Von Gregor Eder
Ach, ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie ich mich auf das nun folgende Interview gefreut habe. Madsen haben am 05.06.2026 ihr frisches Album “Smile” veröffentlicht und im Rahmen dieser Veröffentlichung durfte ich mich dankenswerterweise mit Sänger und Gitarrist Sebastian und Drummer Sascha via Zoom treffen.
Mit einem großen “Smile” im Gesicht begrüßte ich die zwei selbst schon grinsenden Musiker und gestand ihnen direkt, dass mich ihre Musik schon seit meiner Teenie-Zeit begleitet. Nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte und mich für die wunderbaren Alben bedankt hatte, schoss ich direkt mit meiner ersten Frage los: “Wie würdet ihr Madsen in 3 Worten beschreiben?”
Die Herren überlegten etwas, doch dann meinte Sebastian: “Halten wir es doch einfach in den Worten von Thees Uhlmann, in der ersten Band-Info die er für uns geschrieben hat: “Punk, Pop und Rock”.” Sascha nickte und stimmte zu. “Das fand ich eigentlich ganz gut. Ich glaube das hat seither eigentlich keiner mehr so gut auf den Punkt gebracht. Aktuell sind wir mehr Indie-Rock als je zuvor, doch bei Indie-Rock denke ich wieder eher an The Notwist, welche wir lieben. Bei Deutsch-Rock denke ich eher an Peter Maffay. Also es ist nicht alleine Rock, oder Punk, oder Pop, sondern alles gemeinsam.” legte Sebastian nach.
Ich kommentierte: “Aber ein bischen Metal ist auch dabei!”
Sascha meinte direkt: “Ja, ein bisschen. Wir spielen eben gerne und probieren dabei einiges aus. Wir haben ja auch Spaßprojekte und machen das Ganze mit ganz viel Liebe, aber auch immer mit einem Augenzwinkern. Wir haben ja auch eine fiktive Metal-Band und von dort nehmen wir dann auch öfters was zu Madsen mit sozusagen.”

© Nordevents
Da sieht man einmal wieder, dass man selbst durch andere Projekte wieder eine Inspiration für das eigene Hauptprojekt sein kann. Das die Gebrüder Madsen sehr vielseitig unterwegs sind war mir bewusst. Was sie aber seit dem Release der letzten Scheibe so getrieben hatten eher nicht. Daher lautete meine nächste Frage: “Was habt ihr so seit “Die Weihnachtsplatte” gemacht?”
“Wir haben hauptsächlich unser Debütalbum und unser 20 jähriges Bestehen gefeiert. Wir haben nochmal ein altes Lied ausgegraben, das Album nochmal auf Vinyl veröffentlicht und eine lange Tour gespielt, bei welcher wir das Album komplett durchgespielt haben. Das hat uns riesen Spaß gemacht und das Ganze lief bis zum Ende des letzten Jahres. Nebenbei haben wir dann natürlich auch schon an “Smile” gearbeitet.” erklärte Sascha.
Sebastian legte nach: “Wir haben auch alles aufgeräumt sozusagen. Den Proberaum und auch die Band. Wir haben uns quasi neu strukturiert mit eigenem Label und wachsenden Aufgaben. Auch die Produktion der neuen Platte, da lag ja alles an uns und nach 20 Jahren war es auch an der Zeit mal zu sehen wie wir aufgestellt sind, wer was macht und ob das Ganze gut aufgeteilt ist. 20 Jahre ist ja schon eine ganz schön lange Beziehung miteinander und dass da jetzt alles immer glatt läuft kann man ja auch nicht sagen. Aber das ist ja auch normal.”
Da konnte ich nur zustimmen. Nachdem Sebastian hier schon etwas eine von meinen noch vorbereiteten Fragen gestriffen hatte, schoss ich jene einmal raus: “Im Presseschreiben wird erwähnt, dass das neue Album so positiv geworden ist, weil sich die Musiker Zeit für sich, aber auch die Raum zwischen einander genommen haben. Wie kann man sich das vorstellen? Ich selbst spiele mit meiner Schwester und meinem Vater in einer Band und da interessiert es mich natürlich speziell was das aus der familiären Perspektive bedeutet.”
