Von Gregor Eder
Nicht mehr lange, dann gibt es endlich wieder frische Tracks von H-BLOCKX auf die Ohren! Am 06.03.2026 veröffentlicht die Band ihr schon heiß erwartetes 8. Studioalbum und dankenswerterweise durfte ich mich mit Sänger Henning Wehland via Zoom zu einem Interview treffen.
Wie ihr es von mir gewohnt seid, schoss ich direkt nach der Begrüßung mit meiner ersten Frage los: „Womit wird „The_Blank“ „gefüllt“?“
„Boaah. Also es ist ja, glaube ich, der Sinn von Kunst, dass man Impulse in die Öffentlichkeit sendet, sodass sich jeder sein eigenes Bild machen kann. Das passt eigentlich gut zu deinem Hintergrund. (Zur Erklärung: Ich hatte auf Zoom einen „Weltall-Hintergrund“). Man kann sich auf einen einzelnen Stern konzentrieren, oder auf das große Ganze, was aber oft simpel unmöglich ist. Letzenendes ist das Ganze vom Titel her genau das was jener sagt. Nach 30 Jahren Bandgeschichte gab es natürlich viele Themen und Fragen die über die Zeit offen geblieben sind, wie zuletzt eben die Frage warum es Sinn macht, dass die Band nochmal auf die Bühne geht. Ich glaube wir haben jetzt das Gefühl, dass sich nun der Kreis schließt und sich Alles auf sonderbare Art und Weise einfach fügt.“: erklärte Henning.
Man kann also sagen, dass sich die „Blanks“ mit diesem Album nicht nur gefüllt haben, sondern sich die aufgekommenen Fragen bzw. Lücken im „Zyklus“ der Band somit schließen. Ein wirklich schönes Sinnbild!
Nachdem Henning ja schon die lange Bandgeschichte angesprochen hatte folgte folgende Frage: „Nun hast du ja schon euer langes Bestehen angesprochen, welches ihr ja gebührend gefeiert habt. Was kannst du rückblickend zu den Entwicklungen sagen?“
Henning meinte direkt: „Ich glaube ja nicht an Schicksal, Vorbestimmung oder ähnliches. Ich bin simpel dankbar für dieses Leben und die Höhen und Tiefen die ich darin erleben darf und ich glaube eine Karriere wie mit H-BLOCKX kann man einfach nicht planen. Bei vielen Dingen sind wir als Band einfach unserem Instinkt gefolgt. Klar kann natürlich alles immer besser, aber auch schlechter laufen, doch schlussendlich bin ich sehr happy da wo ich jetzt bin.“
Auf eine derartige Karriere kann man definitiv stolz sein! Der Instinkt der Truppe hat sie sicherlich nicht getäuscht. Die nächste Frage fokussierte sich wieder direkt auf das neue Album: „Wie war es für euch nach so einer langen Zeit wieder gemeinsam im Studio zu stehen?“
„Ich persönlich und auch die Meisten von uns sind ja schon immer Musiker gewesen und daher war die Zeit im Studio nun nicht wirklich etwas besonderes. Das besondere war eher, dass wir uns als Band endlich wieder gefunden und getroffen haben. Es war natürlich nicht so, dass wir uns jemals aus den Augen verloren hätten. An einem besonderen Tag vor 2 Jahren, da standen wir tatsächlich im Studio und haben miteinander, garn icht mal so wahnsinnig viel, aber einfach geredet. Wir haben uns darüber ausgetauscht, was uns so die letzten Jahre und Jahrzehnte beschäftigt hat und anstatt über die Anderen zu sprechen, hat jeder von sich selbst erzählt. Ich glaube, das hat Mauern niedergerissen, was wir auch brauchten um unsere Freundschaft zu finden. Letzenendes kam es so auch wieder zu dem Funken, welchen wir auch zu Beginn der Band hatten. Eben einfach Bock darauf zu haben Musik zu machen, ohne irgendwelche Cliches zu bedienen oder uns von irgendetwas leiten zu lassen von dem wir meinten, dem entsprechen zu müssen. Ich glaube wir haben uns einfach gefunden und die Lücken gefüllt.“ erklärte Henning.

