Von Gregor Eder
Wir hatten die Möglichkeit, dem Sänger der Donots, Ingo Knollmann, ein paar Fragen zum neuen Album zu stellen.
Nach so vielen Alben, Musikvideos etc. Habt ihr euch endlich an eine Unplugged-Platte gemacht. Warum und hat es sich dann so angefühlt wie ihr euch das vorgestellt habt?
Ingo: Ein Glück hat sich die Acoustic Platte am Ende nicht so angefühlt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Denn als Alex, unser Gitarrist, mit der Idee um die Ecke kam, dachte ich direkt an ein blutleeres, lahmes, pseudo-betroffenes und übertrieben zu ruhiges Album, welches ohne Idee und Überbau im eigenen Backkatalog wildert. Das ist nämlich bei den meisten Unplugged-Alben der traurige Fall. Oder es wird alles komplett pathetisch zugeklatscht, mit übertriebenem Streichorchester bei identischem Arrangement zu den Originalsongs. Wir haben uns daher im Vorfeld der Platte gemeinsam mit unserem Produktionsteam Kurt Ebelhäuser und Michel Wern hingesetzt und direkt entschieden, dass wir sämtliche alten Songs komplett aufbrechen, umdenken, neu arrangieren, uns diverse Freund:innen für Gast-Features ins Boot holen und auch noch zwei komplett neue Songs in der Instrumentierung des Albums schreiben.
Und auch diese war eine sehr bewusste Entscheidung: Alles sollte auch live umsetzbar sein – plus Piano, aber ohne großes Brimborium. Die Hemdsärmeligkeit von Punk sollte auch weiterhin spürbar sein. Daher sind dann auch schnelle Songs wie „Dead Man Walking“ am Ende, trotz Acoustic-Gewand – schnell geblieben. Nur holziger. Am Ende hat’s dann genau einen ausproduzierten Song gedauert, bis wir alle von der Idee überzeugt waren, „Schwert aus Holz“ aufzunehmen: „Whatever Happened To The 80s“ ist in unserem Live-Set eigentlich ein No-Brainer-Party-Track, hat aber in seiner neuen Form eine irre Melancholie und Tiefe bekommen…

© Nordevents
„Schwert aus Holz“ ist ein durchaus passender Titel, welcher irgendwie daran erinnert, dass ihr normalerweise mit Metallschwertern „kämpft“. Wer hatte die Idee dazu und gefiel der Titel direkt allen Mitgliedern?
Ingo: Der Albumtitel ist dem ersten Song unseres aktuellen Studio-Albums „Heut ist ein guter Tag“ entlehnt. Dort heißt es im Opener „Auf sie mit Gebrüll“: „Mit ’nem Herz aus Gold und ’nem Schwert aus Holz, auf dem Kopf einen Kochtopfhelm – Richtung Glück und nur voran, wir haben keine Chance, aber uns gehört die Welt…!“
Das passt eigentlich immer noch perfekt als Credo unserer Band seit über drei Dekaden. Dieses Kinder-Banden-Gefühl lieben wir alle auch heute immer noch daran, wenn wir gemeinsam Songs schreiben oder auf Tour gehen. Und weil die Platte eben auf kompletter Holz-Instrumentierung basiert, hat sich der Titel beinahe aufgezwängt.
Kommt uns doch gern auf den Acoustic-Shows zur Platte besuchen und hört mal rein in das „Schwert aus Holz“! Ich glaube, die Platte hat für ausgewiesene Fans, aber auch für Leute, die bis dato nicht so viel mit uns anfangen konnten, echt einige Überraschungen und schöne Momente zu bieten
Ingo Knollmann von den Donots
Ich würde ich gern wisse, was dein absolutes Highlight auf dem Album ist und warum?
Ingo: Ich liebe den Opener „Allein zu allein“! Es war sehr erfrischend, mal für und mit einer anderen Instrumentierung zu schreiben, einen Song aktiv auf Piano basieren zu lassen und dementsprechend auch an Lyrics zu schrauben, die dem melancholischen, aber rastlosen Grundgefühl des Songs entsprechen. Wir hatten einen echt intensiven und verrückten Moment im Studio: Als wir den Song samt Melodien fertig hatten, war es an mir, daheim am Text zum Lied zu arbeiten. Ich hab ihn dann über Nacht geschrieben und am nächsten Tag im Studio live vorgesungen zum aufgenommenen Playback. Spätestens beim ersten ruhigen Refrain hatten dann alle Anwesenden einen dicken Kloß im Hals und feuchte Augen. Da wussten wir, dass uns ein Song passiert ist, bei dem wie nie zuvor Lyrics und Grundgefühl Hand in Hand gehen…
Ihr habt es euch ja nicht nehmen lassen, ein paar namhafte Kollegen einzuladen. Wie war die Kooperation mit den jeweiligen Musikern und was hat euch speziell daran gefallen?
Wenn man „Schwert aus Holz“ in gewisser Weise als Holz-Werkschau aus 31 Jahren DONOTS betrachtet, dann haben wir in all dieser Zeit als Band natürlich auch unheimlich viele gute Freund:innen und Wegbegleiter:innen kennengelernt. Wir fanden die Idee schön, jene Bekanntschaften eben auch mit diesem Acoustic-Rückblick zu würdigen. Wahrscheinlich hätten wir locker drei oder vier komplette Alben mit Gästen vollmachen können, aber wir haben es dann bei einer ausgesuchten Hand voll Features belassen.
Alte Freunde wie Chuck Ragan von Hot Water Music, Frank Turner (der ja auch schon in der originalen Version von „So Long“ zu hören war), alte Tour-Freunde wie Matt Hensley von Flogging Molly, mit denen wir unter anderem schon in den Staaten unterwegs waren und eben auch alte Mentoren und dicke Freunde wie Kuddel und Campino von den Toten Hosen, denen wir DONOTS unheimlich viel zu verdanken haben,
Nur männliche Gäste wäre uns dann aber auch nicht genug gewesen, weshalb wir uns sehr freuen, dass Shitney Beers das Intro zu „Keiner kommt hier lebend raus“ auf ihre wunderbar zerbrechliche Shoegaze-Art singt. Das Tollste an allen Gäst:innen: Keiner hat auch nur eine Minute gezögert. Alle waren direkt am Start, fanden die Idee toll und haben mit ihren Beiträgen das Album nicht nur für unsere Ohren echt nochmal aufgewertet. Wir sind von sämtlichen Guests immer noch große Fans und es wird bei aller engen Freundschaft niemals komplett normal für uns werden, dass beispielsweise Campino jetzt „Stop The Clocks“ singt. Das macht „Schwert aus Holz“ für uns selbst nochmal so viel wertvoller.
Gibt es irgendeine Message, die ihr direkt an die Leser dieses Interviews habt?
Ingo: Kommt uns doch gern auf den Acoustic-Shows zur Platte besuchen und hört mal rein in das „Schwert aus Holz“! Ich glaube, die Platte hat für ausgewiesene Fans, aber auch für Leute, die bis dato nicht so viel mit uns anfangen konnten, echt einige Überraschungen und schöne Momente zu bieten. Wir sind sehr glücklich darüber, dass uns auch diese Operation am eigenen offenen Herzen geglückt ist. Merci für das Interview!
Auch wir bedanken uns für das Interview und dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Unsere Rezension des neuen Albums „Schwert aus Holz“ könnt ihr –> hier lesen..















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