Kleinkunst trotz(t) Corona

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Cuxhaven – 03.10.2020 - Ingo Appelt hat ein Geheimrezept gegen die Corona-Depression: sein neues Programm "Der Staats-Trainer!“. Über sein letztes Programm „Besser . . . ist besser“ berichteten wir im März letzten Jahres, da war die Welt noch in Ordnung. Die Corona-Krise hat nun vielen bereits das Lachen genommen. Sein Credo: „Nun stellt euch bitte mal nicht so an!“ – Außer natürlich für Tickets zu meinem neuen Programm.“ Und da gab es dieses Mal nicht ganz so viele Tickets wie gewohnt, um die Mindestabstände zu wahren. Die Hapag-Hallen waren an diesem 30. Jahrestag der deutschen Einheit aber ausverkauft.

Der Werbetext zum Programm lässt einen Sonnenstrahl im düsteren Corona-Alltag erscheinen: „Schon ein einziger Besuch seines neuen Programms „Der Staats-Trainer“ ersetzt mehrere Jahre Therapie – und zwar für Männer und Frauen. Denn Ingo Appelt gibt der allgemeinen Miesepetrigkeit den Rest – zur Not mit einem gezielten Tritt in den Arsch.“ Wir waren gespannt.

Pünklich erschien Ingo Appelt in einem schwarzen Glitzerjäckchen auf der Bühne. ER freute sich, dass in Cuxhaven doch so viele Zuschauer gekommen sind, denn viele haben in diesen Zeiten Angst, zu seinen Shows zu kommen. Das dies unbegründet ist, zeigte das stimmige Hygienekonzept. Wir fühlten uns sicherer als beim Enkaufen.

Er sei erkältet und dann ist es schwierig, weil er IN die Maske niesen muss. Außerdem erkennen ihn die Leute nicht mehr, denn er fährt im Zug zu seinen Auftritten. Ein Passantenpaar hatte ihn doch erkannt: „Ist das nicht der Appelt?„Nein, so fett ist der nicht!

Nachdem das geklärt war, verließ er noch einmal die Bühne, da er mit dem Begrüßungsapplaus nicht zufrieden war. Beim zweiten Mal klappte es nach seinen Angaben besser.

In Berlin, wo er jetzt lebt, gibt es sogenannte Wuträume, in denen man alles zerschlagen kann, erzählte er. 70 % von den Gästen sind Frauen. Und so bot er an dem Abend „betreutes Wutbürgertum“ an. Ohne Punkt und Komma redend, um keinen Kalauer, keinen derben Witz verlegen, machte der gebürtige Essener bei seiner Stippvisite Cuxhaven von Anfang an klar: „Es wird politisch nicht korrekt.“

 

 

 

 

Frech war er nicht nur gegenüber Merkel, Kohl, Söder und Co., sondern auch gegenüber seiner eigenen Partei. „Ich bin seit 35 Jahren in der SPD“, bekannte der 53-Jährige. Im tiefschwarzen Franken, wo er zeitweilig gelebt habe, habe er mit dem SPD-Ausweis sogar auf Behindertenparkplätzen parken können. Und er zerbrach ich über Männer wie Donald Trump, Boris Johnson („Sieht ein bisschen aus wie der Pocher in alt“) und Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro den Kopf.

Scharfe Worte fand der Comedian für Nazis, Rassisten und Verschwörungstheoretiker. Vegan-Koch und Corona-Verschwörungs- Theoretiker Attila Hildmann („Sieht aus wie in 4Blocks)“ bot dabei eine breite Angriffsfläche. „Der war Vegetarier, jetzt ist er Veganer. Der hat sich radikalisiert.“ Das er nicht der einzige Verganer ist zeigt, das es sogar schon veganes Wasser von Evian gibt. Er hingegen macht seiner Frau jeden Morgen Frühstück und lässt extra die Schlafzimmertür auf, dann steht er im Lendenschurz an seiner Kochinsel – das Auge isst mit.

Ebenso holte er sich Xavier Naidoo („Der Reichsbürger“) verbal heran, er kenne ihn schon lange, denn er habe früher mit ihm „gesoffen“. Auch Herbert Grönemeyer, Roland Kaiser, Mike Krüger, Vadder Abraham, Udo Lindenberg und Til Schwaiger wurden parodiert.

Er witzelte, kalauerte, sehnte für Nazis und radikale Moslems einen Stuhlkreis herbei. Er selber wurde am 20. April geboren und hat immer braune Schokokuchen zum Geburtstag bekommen. Und so verging ein lustiger Abend mit einigen verbalen Tiefschlägen wie im Flug.