richtigen Stelle. Und dann sind es fünf. Sie wanderten pausenlos über seinen Körper und verdeckten so manches Mal einige „pikante“ Stellen an seinem Körper. Es sorgte für viele Lacher im Publikum, wenn er seine Unterhose in den ersten Zuschauerrang warf und mit einem Gummiband das Kleidungsstück wieder zurückzog.


Mit tänzerischer Leichtigkeit spazierte der Kolumbianer Angel Caycedo Casierra (28) über ein quer über die Bühne gespanntes Seil. Er federte darauf immer wieder in die Höhe, überschlug sich und landete zielsicher mit dem Hosenboden auf dem schmalen Seil. Außerdem glänzte er auch mit seiner Performance als Bodenakrobat.
Der Rhythmus ließ auch den Ghanaer Lawrence Mensah (27) nicht los, als er gleichzeitig acht Waschwannen auf Fingern, Füßen und Stöcken drehte und seine Hüften kreisen ließ.
Jade Lee Petersen (28) aus Südafrika ist ein Meister der Kontorsion, ein Menschen ohne Knochen. Diese Art von Gelenkigkeit erwartet man nicht von einem Mann.
Auch die Übergänge zwischen den einzelnen Darbietungen wurden perfekt inszeniert. Hier gab es Aha-Momenten zum Staunen und auch zum Schmunzeln.
Bevor der rote Vorhang fiel trafen sich dann alle Künstler noch ein letztes Mal im „Club“ und tanzten, sangen, sprangen und verrenkten sich.
Ein Rhythmus, bei dem jeder mit muss - wenn es darum geht, afrikanische Lebensfreude fernab von Klischees zu transportieren, haben die Macher und Künstler der neuen GOP-Show alles richtig gemacht. So gab es am Ende der Premierenveranstaltung auch Standing Ovations. Die Show läuft noch bis zum 10. September 2017, sie werden auf jeden Fall ein Stück Afrika im Herzen mit nach Hause nehmen.