Der Auto-Skulpturen-Park im Neandertal

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Erkrath- Der interessanteste Automausoleum Deutschlands liegt mitten in NRW, genauer gesagt im Neandertal. Wenn die Besucher des in direkter Nähe befindlichen Neanderthalmuseums an einem verfallenen Feuerwehrwagen vorbeifahren, wissen sie nicht, das hier andere Schätze der Vorzeit beherbergt sind.

Der Düsseldorfer Autohändler Michael Fröhlich hat sich zu seinem 50igsten Geburtstag im Jahre 2000 selbst ein Geschenk gemacht. Er ließ sich auf seinem Waldgrundstück in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses insgesamt 50 Fahrzeuge aus seinem Geburtsjahr 1950 platzieren und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Diese Fahrzeuge verrotten nun seit 15 Jahren und es ist faszinierend und für wahre Autoliebhaber auch etwas traurig zu sehen was aus den ehemaligen Schmuckstücken geworden ist.

Von der Straße aus sieht es aus wie ein normaler Autofriedhof. Erst beim zweiten Blick entfaltet sich die wahre Schönheit zwischen Rost und Moos. Auf einem nachempfundenen Stück Renn-streckensteilkurve scheinen sich ein historischer Jaguar und ein 936er Porsche ein letztes ewiges Rennen zu liefern. Ein Rest der russischen Weltmacht, ein Moskovich Baujahr 1950 ( der einst der DDR-Staatssicherheit diente) symbolisiert halb verschüttet den Untergang seines Landes und sind wie alle Fahrzeuge ungeschützt der Witterung ausgesetzt.

Rolls-Royce, Jaguar, Porsche, Moskvitch, DKW, Goggomobil, Austin, Morris, Lloyd, Renault, Opel, Ford, Mercedes-Benz, Volkswagen, Buick, Borgward, Citroen, Fiat und Tatra sind nur einige der Oldtimer. Die Liste der drapierten Fahrzeuge und Gegenstände ist natürlich viel länger. Alte Motorräder, Fahrräder, Autoscooter, Telefonzelle, Zapfsäulen und Antiquitäten sind mit in das Gesamtkonzept integriert.

Ein nachgebautes Stück der Berliner Mauer mit Graffiti und in Ost und West je ein Armeewagen der beiden Welten von 1950 verfallen im Angesicht der Zeit. Ein 11 CV voll mit geleerten Sektflaschen gefüllt, eine Gangsterlimousine, die Jahrzehnte einem französischem Polizeichef gehörte sind auch zu finden. Blickt man in das Innere einer Rolls-Royce Limousine, fällt der Blick auf eine Queen-Figur am Steuer – und hinten sitzt Prinz Charles. Die nachgestellte Chauffeur-Szene hat so natürlich nie statt gefunden. Das Fahrzeug gehörte zwar tatsächlich zum Fuhrpark der Queen, nur das beide Mitglieder des Königshauses immer auf der Rückbank saßen.

 

Sämtlichen Oldtimern wurden die „Säfte“ wie Öl, Kühlflüssigkeit u. ä. entzogen, damit alles umweltkonform verrottet. Somit zerfallen die Fahrzeuge seit einigen Jahren und bilden eine surreale Kulisse.

Viele TV Teams, Photografen und Fans haben diese einmalige Location bereits aufgesucht und reisen teilweise deutschlandweit an. Sogar asiatische TV-Sender haben über das Werk des Künstlers und Unternehmers berichtet. Lediglich in Amerika gibt es noch zwei weitere solcher Locations. Besucher, die nur über eine vorherige Vereinbarung Zutritt zum Privatgrundstück erhalten, werden in den Bann der Automobilgeschichte kombiniert mit Verfall gezogen.

In der Fotowelt werden solche Orte „Lost Places“, also verlorene Orte genannt. Mit speziellen Bildbearbeitungsverfahren wie High Dynamic Range könnten die Verwitterungsstrukturen und Farben noch weiter herausgearbeitet werden, so dass die Bilder fast schon wie Kunst aussehen. Es gibt eine unerschöpfliche Vielfalt an Motivmöglichkeiten, egal ob Detailaufnahmen oder die Fahrzeuge im Ganzen. Einige Fahrzeuge sind mit einem Teppich aus Moos überzogen, durch das der Rost in den buntesten Farben schimmert. Schneckenhäuser sind in den Karosserieecken liegen geblieben und das Laub der vergangenen Jahre wirkt wie eine Naturpatina.

Von Jahr zu Jahr werden die Oldtimer den Prozess der Verrottung ausgesetzt sein, um zuletzt eins zu werden mit der Natur. Wenn die Natur ist stärker als die Technik und so werden diese einzigartigen Oldtimer nach und nach von dem Wald verschlungen werden.