Ein bisschen Luxus und Glühwein

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Luhmühlen, 10./11.08.2016 - Im Eventpark Luhmühlen gut 30 Autominuten südlich von Hamburg nahe Lüneburg gelegen fand zum zweitem Mal das A Summer's Tale-Festival statt. Bei der Premiere waren ca. 7500 Zuschauer gekommen. Anders als beim örtlich nahegelegenen Hurricane-Festival muss es auf einem Festival nicht laut und dreckig zugehen. Ein Festival der besonderen Art soll sich etablieren und eine ganz neue Festivalzielgruppe erschließen. Zwischen tiefen Wäldern, urigen Mooren und luftigen Birkenhainen auf malerischem Heidegrund inmitten des Naturparks Lüneburger Heide wurde ein ausgewähltes Kultur-, Aktiv- und Kreativprogramm mit renommierten lokalen und internationalen Künstlern unterschiedlicher Genres geboten.

A Summers Tale - auf deutsch ein Sommermärchen. Das mit dem Sommerwetter ging gänzlich schief. Der erste Festivaltag begann morgens mit kühlen 8 Grad und das Festival wird uns als das Einzige in Erinnerung bleiben, auf dem mitten im Hochsommer Glühwein ausgeschenkt und vor allem fleißig gekauft wurde. Ein positives Zeichen, dass man seitens des Veranstalters schnellreagiert. So wurden auch Feuerkörbe aufgestellt. Am Anreisetag mussten sich die Besucher aber sowieso erst einmal niederlassen und orientieren. Die waren meist etwas älter und Eltern nahmen ihre Kinder mit. Man konnte sich schon mal stärken bei einem besonderen kulinarischen Angebot. Hochwertige, teils regionale, teils biologisch angebaute Produkte vegetarische und vegane Gerichte. Zwar werden an den 4 Tagen nur soviel Bands auftreten wie beim Hurricane-Festival an einem Tag, das besondere ist das Randzonenentertainment. Auf der großen Konzertbühne gab es am ersten Tag 4 Acts: der 23 Jahre Sänger und Multi-Instrumentalist Adam French zeigte seine große stilistische Bandbreite, Heather Nova aus Bermuda präsentierte mit ihrer markanten Stimme Indie-Rock und der schwedische Folk-Rocker José González trug seine puristischen und gefühlvollen Songs vor, wie die „The Knife“-Coverversion „Hearthbeats“.

Headliner des Tages waren die 90er-Ikonen Garbage, eine Rockgruppe aus Madison in den Vereinigten Staaten bestehend aus dem Schlagzeuger Butch Vig, dem Gitarristen und Keyboarder Duke Erikson, dem Gitarristen Steve Marker und der Sängerin Shirley Manson, an diesem Abend mit rosa Haaren. Vig war bei dem Auftritt nicht dabei, dafür Ersatztrommler Matt Walker. Sie präsentierten Songs aus ihren 23 Jahren musikalischer Schaffensgeschichte wie „I think I´m paranoid“ oder „Stupid girl“, aber auch Songs von ihrem 2016 veröffentlichten sechsten Studioalbum „Strange Little Birds“.

Im Zelt und auf der Waldbühne begann auch ein facettenreiches Programm. Das Improtheater- Duo The Royal  Stage Monkeys aus dem Wendland entwickelte auf Zuruf des Publikums rasante und amüsante Stories, die Groß und auch Klein erheiterten. Workshops, Lesungen, Filme, Theater, Kunst, Performances, Installationen und ein Kinderprogramm – das Unterhaltungsangebot war umfangreich.

Der Donnerstag -2. Festivaltag- begann ebenso kalt, nur mit ständigem Nieselwetter. Das Programm begann schon um 10:30 Uhr mit kleineren Acts und dem Rahmenprogramm.

Auf der Konzertbühne trat das schwedische Indie-Pop-Duo Friska Viljor als erster Act um 16:00 Uhr auf. Gefolgt von dem im Cuxland geborenen Thees Uhlmann mit seiner Band.

 

Zuvor hatte Thees im Zelt Lesungen abgehalten. Der irische Sänger, Gitarrist und Schauspieler Glen Hansard spielte als nächster Künstler auf der Konzertbühne.

Bevor er seit 2011 als Solokünstler durch Europa tourte, war er Sänger und Gitarrist der irischen Rockband The Frames. Für den Titel „Falling Slowly“ aus dem Soundtrack des irischen Films „Once“ erhielt er 2008 den Oscar in der Kategorie Bester Song und steuerte den Song „Take The Heartland“ für den Soundtrack des Films „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ bei. Beide Songs durfte man nun live erleben.

Dann kamen sie, die drei Isländer von Sigur Rós. Am Tag der Bandgründung wurde die Schwester von Sänger und Gitarrist Jón Þór Birgisson (Jónsi) geboren, die den Namen Sigurrós trägt und somit zur Namensgeberin für die Band wurde. Die bekannteste isländische Band spielte ihre sphärischen klingenden, relativ düsteren, naturverbundenen Songs. In der vierten Staffel der US-amerikanischen Fantasyserie "Game of Thrones" hatte die Band einen Gastauftritt als Musikanten auf einer königlichen Hochzeit.

Jónsis Falsettgesang und seine spezielle Art, die Gitarre mit einem Cellobogen zu spielen, machen die Musik einzigartig. Eine Genre-Definition erweist sich als praktisch unmöglich, was auch daran liegt, dass die Isländer in ihren Anfangstagen über ihren schwebenden Klang eine Fantasiesprache legten. Leider spielte das Trio die ersten Songs verdeckt hinter einer Videoleinwand, so dass wir keine Bilder von Ihnen machen konnten.

Im Zelt spielte u. a. die US-amerikanische Alternative-Rock-Band Nada Surf, über deren Auftritt wir „Müssen alle mit“- Festival 2015 in Stade schon berichteten. Matthew Caws, Daniel Lorca und Ira Elliot kennt man seit dem 1996-Hit „Popular”. Nada Surf-Oberhaupt Matthew Caws sieht heutzutage etwas aus wie Steve Martin. Zwanzig Jahre Rock-Biz haben ihre Spuren hinterlassen und ließen das Haupthaar ergrauen. Dennoch versprühte der 45-jährige jugendliche Frische.

Ansonsten gab es Meditation, Massage, Yoga-, Wein-, Cakepop-, Käserei-, und Seilereiworkshops oder Tea Tasting und im Kinderzelt ein Angebot für die Kleinen. Die auf diesem Festival angebotenen Mietzelte mit Polsterpritschen oder Komposttoiletten findet man auf anderen Festivals vergebens. Wer es billig und schnell will, ist hier einfach falsch. Gemütlich statt wild war Programm. Und das konnte sich durchaus sehen lassen.