Bangkoktemperaturen im Teufelsmoor

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Worpswede 03./04.Juli 2015- Das wärmste Wochenende des Jahres bis 38 Grad. An diesen Tagen kam die Hamburger Rockband Selig in die Worpsweder Musichall, um bei gefühlten 45 Grad Innentemperatur auf der Bühne ihre „Die Besten“-Tour zu spielen. Wir hatten uns das Letzte der beiden Konzerte am Samstag angeschaut. Sie waren die Letzten der seit Mai andauernden Tour.

Die Band war bereits Mitte der 1990er Jahre erfolgreich und wiedervereinigte sich nach zehnjähriger Trennung im Jahr 2008. Mit dem Reunion-Album „Und Endlich Unendlich“ erlangte sie erstmals Goldstatus. Bekannt ist die Band auch durch den Großteil der Filmmusik zu Til Schweigers Knockin’ on Heaven’s Door und dem Bundesvision Song Contest 2010. Den Song "Ohne Dich" hat die englische Band Hurts gecovert.

Mit gut 15 Minuten Verspätung betraten die 4 Musiker die Bühne, Sänger Jan Plewka, Drummer Stephan „Stoppel” Eggert, Gitarrist Christian Neander und Bassist Leo Schmidthals. Früher waren es mal fünf, aber Keyboarder Malte Neumann hat die Band verlassen.

Der rockige Opener „5.000 Meilen“, „Sie hat geschrien“ und „Arsch einer Göttin“ waren die ersten Songs. War das Debütalbum von Selig noch von Rock mit Grungeeinflüssen und Hippie-Flair geprägt, die Band bezeichnete ihren Stil damals als „Hippie-Metal“, ging es danach mehr Richtung Pop. Und so war an diesem Abend keine Langeweile angesagt: Ruhige Titel wechselten mit rockigen, psychedelischen Phasen, Cello und Mundharmonika. „Wir waren überall in der Welt unterwegs, Worpswede ist der schönste Ort!“ erzählte Jan augenzwinkernd. Denn sie waren nach dem Konzert am Vortag im Teufelmoor radfahren und baden. Von den Bands wurde sonst wurde weniger die Gegend als die Musichall selbst wegen der guten Bewirtung gelobt.

Nach kurzer Zeit waren die Musiker bei den Höllentemperaturen pitschnass. Bei jeder Bewegung lösten sich Schweißtropfen der Künstler, die Hemden waren zuerst durchgeschwitzt, zuletzt die Hosen. Nach wenigen Titeln öffnete Jan sein nasses Hemd, um Luft an die Haut zu lassen. Jan schrie: „Das ist hier wie in Bangkok! Macht mit, ich will den Schweiß von der Decke tropfen sehen!“

Er animierte immer wieder die Fans zum Mitsingen, Arme schwingen und mittanzen. Bei einem ruhigen Titel fragte er: “Habt ihr Feuerzeuge dabei?“ Als niemand reagierte, sagte er lachend „Das gibt’s doch nicht!“ Dafür sangen die Fans den Titel kräftig und textsicher mit.

 

Gut 2 Stunden gab die Band bei Tropentemperaturen alles. Jan reckte ständig die Arme nach oben um das Publikum noch mehr „anzuheizen“.

Und immer noch war die Spielfreude der Band vorhanden, obwohl die Gesichter schon von der Wärme gezeichnet waren. Ein Wunder, das niemand einen Hitzekoller erlitten hat oder die Gitarren geschmolzen sind. Zwischendurch gab es noch eine Sektdusche fürs Publikum, etwas das wir bei den hunderten Konzerten bislang noch nicht erleben durften.

Die Ballade „Ohne dich“ wurde mit Cello gespielt, als letztes Lied im normalen Set kam „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Der Refrain „Ohoho“ , wurde mitgesungen und dann vom Publikum selbst getragen, als ein Musiker nach dem anderen die Bühne verließ. Minutenlang sang der Fanchor weiter das Ohoho bis die Musiker wieder auf die Bühne kamen, um als Zugabe „Gott“, „Schau Schau“ und „Ohne dich“ zu spielen und sich dann erneut zurück zu ziehen. Nach „Ist es wichtig“ und dem passenden „Wir werden uns wiedersehen“ wurde sich nochmals verabschiedet und es ging das Licht an, obwohl die Fans weiter Zugabe forderten. Viele waren schon auf dem Weg in den kühleren Sommergarten der Musichall und der Club leerte sich, als die unermüdliche Band eine erneute Zugabe gab.

Es war lustig anzusehen, wie alle wieder umdrehten und in die glühende „Hölle“ zurück gingen um das letzte Lied „Fadensonnen“ nicht zu verpassen. „Wo seid ihr hin, was hab ich euch getan, dass ich der Letzte bin...“ sang Jan und das passte auch hundertprozentig, wie alles an diesem Abend. Nach insgesamt 23 Stücken war dann wirklich Schluss und es gab nur verschwitzte aber glückliche Gesichter. Alles war dabei: Unermüdliche Musiker, Solis von jedem Musiker, man tauschte die Musikinstrumente von Gitarre zu Mundharmanika oder Synthesizer, Huftschwünge, Waschbrettbauch und Headbanging. So fuhren wir um Mitternacht bei 25 Grad zufrieden wieder nach Hause.