Von Gregor Eder
Am 24.04.2026 veröffentlicht die Schweizer Hard-Rock-Band THE ORDER ihr 7. Studioalbum! Dankenswerterweise durfte ich Gitarristen Bruno Spring ein paar Fragen zu dem neuen Studioalbum „Empires“ und ein paar weiteren Dingen stellen.
2020 gab es mit „Supreme Hypocrisy“ euer letztes Album. Nun gibt es am 24.04.2026 Nachschlag mit „Empires“. Was geschah in der Zwischenzeit, abgesehen von der EP?
Bruno: „Kurz nach der Veröffentlichung von „Supreme Hypocrisy“ kam Corona und der Lockdown: Wir konnten eine einzige Show zum neuen Album spielen, danach war Schicht im Schacht und alles Dicht. Wir haben die Zeit genutzt, um unsere Accoustic-EP „Out Of Order“ zu produzieren und haben gleich im Anschluss damit begonnen, Songs für das nächste, reguläre Album zu schreiben. Die ersten Songs von „Empires“ sind bereits 2022 entstanden, so zum Beispiel auch die Single „Fight For Your Rights“. Das war einer der ersten Songs, die wir für das neue Album geschrieben haben.“
Bitte beschreibt kurz was uns inhaltlich auf diesem Album erwarten wird?
Bruno: „Inhaltlich ist „Empires“ nochmals etwas politischer und systemkritischer ausgefallen als der Vorgänger „Supreme Hypocrisy“. Wir leben in einer schwierigen Zeit. Autokraten bekommen immer mehr Macht, während die Bedeutung der Demokratie schwindet. Es herrscht vermehrt das Recht des Stärkeren, The Law Of The Jungle. Viele Songs und auch die Texte sind schon vor drei, vier Jahren entstanden. Dass die Texte heute aktueller sind denn je, hätten wir damals nicht gedacht… und auch nicht gewünscht. Bei aller Systemkritik sollen unsere Songs aber auch Hoffnung machen, die Hörerinnen und Hörer ermutigen, nicht alles zu schlucken und ihre Faust gegen die Unterdrückung und die Ungerechtigkeit zu erheben. Es ist ein langer, dunkler Tunnel, aber am Ende des Tunnels ist Licht zu sehen. Die Leute wachen auf. Das sind Themen, welche wir schon auf unserem ersten Album „Son Of Armageddon“ vor 20 Jahren aufgegriffen haben. Mit „Empires“ schließt sich der Kreis, sowohl textlich als auch musikalisch.“
Wie seid Ihr bei der Aufnahme vorgegangen? Schwört ihr noch auf klassische Röhrenamps, oder seid ihr auch schon rein digital unterwegs? Fühlte es sich im Studio wie gewohnt an, oder gab es irgendwelche Besonderheiten?
Bruno: „Mittlerweile nutze auch ich im Studio einen Profiler, allerdings mit einem Profil von meinem eigenen Röhrenamp und meiner mittlerweile 40-jährigen Marschall-Box. Das macht das Aufnehmen zu Hause halt unglaublich einfach und ich muss ehrlich zugeben, dass ich auf den Aufnahmen den Unterschied zwischen meinem echten, mit einem Mikrophon abgenommenen Amp und dem Profil auf meinem Tonex nicht mehr höre. Alain (Bassist) und ich haben aber auch immer ein D.I. Signal aufgenommen, um die Spuren später über einen echten Röhrenamp reampen zu können. Da wir im A/B Vergleich aber keinen Unterschied festgestellt haben, haben wir auf ein komplettes Reamping der Signale verzichtet. Live ist das aber eine andere Geschichte, hier kann ich unmöglich auf meinen aufgerissenen 5150 und meine Box verzichten. Die Hosenbeine müssen flattern und es muss drücken, das funktioniert mit dem digitalen Zeugs zumindest für mich nicht. Bei Alain ist es ähnlich: Digital im Studio, analog auf der Bühne.“
Ihr habt ja ein Musikvideo zu „Fight For Your Rights“ gedreht. Wer hatte die Idee dazu es in diesem Stil zu machen und werden noch weitere Videos folgen?
Bruno: „Die Idee stammt vom Videoproduzenten, Daniel Lambing. Das Video sollte die Textaussagen vom Song unterstreichen, hier geht es um Widerstand gegen imperialistische und autoritäre Systeme, aber auch um Hoffnung. Wir ließen uns hier ein wenig vom „One“-Video (Metallica) inspirieren. Die Bandaufnahmen entstanden in einem kleinen Club in Bern, Daniel hat dann in der Pre-Production die Stills und Animationen mit den Soldaten, den ICE-Beamten und den Demonstranten eingebaut. Wir sind jedenfalls happy mit dem Video und natürlich hätten wir auch gerne ein weiteres Video für die zweite Single gemacht, allerdings fehlte uns dafür schlicht die Zeit. Mal schauen, vielleicht holen wir das noch nach.“
Was macht heutzutage, aus Eurer Sicht, guten Heavy-Rock/Metal aus?
