Interview mit Gavin Rossdale von BUSH

Gregor Eder

Von Gregor Eder

Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern an welchem ich „Glycerine“ zum ersten Mal gehört habe. Wenige Wochen später stand ich dann vor der Bühne und durfte BUSH live genießen. Die Band lieferte gewaltig ab und beeindruckte mich sehr. Daher freute ich mich gewaltig als BUSH ihr neues Album „I Beat Loneliness“ ankündigten.

Noch erfreuter war ich dann, als mir ein Interview mit Sänger und Rhythmusgitarrist Gavin Rossdale zugesagt wurde. Wir trafen uns via Zoom und nach einer kurzen Vorstellung legte ich wie gewohnt mit der ersten Frage los: „Wie entstand das Cover des neuen Albums? Es spiegelt die Stärke, aber auch die Fragilität des Albums sehr gut wieder.“

„Also, das Cover haben wir eigentlich meiner Mutter zu verdanken. Die zu sehenden Blumen waren ihre Lieblingsblumen. Sie ist leider vor ein paar Monaten verstorben und daher habe ich ihr dieses Album gewidmet. Sie konnte noch ein paar Songs des Albums, wie beispielsweise „Everyone is broken“ hören und liebte es.

Somit wollte ich ihre Lieblingsblumen als Albumcover, doch simple Blumen als Cover waren mir dann etwas zu einfach. Daher habe ich mit dem Negativ des Fotos auseinandergesetzt und so entstand dann das Bild. Es hat wirklich Spaß gemacht, das Cover zu gestalten!“ erklärte Gavin.

Fotocredit: Joseph Llanes

Aus meiner Sicht ist das Cover wirklich sehr gelungen, aber die Songs auf dem Album selbst sind noch einmal eine andere Sache. Das Album liefert sehr abwechslungsreich ab und daher fragte ich: „Wie war die Songwriting-Phase zu diesem Album? Hat sich etwas im Vergleich zur letzten Scheibe geändert, oder hast du die Songs in einem gewissen Setting geschrieben?“

Gavin meinte: „Also, für mich ist das Ganze eine Fortsetzung von „The Art Of Survival“ (2022). Mit „The Kingdom“ (2020) kam ich zu einer gewissen Erkenntnis. Jedes Mal wenn wir ein Festival spielten, bei welchem wir uns unsicher fühlten, beispielsweise weil wir als Rock-Band auf einem Metal-Festival auftraten, brachten wir unsere Nummern in einer anderen Stimmung. Nach einer Zeit realisierte ich, dass mich die Standardstimmung eigentlich nicht mehr interessiert und begann ab „The Kingdom“ in den verschiedensten Stimmungen zu spielen.

Aber wie gesagt ist alles für mich nur eine Fortsetzung von verschiedenen Zeiten, Reflexionen, Stimmungen und dabei ist mir das Experimentieren sehr wichtig. Ich weiß noch nicht genug und daher probiere ich vieles aus, um zu lernen. In meinen Songs habe ich keinen Respekt vor Tonarten und daher sind jene vollgepackt mit Wechseln, welche entweder schlau oder grundnatürlich wirken.

Manche Fans mögen diese Wechsel analysieren und sie als genial bezeichnen, doch ich habe da eher eine „Neandertaler-Herangehensweise“ und experimentiere bis es sich für mich gut anhört. Ich erfahre meist im Nachhinein, ob und wie gut meine Kompositionen sind. Für mich ist Musik einfach eine Welt, die man erforschen muss.“

Hier konnte ich nur zustimmen und mit dieser Antwort haben wir nun eine klare Erklärung, warum Bush bis heute durchwegs interessant abliefert. Beim Forschen in der Welt der Musik ist die Band mitunter auch in die elektronische Richtung abgebogen. Daher lautete meine nächste Frage: „Wie sind die elektronischen Sounds zum Ganzen gekommen? Ich habe da mitunter ein paar Nu-Metal Vibes in Richtung Linkin Park verspürt.“

„Ich liebe einfach elektronische Instrumente, Keyboards und deren Sound. Linkin Park mag ich sehr gerne, wobei ich Aphex Twin bevorzuge. Ich finde Nu Metal Bands schon sehr inspirierend und den Einsatz von Keyboards und Synthesizern sehr beeindruckend. Nine Inch Nails waren mitunter auch ein gewisser Einfluss.

