Von Gregor Eder
Das Interview
Heute kommen wir einmal zu einem etwas anderen Interview. Normalerweise fragt man ja bei einer Band um ein Interview an und bekommt, falls alles glatt läuft, ein Bandmitglied zur Befragung vorgesetzt. Nicht so bei Die Enterbten, denn die 2023 in Brühl gegründete Band war direkt so motiviert, dass sie sich gesammelt via Zoom meinen Fragen stellte. An dieser Stelle sei einmal ein großes Dankeschön für diese herausragende Bereitschaft ausgesprochen! Die Band hat vergangenes Monat ihr Debütalbum „Niemals Zu Spät“ veröffentlicht und wofür es nie zu spät ist und wer überhaupt hinter dem Namen Die Enterbten steckt, sollte Thema des Interviews sein.
Sängerin Michaela Ansey, Gitarrist Galal Marzouk, Bassist Mario Hoverath, Keyboarder Guido Rizzato und Drummer Ingo Dudda fanden sich pünktlichst zur vereinbarten Uhrzeit im Chat ein und nach einer kleinen Begrüßungsrunde legte ich wie gewohnt mit meinem Fragenhagel los.
Natürlich musste erst einmal folgende Frage geklärt werden: „Wie seid ihr zu eurem Bandnamen gekommen?“
Michaela und Ingo lachten direkt einmal, bevor Michaela folgendes erklärte: „Also der Bandname hat ja nicht wirklich etwas mit einer Erbschaft oder Geld zu tun. Wir wollen eigentlich damit ausdrücken, dass wir Menschen sind die nicht in irgendeine Schublade gehören, sondern jene die ihren eigenen Weg gehen. Also schon eher etwas Rebellisches und Punkiges. Dann kommt ja noch dazu, dass man im Namen Die Enterbten auch das Wort Ente findet. So kamen wir auch auf unser Punk-Enten-Bandlogo und es war klar, dass der Name einfach zu uns passt. Wir machen ja Musik über Aufstand, Rebellion, aber auch Hoffnung und da passt Die Enterbten einfach.“
„Man könnte es auch in einem Satz fassen: Die Enterbten müssen selber etwas machen und warten nicht, dass ihnen etwas in den Schoß fällt.“ ergänzte Ingo.
Eine recht schlüssige Antwort! Bei so vielen Personen im Chat kann es natürlich einmal passieren, dass sich die Kamera plötzlich auf einen richtet, da man das Mikro nicht abgedreht hat. Durch eben solch eine Situation das wohl ruhigste Bandmitglied Guido ins Visier und so zog ich meine geplante Frage an ihn vor: „Wie sieht das eigentlich an den Keys aus? Nachdem ihr ja Punk mit New Wave vermischt würde mich interessieren, wie du die Songs bearbeitest?“
„Ja das ist ein gutes Thema! Wenn die Lieder einmal stehen, dann schauen wir meist einmal welche Sound und welche Klänge da wirklich hinein passen. Da kommen wir dann meist von klassisch älteren Synthie-Klängen bis hin zu Moderneren. Schlussendlich wird immer im Nachgang, auch bei den Proben, erprobt was ich dann schlussendlich mit dem Keyboard dazu spiele. So entstehen dann die Sounds die im Endeffekt im Stück vorkommen.“ erklärte Guido.
Ich legte nach: „Und nutzt du nur Keyboards, oder auch Sequenzer?“
Guido antwortete direkt: „Ne! Wir nutzen ein Keyboard von Yamaha und eines von Korg und die sind so modern, dass man so gut wie jeden Sound damit machen kann.“
Somit war das auch einmal geklärt und Guido konnte sich wieder entspannt zurücklehnen.
Michaela meinte zu dem Thema: „Guido hat es ja auch wirklich schwer. Ich komme ja immer und meine dann, dass das elektrischer klingen muss, oder dass es mehr Strom braucht. Oder es muss sich etwas mehr anhören wie eine Kaffeemaschine. Manchmal mache ich ihm sogar Sounds vor und er ist dann so brav und setzt sich zuhause hin und sucht die passenden Sounds.“

Fotocredit: Lisa Berg
„Ja die Töne zu beschreiben ist ja etwas schwierig. Wenn man hört: „Machs mal etwas elektrischer“ und sich denkt, dass das ganze Teil ja elektrisch ist, dann fragt man sich was mit der Aussage eigentlich gemeint ist. Das geht uns allen so und man versucht dann eben den gewünschten Klang etwas nachzumachen. Es ist jedenfalls immer sehr lustig bei unseren Proben. Bis wir dann das Passende gefunden haben dauert es meist eine Weile“ ergänzte Mario.