“Ja, dann weißt du ja wahrscheinlich auch, dass mit der Familie zu arbeiten etwas ganz Tolles ist, was man über einen langen Zeitraum miteinander teilt und trotzdem wahnsinnig fragil und sensibel ist. Man nimmt die Dinge auch irgendwie viel persönlicher. Nähe erzeugt natürlich auch Zerbrechlichkeit und wir mussten einfach ganz viel reden. Es sind einige Probleme aufgetaucht über die wir sprechen mussten. Ein Thema war auf jeden Fall die geographische Distanz die mittlerweile zwischen uns herrscht. Ich bin die meiste Zeit in Berlin, Sascha lebt mit der Familie in Wien, Johannes und Niko sind noch im Wendland und du kennst es wahrscheinlich auch, dass wenn man eine Nachricht schreibt, dass einen komplett einen anderen Charakter hat als wenn man sich Nachmittags zu einem Kaffee trifft und dann zusammen in den Proberaum geht. Da kann man ja auch oft etwas falsch verstehen. Das ein oder andere ist bei uns sicherlich einfach aus dem Gleichgewicht geraten.” erklärte Sebastian.
Sascha legte nach: “Gerade mit den neuen Aufgaben hat sich da einiges geändert. Da hat sich ja viel bei uns umgestellt. Einerseits die neue Plattenfirma, dann haben wir uns ja auch von unserem Management getrennt und dadurch machen wir natürlich viel mehr selbst. Da mussten wir erstmal die neu aufgekommenen Aufgaben gut verteilen und das war einfach schwierig. Vorerst wussten wir ja nicht was ist was und wer wächst wo am besten rein. Das war von Anfang an nicht unbedingt klar und da mussten wir natürlich einige klärende Gespräche führen.”
Hier könnt ihr einmal sehen, dass selbst über Jahrzehnte bestehende Bands immer wieder an sich arbeiten müssen um gekonnt weiter produzieren können. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Beiden für die ehrliche Antwort und die Klarstellung, dass nicht nur das Musizieren selbst die Arbeit in einer Band ist. Nachdem das neue Label schon angesprochen wurde hakte ich dazu noch einmal nach: “Wie habt ihr nun die neuen Aufgaben empfunden und wie ist es alles selbst in der Hand zu haben? Welche Vor- und Nachteile bringt das Ganze mit sich?”
“Also, Nachteile gibt es ehrlich gesagt nicht viele. Man macht sich simpel etwas mehr Gedanken über Geld, denn früher hat das Label einfach gesagt: “So, hier ist das Studio, nehmt einfach einmal auf, das Ganze wird gezahlt.” Und so hat man sich einfach über nichts Gedanken gemacht. Jetzt haben wir auf jeden Fall mehr Arbeit, aber genau das ist ja das was wir wollen. Es wird jeder kleinste Punkt im Artwork, jeder Euro der ausgegeben wird, in der Gruppe diskutiert und basisdemokratisch entschieden. Das hat wirklich fast nur Vorteile und wir genießen die Arbeit an sich wirklich so wie sie ist. Wir haben im letzten halben Jahr zwar nicht so viel Musik miteinander gemacht, aber dafür hatten wir sehr, sehr viele Zoom-Meetings zusammen. Sozusagen Büro-Arbeit. Dafür haben wir uns entschieden und jetzt ernten wir langsam was wir gesät haben. Jetzt ist die Platte bald draußen, die Tour geht bald los und wir proben. Jetzt geht das eigentliche Musikmachen wieder los.” erklärte Sascha.
“Passt auf die beschissenen Nazis auf!”
Sebastian Madsen (Madsen)
Sascha hatte ja wieder auf die neue Platte zurückgelenkt, daher musste ich folgendes Frage: “Bei all der Umstrukturierung würde mich interessieren, ob sich nun beim Recording-Prozess im Vergleich zur letzten Scheibe viel geändert hat. Gab es Unterschiede, oder war es eher “business as usual”?”
