Ostalgie in der Kugelbake-Halle

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Cuxhaven, 16.10.2015- Die 1969 gegründete deutsche Rockband Puhdys zählt zu den bekanntesten Rockbands der DDR. Und die Puhdys geben ihre allerallerletzten Konzerte, obwohl sie schon 1989 auf Abschiedstournee gingen.

Nach 46 Jahren, 35 Alben und über 4000 Konzerten wollen die Puhdys ihre Karriere nun tatsächlich beenden - aber nur als Band. In Rente gehen sie nämlich trotzdem noch nicht, obwohl sie schon mehr als 20 Millionen Platten in Ost und West verkauft haben.

Die DDR-Rockband spielte zu ihrer Akustik-Abschiedstour (wahrscheinlich) zum letzten Mal in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Kugelbakehalle in Cuxhaven. Sie treten also dieses Mal etwas leiser ab.

Die aktuelle Besetzung besteht aus den Goldbroilern Dieter „Maschine“ Birr, Peter „Eingehängt“ Meyer, Dieter „Quaster“ Hertrampf, Klaus Scharfschwerdt und Neuling Peter „Bimbo“ Rasym, der aber auch schon seit 17 Jahren in der Band spielt. Bis heute komponierte Birr über 250 Titel, auch für Soloalben. Unterstützt wurde die Band von 4 weitere Musiker für Percussion, Akustikgitarre und Keyboard. Birr: „Sie helfen uns beim Koffertragen, Bier holen und ganz ordentlich spielen können sie auch noch.“ Mit dabei auch Andy, Sohn Birr`s und bekannt durch die Band Belle, Book & Candle.

Zuerst erinnerte das Programm einer Verkaufsveranstaltung. CDs, Merchartikel und sonst noch was wurde angepriesen. Von Beginn an war eine gute Stimmung, die sich bis zum Konzertende steigerte. Das Publikum tobte bei Hits wie „Wenn ein Mensch lebt“ aus dem Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“, einer der erfolgreichsten in der DDR gedrehten Spielfilme.

Weitere Titel waren „Leben ist kurz“, „Die Welt ist ein Wunder“, „Abenteuer“, „Es war schön“ und Hiroshima“.
Keyboardersenior Meyer (75) gab ein Solo auf dem Saxophon bei "Bis ans Ende der Welt", welches mit viel Applaus belohnt wurde. Ansonsten hatte er viel Spott von Birr zu ertragen, da er der Älteste in der Runde war: „Er hat schon sein 3. Leben hinter sich, seine Geburtszahl wird schon in Stein gemeißelt“ und es folgte das Lied „Mein zweites Leben“.

 

Birr füllte die Übergänge zwischen den Liedern sehr amüsant und teilte nach gut 1 Stunde mit: „Einige Zuschauer sind bereits vor Begeisterung umgefallen, wir machen jetzt erst Mal eine Pause“. Gegen 20:30 Uhr ging es dann weiter. Die Musik begann und die Zuschauer strömten wieder in die Halle.

Im 2. Teil gingen die Zuschauer auch gleich mit. Sie bleiben stehen, klatschen und sangen mit. Es war altersmäßig ein erstaunlich gemischtes Publikum. Alle Musiker gaben eine Solovorstellung und als Keyboarder Meyer dran war gab es wieder den gewohnten Spott von Birr: „ Er war schon bei der Geburt von Inge Meysel mit dabei“ (das war übrigens 1910) und alle sangen „Und er lebt noch....“.

Gespielt wurden auch die Kultsongs „Hey, wir woll`n die Eisbärn sehn“ , „ Wenn ein Mensch lebt“, Geh zu ihr“ und „Alt wie ein Baum“. Ein Titel den wir besonders passend finden. Inzwischen sind sie wirklich so alt und knorrig wie der Baum, den sie einst besungen haben, die Überzahl hat die 70 Lebensjahre überwunden. Aber die Jahresringe stehen ihnen gut zu Gesicht. Ihre raubeinigen Stimmen haben sich der Rockerrente angepasst. Leider verschluckte die schlechte Akustik der Halle viele Töne.

Wer weiß, wann die Puhdys den nächsten Rücktritt vom Rücktritt vom ... verkünden. Aber sie wollen doch nur spielen. Und 2019 gäbe es da ja ein 50. Bandjubiläum zu feiern.