Plötzlich meldete sich Guido wieder zu Wort: „Ich sag mal, wenn das Grundgerüst steht, dann ist das schon machbar. Michaela bringt immer gute Ideen und Mario hat ein Keyboard zuhause stehen mit welchem er auch schon Soundvorschläge ausarbeitet. Das ist also alles dann schon durchaus machbar.“
Man merkt, dass die Band sich sehr viele Gedanken über ihren Sound, oder besser gesagt die verbauten Sounds, macht. Wenn man an einem eigenen Sound arbeitet spielen natürlich auch immer Einflüsse von Außen mit und daher stellte ich folgende Frage: „Welche Bands würdet ihr als direkte Inspiration für eure Musik sehen? Nina Hagen habe ich ja schon im Presseschreiben lesen dürfen.“
Michaela meinte direkt: „Ja! Nina Hagen auf jeden Fall, aber auch die guten alten 80er im Generellen. Anne Clark mag ich auch sehr gerne, doch das geht dann wieder in eine andere Richtung, auch wenn wir vielleicht einen Hauch von ihr in einem Song wiederfinden kann. Die Anderen müssen das dann für sich selbst sagen, oder nehmt ihr einfach das was ich euch vorsetze?“
Auf diese Frage meinte Galal: „Ich bin da eher ein Kind der 70er. Ich habe aber auch die 80er gerne gehabt, mit Bands wie Bronski Beat oder auch Nik Kershaw fand ich sehr gut. Das war dann schon gar nicht mehr so punkig oder wavig. Aber Ideal und Nina Hagen waren natürlich auch super.“
„Ich oute mich jetzt einmal. Ich war ja früher absoluter Billy Idol Fan. Den fand ich total cool und war hin und weg“ schoss Mario noch nach.
Darauf meldete sich Ingo: „Bei mir kommen eher so Einflüsse aus dem College-Rock, falls man das überhaupt so bezeichnen kann. Da gibt es dann auch Überschneidungen mit dem Artpunk wo uns Leute oft einsortieren. Da kann man R.E.M. anführen, die ihre Wurzeln ja auch eher im lyrischen Punk haben. Da haben wir auch etwas mitgenommen.“
„Ich meine jeder Einzelne von uns hat irgendwo eine ganze Menge von Einflüssen gehabt. Je länger man lebt, desto mehr Zeug kommt dann da rein. Mitunter vielleicht sogar auch ernste Musik und alles mögliche. Was hat man früher nicht so alles gehört!“ meinte Galal.
„Und heute hört man die Enterbten! So!“ meldete Michaela.
Diese Aussagen zeigen wie breit die Enterbten musikalisch eigentlich aufgestellt sind. Nachdem die Band durch meine Fragen auch neugierig wurde wo ich mich musikalisch verorte, folgte eine kurze Zusammenfassung meines musikalischen Schaffens, welche ich euch hier ersparen werde.
Kaum fertig mit meiner Ausführung, besann ich mich wieder aufs Album und stellte folgende Frage: „Wozu ist es eigentlich nie zu spät?“
„Für alles was du dir noch vornehmen möchtest!“ schallte es direkt von Michaela.
„Ich habe ja schon so oft Sätze wie: „Ja wenn ich jetzt noch 20 wäre, dann hätte ich das gerne gemacht.“ gehört. Ne! Das kannst du auch jetzt noch machen. Du kannst mit 60 noch studieren oder mit 70 noch einen Fallschirmsprung. Es ist eben niemals zu spät und das ist die Kernaussage des Ganzen eigentlich.“ legte sie nach.
„Das ist auch so eine Lebensphilosophie. Man denkt dann ja auch ganz anders. Nicht nur, dass man dann vieles machen kann, sondern man ist ja auch offen für alles. Mit dieser Einstellung überlegt man ja auch realistisch über Dinge nach, welche man machen kann. Genau diese Offenheit und die Möglichkeiten die daraus entstehen sollen ja auch über den Text des Songs vermittelt werden.“ erklärte Mario.
