Von Gregor Eder
Long Distance Calling haben mich mit ihrer Musik schon lange fasziniert. Umso schöner war es, als ich die Info bekam, dass die Band für Interviews das neue Album, welches am 10.04.2026 erscheint, zur Verfügung stand. Es dauerte nicht lange bis ich meinen Slot erhielt und schlussendlich freudige via Zoom mit Drummer Janosch Rathmer etwas über die neue Veröffentlichung, auf welche wir Fans nun etwas warten mussten, plaudern durfte.
Zum Einstieg stellte ich eine meiner neuen Lieblingsfragen: „Wie würdest du Long Distance Calling in 3 Worten beschreiben?“
„Ui! Ich würde sagen Atmosphäre, Melodien und Rhythmus“: erklärte Janosch. Ich grinste und meinte: „Die einfachste Lösung wäre eigentlich Long Distance Calling gewesen. Deswegen wollte ich genau 3 Wörter von dir.“
Nach kurzem Gelächter wurde ich wieder ernster, erklärte, dass mir die düstere Seite des neuen Albums sehr gut gefällt und es mich etwas an die letzten Alben von John Carpenter erinnert.
Daraufhin meinte Janosch: „Das ist ein passender und auch witziger Vergleich, da wir tatsächlich vor ein paar Jahren zu einem Konzert von Carpenter gefahren sind. Ich glaube, das war sogar seine letzte Tour. Da hat er ja mit einer vollen Rockbesetzung gespielt, während im Hintergrund die Filme gelaufen sind. Das war tatsächlich sehr inspirierend und es kann schon gut sein, dass dieser Erfahrung beim neuen Album auch etwas reingespielt hat. Auch das Cover ist ja auch etwas an die Filme seiner Zeit angelehnt. Also dass dir das in den Sinn gekommen ist, ist nicht gerade unpassend.“
Die Bestätigung, dass ich hier anscheinend ins Schwarze geschossen hatte, tat wirklich gut. Nachdem die Band sich mit einer frischen Veröffentlichung etwas Zeit gelassen hatte, durfte folgende Frage natürlich nicht fehlen: „Zwischen dem Letzten und dem neuen Album liegen ja nun 4 Jahre. Wie hat sich diese sozusagen Auszeit bei euch konkret gestaltet?“
„Wir haben relativ wenig live gespielt, um uns auch etwas rarer zu machen. Dann haben wir aber auch wirklich eine richtige Pause gemacht. Es war also nicht so, als hätten wir wirklich vier Jahre an diesem Album gearbeitet. Die Zeit, die wir zum Songwriting für das neue Album gebraucht haben, war nicht unbedingt länger als bei den vorherigen Alben, aber wir hatten in den Jahren davor so eine hohe Schlagzahl gehabt, dass wir gemerkt haben, dass wir wieder etwas Abstand zum Ganzen gewinnen müssen, um auch an neue Inspiration zu kommen. Wir haben uns teilweise musikalisch anders beschäftigt. Es war ganz gut einfach einmal durchzuatmen und mit frischem Wind wieder an die Sache heranzugehen. Das hat auf jeden Fall sehr gut getan“ erklärte Janosch.
Gut Ding braucht Weile, nur eben nicht nur im Arbeitsprozess. Nachdem das Songwriting ja schon kurz angesprochen wurde, schoss ich folgende Frage nach: „Wie gestaltet sich das Songwriting bei euch, oder besser gesagt, wie sah es beim aktuellen Album aus?“
Janosch antwortete direkt: „Also eigentlich relativ ähnlich wie auch bei den letzten Alben. Es ist meistens so, dass irgendwer zu Hause schon etwas vorbereitet, also ein Gitarrenriff, ein Lick oder eine Melodie. Es kann aber auch sein, dass das Erste was steht ein Drumbeat oder eine Synthie-Melodie ist. Wir haben jedenfalls immer einen gewissen Startpunkt, welchen wir im Proberaum, aber dann auch zu Hause, immer weiter ausarbeiten. Ich glaube, bei uns würde es nie funktionieren, dass einer am Rechner einen kompletten Song schreibt und dann wird das auch direkt aufgenommen. Das ist einfach nicht unsere Herangehensweise. Bei uns ist das eigentlich immer so ein Wechselspiel. Nach einer Zeit haben wir meist ein ausproduziertes Demo, welches wir erneut überarbeiten. Zu 90 % ist ein Song dann fertig, wenn wir ins Studio gehen und dort passiert dann der Rest.“

Fotocredit: LDC
Das klang nach einer doch sehr strukturierten, aber auch offenen, Arbeitsweise. Nachdem ich endlich einmal wieder einen Drummer interviewen konnte und die Bandmitglieder auch teilweise aus ihren Homestudios heraus arbeiten, musste ich folgende Frage stellen: „Wie sieht dein Homestudio aus? Arbeitest du mit E-Drums, oder hast du die Möglichkeit mit vollem akustischen Set zu arbeiten?“
„Ich sitze tatsächlich gerade vor meinem E-Drumset zu Hause, aber ich habe in der Tat ein kleines Studio 10 Autominuten von mir entfernt. Dort habe ich ein voll abmikrofoniertes Drumset und es hat sich sogar ergeben, dass ich dort auch schon andere Bands aufgenommen habe. In das Studio habe ich über die Zeit auch nicht gerade wenig Geld hineingesteckt, was jetzt Mikros und so weiter angeht. Größtenteils ist der erste Schritt schon noch, dass ich etwas zu Hause am E-Set skizziere, aber wenn man dann etwas weiterarbeiten will, dann ist es schon ein großer Unterschied ein volles Set zur Verfügung zu haben.“ erklärte Janosch.