Fotocredit: @connormcbriarty
Ich glaube diesen Funken auch schon einmal gefühlt zu haben, wenn ich nicht schon das dadurch ausgelöste Feuer in mir trage und verstand sehr gut was Henning hier meinte. Dass sich die Band bei diesem Album nicht verbogen hat und authentisch den beschriebenen Funken übertragen, kann ich euch jedenfalls schon einmal verraten.
Nachdem ich das Album vorab schon etwas durchleuchte konnte, hatte ich eine etwas speziellere Frage an Henning: „In „BEG_TO_DIFFER [BULLY]“ findet sich ein immer wiederkehrendes Sample, welches einerseits irritiert, andererseits auch einen guten Wiedererkennungswert hat. Woher kommt das Sample?“
„Ach, du meinst dieses „wuhu“. Da bist du leider bei mir an der falschen Adresse. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, das haben die Kollegen aus einem Vocal-Sample von mir zusammengebaut. Es könnte aber auch ein Loop sein. „Irritiert“ finde ich in dem Zusammenhang sehr interessant. Das gibt mir eine neue Perspektive. Mich hat es eher im positivem Sinne provoziert.“: meinte Henning.
Ich erklärte, dass ich „irritiert“ genau in diesem Sinne gemeint hatte, denn dieses Sample lässt einen nicht in Ruhe, sodass man den Song unbedingt bis zum Ende hören muss, um herauszufinden, wie lange die Band das Sample durchzieht.
„Neben diesem Sample ist mir auch noch der weibliche Gesang im Refrain von „DESPERADO“ speziell aufgefallen. Wie ist denn diese Passage entstanden?“: war meine nächste Frage.
Henning erklärte: „Steady hat ja ein Studio in Berlin und in den anderen Studioräumen dürften des öfteren verschiedene Sängerinnen und Sänger arbeiten und beispielsweise Toplines einsingen. Wir haben eine längere Zeit gesucht, bis er schlussendlich eine Sängerin gefunden hat, die das Ganze dann aufgenommen hat. Ehrlich gesagt kenne ich deren Namen gar nicht, da müsstest du wirklich ihn fragen. War haben tatsächlich auch ein paar bekanntere Namen ins Rennen gebracht, aber die Idee hinter dem Song ist ja letztendlich auch, dass es in den Strophen um Aggression und Wut geht. Mitunter um eine Wut gegenüber dem Leben welche ich einmal empfunden hab und auch teilweise heute noch empfinde.
Zur Auflösung dieser im Song verpackten Wut brauchte es dann irgendwie einen Erzähler oder wie nun schlussendlich eine allmächtige weise Erzählerin. Die Vorlage dafür war eine naive aber doch sehr, sehr weise Stimme, also jung und alt zugleich. Für mich hat das Ganze eine etwas „Gott-ähnlichen-Touch“ und daher durfte es zum Beispiel keine druckvolle Soul-Stimme sein. Vorbild war für mich Alanis Morissette in dem Film „Dogma“, wo sie ganz zum Ende des Films den lieben Gott spielt. Wenn du so willst ist es letztendilch das Über-Ich, welches mir sagt, dass das da draußen nicht mein Kampf ist, es sinnlos ist dauernd gegen eine Wand zu laufen und dass ich nachhause kommen soll. Dieses „Nach-Hause-Kommen“ ist eben ein Bild für die Selbstfindung.“
Hier sieht man einmal wieder wie man von einem Detail zum tiefgründigen, großen Ganzen kommen kann. Wir plauschten noch kurz über die Genialität hinter Dogma und den dazugehörigen Teilen dieser Filmtrilogie, bis ich folgende Frage, wieder auf einen neuen Song abzielend, stellte: „Wer hatte die geniale Idee zum Song „ME_AND_MY_HORSE“ ?“
Bevor ich die Antwort preisgebe sei noch gesagt, dass der Titel im Song selbst wie ein „Cheerleader-Chorus“ vorgetragen wird, also „M_E_A_N_D_M_Y_H_O_R_S_E“, was einen wirklich speziell anfeuert bei dem Track abzugehen.
