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Kevin Devine - „We Are Who We`ve Always Been“

Der Herbst ist da – nass, kalt, grau – aber es auch eine Zeit der Veränderung, des Nachdenkens, des Besinnens. Es gibt Musik, die dafür einen perfekten Soundtrack bildet – und hier kommt Kevin Devine ins Spiel. Der amerikanische Singer/Songwriter legt mit „We Are Who We`ve Always Been“ sein neues Solo-Album vor.

Das Besondere daran: er hat sein letztes Album „Instigator“ noch einmal ganz neu aufgenommen – komplett heruntergebrochen – unplugged quasi (auch wenn dieser Begriff mittlerweile so fürchterlich überstrapaziert ist). Viele der Titel waren bereits auf „Instigator“ eher ruhig, durch die neuaufgenommen Versionen bekommt man aber einen anderen Zugang zu den Songs, die schon eher das darstellen, was man von ihm live zu hören bekommt.

Kevin Devine schafft es bereits beim Opener „No Why“ eine fast schon melancholische, aber extrem anziehende Stimmung zu schaffen, die durch die sparsame Instrumentierung, den leichten Hall auf Stimme und Gitarre sofort in den Bann zieht. „Instigator“, der zweite Track erinnert mich gerade im Refrain stark an Simon & Garfunkel, ein Ohrwurm, einschmeichelnd, zum träumen anregend, stark. Ein weiterer Einfluss, den man auf den nachfolgenden Songs stark wahrnehmen kann ist Elliot Smith, der viel zu früh verstorbene leise Held des Singer/Songwriter-Genres.

Auf der depressiven Pianoballade „Freddie Gray Blues“ hört man diese Reminiszens ziemlich deutlich. Dieses Stück ist für mich auch der absolut herausragegende Titel. Unfassbar, wieviel Emotion in diesem Song transportiert wird. Freddie Gray war ein 25-jähriger Afroamerikaner, der während eines Polizeieinsatzes starb, alle beteiligten Beamten wurden später freigesprochen. „The system is not breaking. It`s broken – it`s done“ singt Devine in der 2. Strophe. Thematisch durchaus anspruchsvolle Kost.

Schön, dass auch Gastmusiker und -sänger hier ihre Auftritte haben, dies macht das Album noch ein wenig spannender und abwechslungsreicher. Das tolle „Before You`re Here“, welches (fast) den Abschluß des Albums bildet, ist ein wunderschöne, zuckersüße, aber keinesfalls kitschige Ballade, die mich total an die Everly Brothers erinnert und dementsprechend schon in den 50ern ein veritabler Hit gewesen sein könnte.

FAZIT:

Kevin Devine hat sein letztes Album noch einmal neu aufgenommen, aber es ist nicht einfach nur eine Wiedeverwertung alten Materials. Er hat ein komplett neues und anderes Werk erschaffen. Wundervolle Melodien, tiefgründige Texte, unaufdringliche Hits. Eine wundervolle Platte, die jedem ans Herz gelegt werden kann, der Musik mag, zu der man seine Gedanken schweifen lassen kann. Ein absolutes Highlight und eine bedingungslose Kaufempfehlung.

--> Video: Vorab gibt’s mit „I was alive back then“ einen ersten Vorgeschmack.


Bewertung:

GENRE: Singer/Songwriting

TRACKLIST:

1. No Why
2. Instigator
3. Magic Magnet
4. Freddie Gray Blues (Ft. Swivs)
5. No History
6. Daydrunk
7. Both Ways
8. No One Says You Have To (Ft. The Mynabirds)
9. Guard Your Gates
10. Before You’re Here
11. I Was Alive Back Then (Ft. Half Waif)

VÖ: 20.10.2017
Format: CD / Digital / Vinyl
Label: Procrastinate! Music Traitors
Auf Tour im Norden: -
Rezension: Daniel