Sascha schoss direkt los: “Wenn man es nun mit der letzten offiziellen Platte “Hollywood” vergleicht, dann war es eine absolute andere Herangehensweise. Damals sind wir mehr oder weniger mit dem fertigen Album ins Studio gegangen und haben es mit 2 Produzenten aufgenommen. Das war auch genau richtig und genau toll so. Diesmal haben wir ja das komplette Album selbst produziert, ohne Produzenten oder Techniker. Wir haben immer dann aufgenommen wenn die Lieder da waren und wenn wir Lust hatten. Das Album wurde auch nicht in einem Durchgang, sondern Stück für Stück aufgenommen. Sebastian hat dann wieder geschrieben, sodass wieder Lieder da waren und wir dachten schon wir sind fertig, doch dann kam noch “Smile”, bei welchem wir uns dachten, dass wir das unbedingt auch noch aufnehmen müssen. So war das Ganze ein schöner, länger andauernder, natürlicher Prozess.”
“Ich glaube wir brauchten da einfach viel Selbstvertrauen. Das fand ich ja immer gut an Produzenten von außen, dass man etwas besser gespiegelt bekam, was man da eigentlich tut. Wir haben ja zuvor schon mit verschiedenen Produzenten gearbeitet und bei “Hollywood” sogar mit einem Produzenten-Team. Jetzt ist es einfach so gewesen als hätten wir den siebten Sinn gehabt. Wir wussten einfach, dass unsere 10. Platte jene ist, wo wir ganz genau wissen wie sie klingen muss und was da drauf muss. Das war uns relativ schnell klar. Das schöne ist auch, wenn man sich Songs von unseren ganz alten Bands anhört, dass man den Raum auch hört. Das ist schon was Tolles. Man ließt ja ganz oft, dass die Band zu ihren Wurzeln zurückgekehrt ist, aber bei uns stimmt es eben auch. Es könnte eigentlich nicht mehr stimmen als jetzt.” erklärte Sebastian.
Der feine Raumklang ist mir beim Hören auch aufgefallen. “Smile” ist definitiv kein Album, welches technisch “zu Tode geputzt” wurde und seinen ganz eigenen Sound und somit auch einen gewissen Charme mit sich bringt. Nachdem ich den Beiden kurz darlegte, welche Vergleiche zu anderen Bands ich aus diversen Songs ziehen konnte, erlaubte ich mir einen kurzen Scherz: “Wer von euch ist denn eigentlich The Smiths Fan?”
Die Beiden schauten etwas verdutzt, bis beiden ein Licht aufging. “Ach ja! Wow! Theres a light that never goes out”, alles klar. Ich würde sagen als Songwriter der Band bin ich da schuldig.” meinte Sebastian.
Natürlich bezog sich der Scherz auf den letzten Song des neuen Albums “Ein Licht”, welches inhaltlich schon sehr stark der genannten The Smiths Nummer ähnelt. Den Vergleich fanden die Beiden sehr lustig und ich hatte meine Antwort auf die beim Hören aufgekommene Frage erhalten.
Meine nächste Frage lautete: “Würdet ihr sagen, dass diese neue Eigenständigkeit auch irgendwo eure Experimentierfreudigkeit etwas angefacht hat?”
“Da habe ich noch gar nicht so darüber nachgedacht, aber es klingt sehr schlüssig, wenn du das so sagst. Ich meine, wir haben und hatten auch schon immer die Möglichkeit das zu machen, was wir machen wollten. Es war dann aber auch öfters so, dass der Produzent oder jemand von der Plattenfirma gemeint hat, ob wir uns sicher sind gewisse Sachen so machen zu wollen. Vielleicht war der eine Part etwas zu lang oder ähnliches. Sowas gab es, aber diese Instanz fehlt nun und so kam es zum Beispiel auch zum Mittelpart von “Love is a killer Pt.2″.” meinte Sascha grinsend.