Bezüglich der Vorteile eines akustischen Drumsets beim Songwriting beziehungsweise Ausarbeiten konnte ich Janosch nur zustimmen. Meine nächste Frage zielte direkt auf das frische Album ab: „Wie entstand die Geschichte hinter „The Phantom Void“. Das Album ist ja doch verhältnismäßig düster geworden?“
„Letztendlich waren die letzten beiden Alben konzeptionell stark ausgearbeitet. Da hatten wir ja klare Themen die wir auch außerhalb der Musik besprochen und visualisiert haben. Diesmal wollten wir einfach eine Geschichte erzählen, welche den Hörer in ihren Bann zieht und womit auch jeder etwas anfangen kann. Es geht um Träume, eher Alpträume, verbunden mit einer gewissen Horror-Thematik. Ein Splatter-Film würde jetzt nicht zu uns passen. Es geht eher in die gruselige, Psycho-Horror Richtung, wo man sich etwas seinen eigenen Horrorfilm zusammenspinnen kann, welcher im Kopf stattfindet. Dazu haben wir ja auch mit Felix (Koch) einen Kurzfilm gedreht, wobei eher der Film zur Musik, als die Musik zum Film geschrieben wurde. Aus meiner Sicht ist es heutzutage wichtig, dass Musik auch etwas als Eskapismus funktioniert und daher ist das Thema diesmal etwas offener.“ meinte Janosch.
„Aus meiner Sicht ist es heutzutage wichtig, dass Musik auch etwas als Eskapismus funktioniert und daher ist das Thema diesmal etwas offener.“
Janosch Rathmer (Long Distance Calling)
Den angesprochenen Kurzfilm kann ich nur empfehlen, da er trotz klarer visueller Darbietung auch noch zusätzliche Kopfkino anregt. Neben jenem ist auch das Cover sehr stimmig mit den Songs und für jenes war niemand anderes als Rupert Gruber, welchen man mitunter durch seine Arbeit für Marvel kennt, zuständig. Daher durfte folgende Frage natürlich nicht fehlen: „Wie seid ihr eigentlich zu Rupert Gruber gekommen?“
Janosch antwortete: „Ich hab ihn ehrlich gesagt einfach angeschrieben. Das war eigentlich gar nicht so kompliziert. Er ist ein Kumpel von dem Cover-Artist, welcher die letzten beiden Covers schon gemacht hat, aber jener hatte diesmal keine Zeit. Uns war wichtig jemanden zu haben, der mit dem Thema Charakter-Erstellung vertraut ist, sodass auch der thematisierte Maskenmann so rüberkommt, wie wir uns das vorgestellt haben. Rupert war unsere erste Wahl, er hat dann zugesagt und das Ergebnis kennst du ja.“
Schön zu hören, dass manche Sachen oft einfacher funktionieren als erwartet. Natürlich gab ich auch Janosch, sowie all meinen Interviewpartner, mit folgender Frage die Möglichkeit seine Worte direkt an euch da draußen zu richten: „Hast du irgendeine direkte Message an unsere Leser?“
„Da kann ich nur sagen, dass ich mich freuen würde, wenn sich die das Album anhören. Es ist einmal wieder viel Herzblut reingeflossen und im Ersten muss man ja immer schauen, dass es einem selbst gefällt, aber natürlich freue ich mich, auch wenn es den Leuten gefällt. Ansonsten: Kommt zur Tour, feiert mit uns das Jubiläum! Das ist natürlich für etwas Besonderes und das möchten wir auch mit so vielen Leuten wie möglich feiern.“ verlautbarte Janosch.
Ich kann mich nur bei Janosch für das wirklich feine Interview bedanken. Für all jene Leser, welche eine fulminante Klangreise bevorzugen kann ich „The Phantom Void“ nur empfehlen, da das Kopfkino, welches durch die verschiedenen Tracks losgetreten wird, einfach einzigartig ist. Long Distance Calling haben jedenfalls wieder mächtig abgeliefert und bevor ich hier das Album nochmals lobpreise, lest ihr euch besser unsere –> Rezension zum Album durch.














1 Gedanke zu „Interview mit Janosch Rathmer von LONG DISTANCE CALLING“
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