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Surrender

von Bono

Rezension: In seiner Autobiografie Surrender (Kapitulation) nimmt Künstler, Aktivist und U2-Sänger Bono seine Leserschaft mit auf eine Zeitreise. Er lebt in Dublin mit seiner Frau Ali Hewson und ist einer der international bekanntesten Musiker. Geschrieben wurde über Bono schon viel. Nie jedoch von ihm selbst.

Der Rockstar und Aktivist beschreibt sein Leben in 40 Songs und Illustrationen. Darunter die größten U2-Hits von "Sunday Bloody Sunday" und "I Still Haven't Found What I'm Looking For" bis hin zu "Pride" und "One". Bücher, die Erinnerungen an bestimmte Songs wachrütteln, haben für Musikfans immer eine gewisse Faszination. Lassen sie doch die Stimmungen einer Zeit wieder aufleben, als sie diese Lieder hörten.

In seinem Buch liest man seine Liebe zur Musik, aber auch erzählt Emotionsmensch Bono schonungslos von Ängsten und Selbstzweifeln. Er berichtet von seiner Kindheit in Dublin in einer protestantisch-katholischen Familie, vom plötzlichen Tod seiner Mutter als er 14 Jahre alt war. Erst 40 Jahre später wird er einen Song über sie schreiben: "Iris". Bono beschreibt darin, wie er, sein Bruder und sein Vater nach Iris' Tod kaum zurechtkamen und wie der Männerhaushalt an dem Verlust fast zerbricht. Nach sieben Jahren Arbeit ist mit dem Buch eine faszinierende, detailreiche Geschichte über seine Familie, Religion, Orte und Chancen in seinem Leben als Künstler, Musiker und Aktivist entstanden.

Er lernte David Evans, der später "The Edge" heißen wird, Larry Mullen Jr. und Adam Clayton in der Schule kennen und gemeinsam gründeten sie 1978 die Band U2. Sie stopfen die Küche von Larry Mullen nach der Schule mit ihren Verstärkern und Boxen voll. Sie versuchten recht erfolglos an Coverversionen von Beatles-, Beach Boys- oder Bob Dylan-Songs. Erzählt wird auch von U2s unglaublichem Aufstieg zu einer der einflussreichsten Rock-Bands der Welt, die weltweit 175 Millionen Platten verkauft hat. Bono dazu: "Es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass wir als U2 angefangen haben, unsere eigenen Stücke zu schreiben, weil wir die Songs anderer Bands nicht spielen konnten."

Nicht zu vergessen sein Engagement gegen Aids und den Hunger in der Welt. Er ist Mitbegründer der Organisationen ONE und (RED) sowie des 2016 gegründeten The Rise Fund, einem internationalen Impact Fonds, der in soziale und ökologisch nachhaltige Unternehmen investiert. Bono hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Freedom of the City of Dublin Award (zusammen mit U2), die chilenische Pablo Neruda-Medaille, den Orden der französischen Ehrenlegion, die Honorary British Knighthood, den Fulbright Association Prize for International Understanding. Außerdem wurde er vom Time-Magazin zur Person des Jahres ernannt (neben Bill und Melinda Gates).

Der Untertitel „40 Songs, eine Geschichte“ bezieht sich auf die 40 Kapitel des Buchs, die jeweils mit dem Titel eines Songs von U2 überschrieben sind. Zu jedem der Kapitel hat Bono selbst eine Zeichnung angefertigt.

Fazit: "Surrender" widmet sich in großen Teilen Bonos Aktivismus und den zahlreichen Treffen mit Leuten wie Steve Jobs, Barack Obama oder Bill Gates. Aber das ist durchaus folgerichtig – weil es in Bonos Leben viel Raum einnimmt, auch wenn er sich im Buch um sich selbst kreist. Dabei schlägt er auch selbstkritische Töne an. Bono-Fans werden das Buch feiern. Tipp: Während jedes Kapitels den dazu gehörenden Song hören.

 
Gesamtbewertung:

Erscheinungstermin: 01.11.2022
Genre: Autobiographie
Einband: gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 696 Seiten
ISBN: 978-3-426-27805-5

Autor: Bono, 1960 geborgen als Paul David Hewson in Dublin. Er ist Sänger, Gitarrist und Songwriter der Rockband U2. Seine Schulfreunde nannten ihn Bono Vox (von lateinisch bona vox für „gute Stimme“); dieser Spitzname wurde, auf Bono gekürzt, zu seinem Künstlernamen.

Bereits Ende der achtziger Jahre wurde bei dem Musiker ein Glaukom („Grüner Star“) diagnostiziert. Zur Schonung seiner Augen trägt der Sänger seither Brillen mit getönten Gläsern.

Verlag: Droemer HC