Sebastian meinte: “Ja, so etwas ist ja dann auch total Impuls gesteuert. Ich glaube schon, dass wir die Freiheit da genossen haben, zu sagen, komm wir probieren das einmal aus. Diesmal war ja die Demo-Produktion auch schon die Albumproduktion. Mache Stücke haben wir zweimal aufgenommen, andere waren direkt im Kasten. “Love is a killer Pt.2″ ist da ein gute Beispiel dafür, wenn man in der einen Sekunde eine Idee hat und in der Nächsten sitzt man schon da und arbeitet daran. Ich hab die Freiheit auf jeden Fall sehr genossen.”

© Nordevents
Um noch direkt auf einen Song einzugehen stellte ich folgende Frage: “Wie war eigentlich die Aufnahme mit dem Chor zu “Auf die Barrikaden”?”.
“Der Chor aus dem Video unterscheidet sich zum Chor auf dem Album. Im Video hört man Kinder aus unserer Lieblingsstadt in Deutschland, Scheeßel. Hier im Wendland waren das viele Kinder aus einer Grundschule, welche ich über einen Kumpel angefragt habe, dessen Sohn and diese Schule geht. Ich habe mitbekommen, dass die dort auch kleine Musicals machen und einmal nachgefragt, ob sie Lust hätten bei einem Madsen Song dabei zu sein. Dann war die Bude hier mit 25 Kindern voll. Die hatten alle richtig Bock. Johannes und ich haben sie dann aufgenommen und das war eine ganz schöne andere Erfahrung. Wenn die Kinder sich erst einmal trauen, dann gibt es kein zurück mehr. Es war wirklich sehr schön.” erklärte Sebastian.
Ich konnte Sebastian hier nur zustimmen, dass die Zusammenarbeit mit Kinder zwar eine Wilde sein kann, aber schlussendlich auch etwas sehr sehr schönes.
Die nächste Frage, vor meiner Abschlussfrage war wiederum eine etwas lustigere: “Warum habt ihr uns in “Merry Christmas to me” “ge-weezerd”?”
Erneut hatte ich es geschafft die Beiden verblüfft dreinschauen zu lassen. Nach einer kurzen Erklärung bezüglich des legendären Riffs aus Weezers “Buddy Holly” meinte Sascha: “Na klar!”
Sebastian meinte: “Ja krass! Das war mir gar nicht bewusst. Ich dachte es war ein anderes Zitat von einem alten Weihnachts-Soul-Lied, welches in Richtung “Jingle Bells” geht und dann mit der Gitarre in ein Blues-Lick übergeht. Das ist auf jeden Fall ein interessanter Hinweis. Wir sind sogar erst auf einem Weezer-Konzert gewesen. Großartige Band!”
Da habe ich Sebastian kalt erwischt! Hier sieht man einmal wieder, dass man Einflüsse als Musiker oft gar nicht so richtig auf dem Schirm hat. Ich selbst hatte schon einmal die Situation, dass ich im Studio saß und einen meiner Songs einspielte, als plötzlich der Techniker meinte: “Das ist doch das Intro vom Videospiel Doom 1” und erschreckenderweise hatte er vollkommen recht.
Nachdem wir noch etwas über Weezer geplaudert hatten waren wir bei der letzten Frage angelangt: “Habt ihr eine direkte Message die ihr über dieses Interview da draußen richten möchtet?”
“Passt auf die beschissenen Nazis auf!” schoss Sebastian direkt raus.
“Auf die Barrikaden!” legte Sascha nach.
“Es ist tatsächlich kein Spaß mehr. Sie verkaufen sich als salonfähig. Sie wollen die Demokratie zerstören und das dürfen wir nicht zulassen. Da müssen wir zusammenhalten und das ist wichtig. Es gibt glaube ich gerade nichts Wichtigeres.” meinte Sebastian.
Hier konnte ich nur zustimmen!
Abschließend kann ich mich nur nochmal bei den Beiden für ihre Zeit und das schöne Gespräch bedanken und euch da draußen “Smile” wärmstens ans Herz legen. Ein Album, welches nicht nur mächtig zum Tanzen und Mitsingen anregt, sondern auch direkt, authentisch und mitreißend ist. Die Rezension dazu findet ihr –> hier.















2 Gedanken zu „Interview mit Sebastian und Sascha Madsen von MADSEN“
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