Brösel gelingt die Revanche

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Flugplatz Hartenholm, 01./09.2018 - 30 Jahre nach dem Schmachrennen hat "Werner"-Erfinder Rötger Feldmann (68) alias "Brösel" mit seinem 280.000 € teuren Eigenbau „Red-Porsche-Killer“ das Rennen über die 8-tel-Meile gegen seinen Kumpel Holger "Holgi" Henze (74) im Porsche 911 von 1968 mit ein paar Metern Vorsprung am letzten Festivaltag gewonnen.

Der Verlierer Holgi musste nach dem Rennen  auf den „Schmähturm“, eine sieben Meter hohe Holzkonstruktion und wurde mit flüssigem Dreck (im Comic-Original Katzendreck) beworfen. Turmkonstrukteur Fynn Kliemann aus Rüspel in Niedersachsen gab die genaue Rezeptur nicht bekannt. Aus alter Verbundenheit stellte sich der Gewinner Brösel neben seinen alten Kumpel. Brösel: „Ich habe ja gar nicht Vollgas gegeben…!“ und Holgi meinte, die Machineneinstellung seines Porsche hätte nicht gepasst, aber es kann ja wieder eine Revanche geben. Immerhin hatte sich dieses Mal der Schlauch mit dem „Dreck“ nicht gelöst. Beim ersten Rennen ergoss sich dieser über die vorderen Reihen der Zuschauer.

Zuvor waren am Samstag wieder Motorsport und Musik gefragt. Entertainer Maschine und Matze Knop moderierten den Comedian Bülent Ceylan an, der teilweise auch politisch wurde. Die Metal-Queen Doro durfte genauso wenig fehlen wie Niedeckens BAP. Niedecken stand hier genau vor 30 Jahren mit seiner Band auf der Bühne. (wie auch der am Sonntag auftretende Roger Chapman) „Wer war schon vor 30 Jahren hier?“ fragte er die Menge, viele Arme hoben sich. Mit „Wir sehen uns im Millerntor Stadion“ verabschiedete er sich auf Anspielung auf das Fußballspiel Köln gegen St. Pauli am Folgetag, welches Köln in einer aufregenden Partie gewann.

Anschließend durften Torfrock zum dritten Mal an diesem Festival-Wochenende auf die Kesseldrom-Bühne. Im Waamlöt Zelt spielten u.a. Hannes Bauer´s Orchester Gnadenlos über die wir schon mehrfach berichteten sowie Torpus & The Art Directors, deren neues Album wir vor einigen Wochen rezensierten. An beiden Wochenendtagen gab es reichlich Motorsport. Dragster dröhnten im Wettbewerb um die beste Zeit, Auswanderer Konny Reimann fuhr im Taxi Racing mit, es gab die Cross Finals, Traktor Pulling und Stuntman Thomas Bloem glückte ein Bierlaster -Stunt von einer zwei Meter hohen Rampe über 60 Bierfässer.

 

Schleswig Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ließ es sich auch nicht nehmen, kurz rein zu schauen. Der NDR und andere Medien übertrug das spektakuläre Rennen am Sonntag Nachmittag live. Danach klang die wohl aufwendigste Bierwette in der Geschichte Schleswig-Holsteins aus.

Wacken-Macher Holger Hübner (52) hat mit seiner Firma, die ICS Festival Service, die Veranstaltung mit einem vermutlich zweistelligen Millionen-Betrag unterstützt, um hier nacxh dreijähriger Planung das größte Musik- und Motorsportfestival Europas aufzuziehen. Er war vor 30 Jahren beim Werner-Rennen, als im die Idee kam, so etwas auch zu versuchen, nur in Richtung Metal. Wacken Open Air war entstanden.

Man kann vermuten, das die Investition nicht mal eben so aus einer Bierlaune heraus geschehen ist. Natürlich steht die unausgesprochene Idee dahinter, das Werner-Rennen als regelmäßige Kultveranstaltung zu etablieren. Und so wird man vielleicht die Revanche der Revanche sehen, die Holgi anfänglich andeutete.

Auf jeden Fall dürften die Anwohner, die vor 30 Jahren ein Chaos mit knapp 200.000 ertragen mussten, beruhigt sein. Zwar wurden die Grundstücke in Festivalnähe mit meterhohen Metallzäunen (insgesamt 50 km Zaun) abgeriegelt, aber sie sahen meist nur Familienkutschen und Mittelklasse SUV´s mit Wohnwagen hinten dran. Die Bröselfans sind eben mit gealtert, dies machte aber die besondere gelassene Stimmung auf dem Festivalgelände aus.