Bruno: „Für mich muss Heavy Metal leidenschaftlich, authentisch und vor allem handgemacht sein. Viele der heutigen Metal-Produktionen klingen für mich zu klinisch, zu künstlich und zu stark komprimiert. Die Dynamik geht komplett verloren, was ich schade finde. Das hat nichts mit der Produktionstechnik zu tun, auch wir nehmen heute digital auf und schaffen es trotzdem, dass unsere Produktionen natürlich und dynamisch klingen. Das ist mit den heutigen Tools problemlos möglich. Aber das Wichtigste sind natürlich die Songs: Es braucht starke Melodien, zündende Hooks und griffige Riffs. Meiner Meinung nach die wichtigsten Zutaten für einen starken Metal-Song. Ich stelle fest, dass auch im Metal beim Songwriting verstärkt auf KI gesetzt wird, was ich extrem schade finde. Eine generative KI wird Kreativität nie ersetzten können, da die KI nur mit bereits bestehendem Material arbeiten kann. So wird nie etwas Neues, leidenschaftliches entstehen. Weder bei der Musik, noch bei den Texten und schon gar nicht beim Artwork. Bei uns ist alles Handgemacht und so wird es auch bleiben.“

Fotocredit: Pressefoto
Wie sieht der Songwriting-Prozess im Generellen bei Euch aus? Habt Ihr bei diesem Album anders geschrieben als beim Vorgänger?
Bruno: „Beim Songwriting sind wir wie immer vorgegangen. Den Großteil der Musik schreibe ich zu Hause, nehme die Demos inkl. allen Instrumenten auf und schicke diese in die Runde. Wenn’s gefällt, feilen wir an den Arrangements weiter, Gianni schreibt die Gesangslinien und die Texte, ich finalisiere die Demos, welche dann die Blaupause fürs Studio bilden. Tschibu, unser Drummer spielt die Drumparts zu einer Pilotspur bei V.O. im Studio ein, Alain und ich legen die finalen Bass- und Gitarrenspuren in unseren Homestudios darüber und Gianni singt die Songs wiederum bei V.O. im Studio ein. Meistens treffen wir uns dann alle zusammen bei V.O., um noch letzte Aufnahmen zu machen, beispielsweise Chöre, Keys oder Perkussion. Danach macht sich V.O. an den Mix und ans Mastering.“
Welche Bands würdet ihr als Inspiration für Euch anführen, mit welchen man nicht unbedingt rechnen würde?
Bruno: „Naja, da wir alle einen sehr breiten und auch unterschiedlichen Musikgeschmack haben, kann ich hier nur für mich sprechen. Ich bin halt stark von den 80ern inspiriert, das war die Zeit, als ich mit dem Gitarrenspielen angefangen und mich in den Heavy Metal verliebt habe. Ich stehe total auf Judas Priest und Dokken, ich glaube, diese Einflüsse sind in meinen Songs zu hören. Natürlich sind wir nicht in den 80ern stehen geblieben und uns war immer wichtig, dass wir einen eigenen Sound, einen eigenen Stil kreieren, was uns mittlerweile glaube ich ganz gut gelungen ist.“
Beschreibt mir bitte The Order mit drei Worten.
Bruno: „Freundschaft. Leidenschaft. Energie“
Nun seid Ihr ja schon über 20 Jahre am Arbeiten. Was waren für Euch mitunter die schönsten Momente in der Bandgeschichte?
Bruno: „Dass wir seit nunmehr 20 Jahren in fast unveränderter Besetzung unterwegs sind und immer noch mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache sind. Am wichtigsten und schönsten ist aber, dass uns eine tiefe Freundschaft verbindet, auch abseits der Musik. Das Zwischenmenschliche in einer Band war für mich immer das wichtigste Element. Mit Tschibu, unserem Drummer, mache ich gemeinsam Musik, seit wir 17 Jahre alt sind! Was nützt es, wenn der Musiker genial und ein Virtuose auf seinem Instrument ist, aber gleichzeitig ein pathologischer Narzisst ist und es zwischenmenschlich nicht passt? Das ist verschwendete Lebenszeit. Deshalb: die Freundschaft ist und bleibt das Wichtigste in unserer Band.“
„Bleibt achtsam und kritisch, glaubt nicht alles, was in der Presse steht und begegnet Euren Mitmenschen mit Respekt und Liebe.“
Bruno Spring (The Order)
Was ist eure lustigste Tour-Geschichte?
Bruno: „What happens on tour, stays on tour 😉”
Welche Änderungen bringt der Einstieg von Gianni in Nazareth mit sich?
Bruno: „Wir haben uns für Gianni sehr gefreut, als er uns letzten Dezember mitteilte, das er der neue Sänger von Nazareth ist. Das ist für ihn eine riesige Chance, hochverdient und wir gönnen ihm das von Herzen. Durch die Tourpläne von Nazareth mussten wir unsere geplanten Shows ein wenig umplanen und Termine verschieben, absagen mussten wir aber zum Glück nichts. The Order spielen ja auch keine 100 Shows pro Jahr. Gianni wird trotz seines Engagementes bei Nazareth der Sänger und Frontmann von The Order bleiben, etwas anderes stand gar nie zur Debatte. Darüber sind wir sehr dankbar. Es kann auch eine Chance sein, durchaus denkbar, dass sich der eine oder andere Nazareth-Fan die «andere» Band von Gianni mal anhören will. So erreichen wir eine Fangruppe, welche wir wohl nie erreicht hätten. Win-Win, würde ich meinen.“
Habt Ihr irgendeine Message, die Ihr über dieses Interview an die Leute da draußen richten möchtet?
Bruno: „Bleibt achtsam und kritisch, glaubt nicht alles, was in der Presse steht und begegnet euren Mitmenschen mit Respekt und Liebe.“
Danke an Bruno für diese ausführlichen Antworten! Euch da draußen sei zum Abschluss noch das neue Album „Empires“ empfohlen. Unsere Rezension dazu findet ihr–> hier.














1 Gedanke zu „Interview mit Bruno Spring von THE ORDER“
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