Henning meinte dazu: „Ich weiß ja nicht, ob du es weißt, aber ich lebe ja auch einem Bauernhof, also Pferdehof. Daher habe ich sehr viel mit Pferden zu tun und fliege sogar nun auf ein Reit-Turnier in Hong Kong als Teil eines Reitteams, welches professionelle Springpferde ausbildet.
„Ja, eigentlich ganz klar. Funk, Rap und Core! Das ist auch das wie wir unsere Musik bezeichnet haben, bevor man davon als Crossover gesprochen hat. Diese drei Genre haben uns damals am meisten beeinflusst. Die 90er-Jahre stehen für mich im Prinzip für ein musikalisches Wirr-Warr in welchem Alles möglich war.“
Henning Wehland (H-BLOCKX)
Daher wollte ich schon immer Musik und Reitsport verbinden, auch wenn es sehr verschiedene Welten sind. Mir war es ein Anliegen, auch wenn es für die Band anfangs nicht so verständlich war, aber eines Tages kam dann tatsächlich unser Bassist Gutze und meinte, dass wir unbedingt ein Lied über Pferde machen müssen. Er fing dann eben mit dem Titel „M_E_A_N_D_M_Y_H_O_R_S_E“ an.“
Ich warf kurz ein, dass mich der Song an Cheerleader-Shouts bei American-Football-Spielen erinnert und Henning erwiderte: „Ja, dass ist da natürlich auch drinnen. Aber falls du noch Faith No More vor Mike Patton kennst, dann sollte dir der Song „Be Aggressive“ ein Begriff sein, welcher hier auch Inspiration gewesen ist. Aber tatsächlich war es bei Gutze so, dass er Nacht wach wurde und auf einmal diese Zeile im Kopf hatte. Damit kam er ins Studio und ich habe das natürlich dankbar aufgenommen.“
Was einem im Schlaf nicht Alles einfallen kann! H-BLOCKX werden ja zurecht immer wieder mit den 90ern assoziiert. Daher durfte folgende Frage nicht fehlen:„Wie würdest du die 90er in 3 Worten beschreiben?“
Henning dachte nicht lange nach und meinte: „Ja, eigentlich ganz klar. Funk, Rap und Core! Das ist auch das, wie wir unsere Musik bezeichnet haben, bevor man davon als Crossover gesprochen hat. Diese drei Genre haben uns damals am meisten beeinflusst. Die 90er-Jahre stehen für mich im Prinzip für ein musikalisches Wirr-Warr in welchem alles möglich war.“
Eine klare Ansage! Wie gewohnt schoss ich zum Ende noch meine altbekannte Frage raus: „Gibt es irgendeine Message die du über dieses Interview an die Leute da draußen loswerden möchtest?“
Ohne zu zögern folgte diese Antwort: „Finde deinen Frieden! Das ist der schönste Wunsch den ich mir aktuell vorstellen kann.“
Schönere Worte hätte Henning zum Schluss nicht finden können. Bei diesem Wunsch an euch kann ich mich nur anschließen und noch hinzufügen, dass jener nicht nur zeigt, welch herzlicher Mensch Henning ist, sondern auch, aus welch authentisch menschlicher Schmiede die Musik von H-BLOCKX kommt. Das wollte ich nochmal hervorheben!
Abschließend möchte ich mich nur noch bei Henning für seine Zeit, sowie das entspannte Interview, bedanken und euch da draußen „FILLIN_THE_BLANK“ empfehlen, falls ihr Lust auf eine gewaltige Ladung an 90er-Charme habt. Unsere Rezension dazu und Termine für die anstehenden H-BLOCKX-Konzerte findet ihr –> hier.
Unser 2024er Interview mit Henning findet ihr –> hier.














1 Gedanke zu „Interview mit Henning Wehland von H-BLOCKX“
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