Eine wirklich schöne Botschaft die die Band hier übermittelt! Nachdem es sich bei dem Album „Niemals Zu Spät“ um eine Eigenproduktion handelt, durfte natürlich folgende Frage nicht fehlen: „Wie seid ihr bei den Aufnahmen für das Album vorgegangen?“
Michaela meinte direkt:“Ich wollte ja eigentlich klassisch ins Studio, doch dann haben wir gemerkt, dass das relativ schnell teuer wird. Dann haben die Jungs gemeint: „Lass es uns doch einmal zuhause probieren.“ Da war ich eigentlich nicht so überzeugt davon und es war irgendwie spooky, weil ein jeder seine Spur alleine eingespielt hat. Schlussendlich hat es aber dann doch sehr gut funktioniert, aber ich übergebe einmal lieber an Mario.“
„Es ist ja letztendlich immer nur eine Frage der Technik. Heutzutage geht mit einem guten Audiointerface und der neuesten Technik ja schon einiges. Es ist schon etwas komisch, wenn dann jeder da selbst herumwurstelt, aber am Ende zählt das gesamte Ergebnis. Wir haben alles ja dann auch noch professionell mischen und mastern lassen. Wir haben gesagt, die Aufnahmen bekommen wir einmal selbst bis zu diesem Punkt hin und man hört auch raus, dass da danach Einiges professionell herausgearbeitet wurde.“ meinte Mario
Direkt beim Debütalbum die Aufnahme selbst in die Hand zu nehmen ist etwas mutig, aber schlussendlich kann sich das Album auf jeden Fall hören lassen. Die Band hat zusätzlich direkt mit der ersten Scheibe bewiesen, dass sie das Aufnehmen auch gut hinbekommt.
Nachdem nun klar war wie die Band aufgenommen hat, blieb folgende Frage offen: “Wie sieht denn eigentlich das Songwriting bei euch aus? Die Texte kommen ja einmal von Michaela, oder?“
„Ja das ist eigentlich tatsächlich das Einzige was immer gesetzt ist, nämlich, dass die Texte von Michaela kommen. Alles andere entsteht dann aus irgendwelchen Ideen die von allen Seiten kommen und die dann im Proberaum zusammengefügt werden.“ erklärte Ingo.
Michaela meinte: „Manchmal hab ich dann auch schon eine Melodie zum Refrain und dann müssen die Jungs ran und etwas daraus machen. (lacht). Aber es gab auch schon einige Riffs die kamen, bei welchen ich sofort einen Text dazu im Kopf hatte. Also entstehen die Songs auf verschiedene Arten. Ich spiele auch Gitarre, zwar nicht so gut wie Galal, aber zumindest kann ich hier und da herzeigen wie ich mir etwas vorstelle. Wenn es dann um die Melodie geht, dann setze ich mich eher ans Klavier und schaue welche Tonart passen würde. Das ist zwar nicht vorzeigbar, aber es reicht für den Hausgebrauch.“
Mario fügte noch hinzu: “Der Text ist aber meist schon zuerst da. Das ist auf jeden Fall oft der Aufhänger mit welchem wir dann weiterarbeiten.“
Man kann also sagen, dass Die Enterbten zwar den Text im Fokus haben, sich aber beim Songwriting auch keine Grenzen setzen.
Nachdem wir schon eine Zeit geplaudert hatten, stellte ich meine alt bewährte Schlussfrage: „Habt ihr irgendeine Message die ihr über dieses Interview an die Leute da draußen richten möchtet?“
„Hört euch das Album an. Es macht Spaß, es hat sehr viel Liebe und Herzblut. Wir möchten euch auf eine Reise mitnehmen und hoffen, dass es euch gefällt!“ meinte Michaela.
Gala meinte: „Bewegt euch dazu und kommt zu unseren Gigs!“
„Liebt euch selbst! Und wie wir das meinen findet ihr auch in unseren Songs wieder.“ schoss Ingo nach.
Darauf hakte Michaela nochmal ein: „Na wenn es nach den Songs direkt geht könnte man sagen: „Bleibt im Bett und habt „Bock auf dieses Leben“, denn es ist “Niemals zu spät“ sich „Stark wie ein Shark“ anzuhören und „Nein“ zu sagen. Seid euer eigener „Hauptgewinn“ und „Frei“, denn die Zeit macht „Tik Tak“. (lacht)“
Einen guten Abschluss lieferte dann Guido mit den Worten: „Es ist irgendwo schon einzigartig was wir machen und der Spaß steht immer im Fokus. Das kommt bei der Platte auch gut rüber und darum lohnt es sich einmal da reinzuhören, sich motivieren zu lassen , sowie die Punkte zu übernehmen, welche wir rüberbringen wollen.“
Abschließend möchte ich mich noch einmal bei der Band für das wunderbare Gespräch bedanken und euch „Niemals Zu Spät“ wärmstens empfehlen, wenn ihr herausfinden wollt, was es mit dem letzten Sätzen von Michaela auf sich hat. Unsere – – > Rezension zum Album könnt ihr hier finden:














