Interview mit A. Blackwar von ISEGRIM

Gregor Eder

Von Gregor Eder

Es ist Zeit für deftigen BLACK METAL! ISEGRIM meldet sich kommenden Monat mit einer Re-Release des Erstwerks „Isegrim“ zurück. Dankenswerterweise durfte ich dem Mastermind hinter der Band A. Blackwar ein paar Fragen stellen:

Fast 30 Jahre ISEGRIM – wie sah die Initialzündung des Projekts aus?

A. Blackwar`s Antwort lautete: „Die Vision war es, rohen, schnellen Black Metal zu spielen – ohne Keyboards, mit dem Fokus auf antichristliche Aussagen. Ein richtiger Faustschlag gegen die konservative Gesellschaft! Ein Denkmal für die Ewigkeit. Und siehe da: Die Debüt-CD ist immer noch ein Liebhaberexemplar und mega rar auf eBay. Deshalb gibt es jetzt, fast 30 Jahre später, auch die Vinyl-Version. Das zeigt meinen Respekt gegenüber allen, die Isegrim in ihrem schwarzen Herz tragen.“

Warum hast du dich entschieden, auch in Zukunft so wie ursprünglich weiterzumachen und nicht wieder eine neue Besetzung zu suchen?

„Ich brauche kaum sozialen Kontakt, und bei der Musik ist es genauso. Zu zweit geht es noch, aber als Band habe ich früh erfahren: Man kann es nicht allen recht machen. Und wenn man sich trennt, wird man oft schlechtgeredet oder das Internet wird mit falschen Tatsachen in Foren beschmutzt – meist anonym.“ erklärte A.

Was sind die Vor- und Nachteile daran, solo zu arbeiten?

A: „Keine Kompromisse eingehen zu müssen und die musikalische Freiheit zu haben – es soll nach dem klingen, wer ich bin. Es ist meine Art von Musik, die ich mag und die noch extremer in mir lebt. Mein Song, meine Kreation! Wenn man eine Band gründet, wird immer jemand versuchen, Einfluss auf das Songwriting zu nehmen, was in meinen Augen vieles zerstört.“

Wie gestaltet sich der Songwriting-Prozess für ISEGRIM?

„Im kreativen Prozess, etwa bei Aufnahmen zu neuen Songs, ist es in meinem Studio oben unter dem Dach sehr dunkel. Ich benutze dunkelgrünes Licht, das meine Wände anleuchtet, dazu leichtes Kerzenlicht. Der Rest des Raumes besteht aus alten Postern, Fotos, umgedrehten Kreuzen und einem großen Pentagramm. Die Grundidee ist oft der Titel, dazu habe ich größtenteils schon eine kleine Version des Textes im Kopf.“ meinte A. dazu.

Nachdem alle Instrumente sowie der Gesang auf diesem Album ausschließlich von dir kommen: In welcher Reihenfolge entstehen die Instrumentals und die Aufnahmen?

A: „Meistens fange ich mit Gitarre oder Bass an, danach kommen die Drums. Beim Gitarrenspielen entstehen oft automatisch Teile des Textes, weil ich versuche, direkt dazu mitzusingen.“

Warum wurden als Bonustracks ausgerechnet Songs der CD-EP „Gloria Deo, Domino Inferi“ gewählt?

„Ich möchte eigentlich alle meine Songs auch auf Vinyl haben. Aber die zwei Bonus-Tracks werten die Platte zusätzlich auf. Für das Geld, das ein Vinyl heutzutage kostet, sollte die Spielzeit einfach passen. Mein Wunsch war es, das Teil für 19,99 € zu verkaufen. Markus Wosgien und ich hatten aber keine Chance, diesen Preis zu halten – selbst mit schwarzem Vinyl nicht. Die Autogrammkarten und Aufkleber haben wir aus eigener Tasche bezahlt, ohne sie auf den Preis aufzuschlagen.“ so A.

Fotocredit: Pressefoto

Da Destruction keine klassische Black-Metal-Band ist: Warum wurde damals wie heute gerade „Bestial Invasion“ als Cover gewählt und in welcher Beziehung steht ISEGRIM zu Destruction?

„Das Destruction-Albumcover von Sentence of Death hat mich in den 80ern stark in meinem Aussehen beeinflusst. Ihr Erscheinungsbild damals gehört zu 100 % zu meiner Musikwelt.
In den 80ern gab es noch Mailorderkataloge, die Shirts und Nieten verkauften, und auch auf Jahrmärkten gab es Verkaufsstände mit Aufnähern, T-Shirts und Nieten – ein Paradies für uns junge Metalfreaks! Von „Travellers – Young Fashion“ habe ich immer noch meinen großen Pyramidennietengürtel. Das Teil ist fast 40 Jahre alt – das war noch Qualität. Es mag für manche übertrieben wirken, doch für mich sind es wichtige Attribute.„Bestial Invasion“ ist auch nach so vielen Jahren immer noch ein Heavy-Metal-Tornado! Schmiers Vocals sind einfach der Hammer. Auf dem letzten Destruction-Album „Birth of Malice“ ist das der totale Wahnsinn – echt gut!“ erklärte A..

Worin siehst du die größten Übel der Menschheit?

A. antwortete: „Der Mensch gehört eigentlich nicht zur Natur und nicht hierher auf die Erde. Ohne die Menschheit würde wieder ein Gleichgewicht entstehen – das war schon immer meine Philosophie. Leider gibt es uns auf diesem Planeten, und jeder ist sich selbst am nächsten. Nur der Stärkere gewinnt – diese Haltung verkörpere ich. Alpha ist auch der Leitwolf und trägt den passenden Namen der Band, damals wie heute.“

Was bedeutet für dich als Black-Metal-Veteran ein Leben im Zeichen des Black Metal?

„Bei mir ist es seit über 35 Jahren eine Leidenschaft. Angefangen hat alles als Fan von Venom, Bathory und Celtic Frost. Mir war als junger Metalhead sofort klar: Das ist genau mein Weg.
Heute ein Teil der 90er-Szene gewesen zu sein, macht mich stolz – und ich sehe noch kein Ende.“ so A..

„Stay Black, stay Metal!“

A. Blackwar (ISEGRIM)

Wo siehst du den Standpunkt von Black Metal in der heutigen Zeit, in der viel „gecancelt“ wird? Ist es schwerer geworden, derartig offensive Texte darzubieten bzw. Orte zu finden, an denen man seine Meinungsfreiheit auf diese Art nutzen kann?

„Anfang der 90er hatten wir kein Internet oder soziale Netzwerke – das war definitiv die bessere Zeit für extreme Musikstile wie Punk oder Metal. Heute ist es eine Katastrophe: Jeder kann Einfluss nehmen, alles ist transparent. Die totale Kontrolle – das ist eigentlich nicht mehr meine Welt.
Den nächsten Generationen im extremen Black Metal würde ich raten, komplett aus dem Internet zu verschwinden: nur Eigenvertrieb, Mailorderkataloge, Printmagazine und selbst organisierte Konzerte – teilweise wie früher. Dann hat man auch mehr Meinungsfreiheit.“: erklärte A..

Kannst du uns schon einen kleinen Einblick in das kommende Album geben?

A.: „Ich bin gerade im Studio und nehme acht Songs für das Album auf. Auf dem Cover wird eine Darstellung Luzifers zu sehen sein, mit einem gewaltigen Hintergrund aus Himmel und Hölle. Ich selbst habe es allerdings noch nicht gesehen, da ich es gerade zeichnen lasse. Die Songs werden unterschiedlich sein. Viele sagen, dass ich wieder mehr in Richtung des Isegrim-Debüts gehen soll – dieses Feedback ist mir wichtig. Zwei Songs auf dem Album passen vom Material her komplett zum damaligen Mini-Album.“

Hast du eine direkte Message an die Leute da draußen?

A.: „Stay Black, stay Metal!“

Da kann ich mich nur anschließend und euch zusätzlich die Neuauflage von „Isegrim“ empfehlen. Unsere Rezension dazu findet ihr –> hier.


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