Schlussendlich versuche ich bei meinen Aufnahmen und beim Komponieren immer neue Wege zu finden. Da ich nur diese eine Stimme habe, welche eben so klingt, wie sie klingt, versuche ich sie immer gut zu verpacken. Ich schreibe eigentlich gerne am Keyboard und manchmal nehme ich die Gitarren erst am Ende auf.“ meinte Gavin.

Die markante Stimme von Gavin wurde bisher wirklich immer sehr gekonnt verpackt! Nachdem Gavin`s Stimme aber nicht die einzige auf dem Album ist, fragte ich: „Ihr habt ja auch einen Song mit dem L.A. Children Chorus. Wie kam es dazu und war die letzte Zeile „The kids have all spoken“ schon im Text, bevor ihr wusstet, dass es eine Kooperation gibt?“

Gavin legte direkt los: „Ursprünglich habe ich den Song geschrieben und als mir die Zeile in den Kopf kam, hatte ich direkt die Idee einen Kinderchor einzubauen. Ich dachte an Pink Floyd`s „The Wall“ und ähnliches. Der Satz kam irgendwie natürlich über das Songwriting und dann hatte ich diese Eingebung, dass wir den Chor brauchen. Die Kinder waren wirklich lieb und „nerdig“, aber auch nervös. Der Song ist sehr natürlich entstanden und es hat sich auch natürlich angefühlt, das Lied mit den Kindern gemeinsam zu singen.“

Das klang nach einer wirklich schönen Erfahrung und ich bin mir sicher, dass die Kinder die Kooperation auch nicht mehr vergessen werden. Der Song ist jedenfalls sehr gelungen und bringt einen hohen Gänsehautfaktor!

„Schlussendlich versuche ich bei meinen Aufnahmen und beim Komponieren immer neue Wege zu finden.“

Gavin Rossdale (BUSH)

Dies teilte ich Gavin auch mit und er meinte: „Jeder Song ist ein Geschenk. Ich habe bisher viel lernen dürfen und bin nun hauptsächlich Vater und Songwriter. Man könnte zwar versuchen mich anders zu beschreiben, da ich kein schlechter Tennisspieler bin, aber darin bin ich wieder nicht gut genug, um es auf meinem Grab zu verewigen. * lacht *“. Ich glaube Sänger von BUSH reicht in diesem Fall!

Wie kam es zum Lyrics-Video von „60 Ways To Forget People“ und warum habt ihr euch für ein Video dieser Art entschieden?“ lautete meine nächste Frage.

„Was passiert ist war, dass wir die Idee hatten, dass die erste Single das Album gut vorstellen sollte, was auch rein vom Text her gut funktioniert hat. Es war einmal wieder eine natürliche Eingebung, die bestens funktioniert hat. Wenn es um den Inhalt des Songs geht, dann kann ich nur sagen, dass es ein großer Fehler ist Menschen, welche man verloren oder verlassen hat, zu glorifizieren und zu vergessen, warum man sich getrennt hat.

Der Titel erklärt schon, wie viele Wege es gibt, um auf diese Art zu vergessen. Ich erinnere mich gerne daran, was eine deutsche Freundin von mir einmal gesagt hat: „Man kann nur Suppe aufwärmen!“. Das ist mein Hintergrund zu dem Song, aber ich bin mir bewusst, dass Hörer den Song für sich selbst interpretieren werden und das ist auch gut so!“: erklärte Gavin.

Bei mir in Österreich sagt man „Nur Gulasch schmeckt aufgewärmt!“, aber ich verstand auf jeden Fall, was Gavin meinte. Wie ihr es von mir gewohnt seid, lautete meine letzte Frage: „Gibt es irgendeine Message, die du an die Leute da draußen richten möchtest?“

Gavin antwortete: „Wir sind auf einer großartigen Reise und ich glaube, wir haben uns selbst als Band endlich gefunden. Wir spielen in einer wirklich schönen Verbindung und ich weiß, dass Leute Freude daran haben, wenn wir spielen. Die Europatour wird sicherlich schön und ich bin dankbar, dass wir mit Volbeat unterwegs sein dürfen. Wir werden unser Bestes geben! Natürlich haben uns schon einige Fans dort gesehen, aber ich glaube, es zahlt sich aus uns jetzt zu besuchen, da sich die Band etwas anders und richtig anfühlt. Ich weiß nicht, was Sicht verändert hat, aber es fühlt sich sehr gut an!“

Das Gespräch mit Gavin war ein durchaus entspanntes und ich möchte mich auf diesem Weg nochmals dafür bedanken! Freut euch auf die massiven Songs, welche ihr auf „I Beat Loneliness“ finden werdet. Unsere Rezension dazu findet ihr –> hier.


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