Beats, Dance und Bodyart

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Bremen, 02.03.2017 - Die neue Show »Impulse« lässt Artistik, Tanz und Percussion verschmelzen. Mit klassischem Varieté hat die Show weniger zu tun. Denn trommeln und tanzen ist bei Varietéaufführungen eher die Ausnahme, meist werden körperliche Unmöglichkeiten demonstriert.

Die Zuschauer, die dem Starkregen und Stau trotzen, sahen eine Premierenvorstellung, die mit einer riesigen Trommelnummer startete. Erstmalig wurden während der Show immer neue Percussion-Soli auf konventionellen Schlaginstrumenten als auch auf zweckentfremdeten Alltagsgegenständen wie Klobürsten, Rohren usw. gezeigt. Die durchscheinenden weit über 100 Trommelfelle in den fünf über 4 m hohen Wänden der Kulisse wurden immer wieder neu angestrahlt und dadurch neue Stimmungen erzeugt. Der ganze Kulissenbau hat stolze 35.000,- € gekostet. Viel verschlang die Technik, da die Felle auf Schläge beleuchtungstechnisch reagieren und ein ausgefeiltes Mapping erstellt wurde, damit auf jedes einzelne Fell separat projiziert werden kann.

Bei Impulse lernte der Zuschauer, dass Klettern und Musikmachen kein Gegensatz sein muss. Die Artisten hüpfen an den Kulissen hoch, hingen an den Wänden die mit Fußrasten versehen waren und bearbeiteten mit ihren Sticks die Trommeln, so dass der Saal ordentlich in Schwingungen kam.

Werner Buss, künstlerischer Leiter des GOP-Universums hat gemeinsam mit Regisseur Nikos Hippler eine Mischung aus Spektakel und schönen Bildern hinbekommen. Die Suche nach geeigneten Artisten hatte ungefähr 1 Jahr gedauert.

Die wilden Trommler sind eigentlich in anderen Disziplinen zuhause und mussten sich das Trommeln hart erarbeiten. Die bis zu 10 Stunden tägliche Probezeit dauerte doppelt so lange wie üblich. Doch neben packenden Beats und dem bunten Bühnenbild kamen auch die konventionelle Akrobatik und Tanz nicht zu kurz. Die Artisten zeigten ihre eigenen Nummern in den eher stillen Momenten.

Robert James Webber (31) machte den Anfang mit den Solodarbietungen. Bei seiner Pole-Akrobatik am chinesischen Mast schien er noch mit seinem Eigengewicht zu kämpfen, mit seiner humorvollen Besen-Jonglage hat er aber eine ganz besondere künstlerische Nische für sich entdeckt. Was er mit einem Besen machte, hat man so noch nicht gesehen. Aus dem Kehrgerät wurde am Körper des Amerikaners ein wirbelnder Zauberstab, der mit dem Künstler geradezu verbunden zu sein schien.

Als «Knallbonbon der Produktion» zappelte Daniel Sullivan (24) über die Bühne – zunächst mit einer rasanten Hula-Hoop-Nummer und später mit einer recht unkonventionellen Darbietung von irischem Stepptanz.

 

Gemäß dem Show-Motto lieferte das rothaarige Temperamentsbündel sich ein „impuls“ives Battle mit Percussionist Johnny Kay (27). Was der eine virtuos vortrommelte, steppte der andere präzise nach.

Die große Bandbreite der Jonglage zeigte Jimmy Gonzalez aus Frankreich auf. Der Goldmedalliengewinner 2015 des Cirque de Demain in Paris wirbelte unter anderem stetig veränderte Tonklumpen durch die Luft. Er machte sie sich selbst aus einem großen Stück Ton, immer kleiner werdend, immer mehr brötchengroße oder auch winzig kleine Kugeln. Am Ende war der Tonklumpen wieder ganz. Dafür gab es reichlich Applaus.

Voller Poesie agierte die 26-jährige Kanadierin Erika Nguyen im Luftring. Die gebürtige Kasachin und fünffache Deutsche Meisterin Katharina Lebedew (28) gekleidet in einem schwarzen Gewand setzte auf ästhetische Handstandakrobatik kombiniert mit Tanz. Ihre Schwester Oxana ist heute Profi-Lateintänzerin und war in der RTL-Show „Let’s Dance“ an der Seite von Promi-Koch Attila Hildmann zu sehen. Mit seinem Federtanz, bei dem Federn von mehreren Ventilatoren über der Bühne aufgewirkelt werden, sorgte der schlaksige Halb-Vietnamese Dennis MacDao aus Deutschland für stilvollen Kitsch. Er belegte 2013 den zweiten Platz in der Pro-7-Show „Got to Dance“ und ist der Freund von Katharina Lebedew. Der hannoversche Tanzakrobat und „Got to Dance“-Finalist Chris Myland (27) zeigte eine dynamische Tanzakrobatik und traumhafte Kontorsion. Zusammen mit Dennis MacDao war er für die Choreografie der Show verantwortlich. Bronwen Pattison aus Neuseeland ist mit 32 Jahren die Älteste und das neuste Mitglied in der Truppe. Erst seit 2 Wochen arbeitet sie mit dem Rest der Artisten zusammen und zeigte, das sie trotz ihrer nicht ganz so athletischen Figur doch noch recht biegsam ist.

Das war aber nur die Ruhe vor dem nächsten Trommelsturm.  Dann bebte wieder der Saal. Am Ende gab es lange Standing Ovation vom begeisterten Publikums für eine Show ohne Worte, die vielleicht am weitesten entfernt ist vom alten, moderierten Varieté. Es wirkte wie stimmiges Gesamtpaket, Impulse hielt, was es versprach. Die Show ist Körperkunst und Faszination, etwas Witz und Melancholie. Und wer auf Rhythmen steht, für den ist es sowieso etwas. Bis zum 07. Mai 2017 kann man Impulse in Bremen noch besuchen.