Wikinger-Regen eröffnet das Baltic Open Air

Wolfgang Karg

Schleswig/Busdorf, 20.08.2026– Am Donnerstag rollte im Wikingerland Haddeby der erste Bass-Schlag des Festivalwochenendes über die Koppeln – mit Hämatom, Windrose und fünf weiteren Acts als Auftakt zu vier Tagen Rock und Metal an der Schlei. Zwischen rekonstruierten Langhäusern und dem Haddebyer Noor verwandelte sich das Gelände wieder in eine Bühne für Rock- und Metalfans aus ganz Norddeutschland, Skandinavien und Dänemark.

Ein Festival mit historischer Kulisse

Das Baltic Open Air gehörte längst zu den festen Terminen im norddeutschen Festivalkalender. Was das Event von vielen anderen Open-Airs unterschied, war die Lage: eine nachgebaute Wikingersiedlung als Rahmen für donnernde Gitarrenriffs. Diese Kombination aus nordischer Geschichte und zeitgenössischem Rock zog ein Publikum an, das sich für beides begeisterte – für die archaische Optik der Langhäuser ebenso wie für die Wucht der Bühnenshows. Mehrere tausend Besucher machten sich auf den Weg nach Busdorf, viele davon mit dem Zug über Schleswig oder im eigenen Fahrzeug direkt zum Gelände am Königshügel.

Dort wurden sie von Odin erst einmal mit einem kräftigen Schauer gegrüßt, während die erste Band ihren Gig hatte. Wider erwarten blieb dann im Tagesverlauf trocken, sogar die Sonne kam wieder heraus.

Impressionen © Nordevents Antje und Wolfgang

Der DonneRstag als einstimmung

Der Donnerstag markierte zugleich den offiziellen Konzertauftakt und dem ersten Act an diesem Tag: Sagenbringer.

Ochmoneks – Punkrock mit Herz aus Düsseldorf

Die Ochmoneks zählten am Donnerstag zu den Bands mit der längsten Bühnenerfahrung im Line-up. Seit 2015 stehen die vier Musiker – die sich als „Brüder” Dirk, Stefan, Martin und Daniel Ochmonek inszenieren – für treibenden Punk-/Deutschrock mit eingängigen Hooklines und ehrlichen, deutschsprachigen Texten. Musikalisch verorteten sie sich zwischen Punk und Deutschrock, ohne dabei Pop- oder Singer/Songwriter-Elemente auszuschließen. Wir selbst hatten sie bereits bei einem Releasekonzert in Cuxhaven erlebt.

Das Live-Erlebnis war ein buntes Rock’n’Roll-Feuerwerk inklusive Drumsolo und akustischem Zwischenspiel. Genau diese Mischung aus Party-Tauglichkeit und persönlicher Note macht die Band zu einem verlässlichen Stimmungsgaranten auf Festivalbühnen.

Hell Boulevard – Gothic Rock aus der Schweiz

Den dunkelsten Kontrapunkt des Tages setzte Hell Boulevard. Die Schweizer Band um Matteo Fabbiani verband Gothic-Rock mit opulenten Orchesterarrangements und elektronischen Elementen. Mit dem 2026 erschienenen Album „Made in Hell”, gemischt in Hamburg und im Abbey-Road-Studio gemastert, unterstrich die Band ihren Anspruch an eine besonders kraftvolle Klangsignatur. Sie boten eine bemerkenswerte Energie auf der Bühne und dichten, atmosphärischen Live-Auftritte mit durchweg starken Songs.

Ochmoneks, Hell Boulevard und All For Metal © Nordevents

All For Metal – Power Metal mit doppeltem Gesang

All For Metal, 2022 von Tim „Tetzel” Schmidt und Antonio Calanna gegründet, stand für klassischen Power- und True-Metal mit bewusst überzeichneter Genre-Ästhetik. Kritiker attestierten der Band von Beginn an eine geschickte Nutzung altbekannter Power-Metal-Klischees, gepaart mit kraftvollem Schlagzeugspiel und eingängigen Refrains. Angeführt vom charismatischen Gesangsduo lieferte die Band nach eigener Beschreibung eine explosive Mischung aus hymnischen Songs, donnernden Riffs und großformatigen Live-Auftritten. Dass die Band inzwischen von Vorprogrammen für Lordi und Wind Rose zu eigenen Headliner-Shows aufgestiegen war, unterstrieicht den wachsenden Zuspruch beim Publikum.

Mit H.E.A.T. betrat eine der etabliertesten Bands des schwedischen Hard-Rock-Genres die Bühne. Sänger Kenny Leckremo gilt als kraftvoller Interpret, dessen Stimme die eingängigen Melodien der Band trägt. Mit dem 2025 erschienenen Album „Welcome to the Future” hatte die Band ihre Messlatte nach Einschätzung von Kritikern erneut höher gelegt. Schwedischer Hard Rock der alten Schule mit einer Kombination aus Hard-Rock-Riffs im Stil der 80er und einer zeitgemäßen Produktion.

Zwergen-Metal mit Feuerwerk

Kaum eine Band im Line-up polarisierte und begeisterte gleichermaßen wie Wind Rose mit epischem Power-Metal mit fantasievollen Texten und mitreißenden Refrains. Die Italiener aus der Toskana verkleiden sich als Zwerge und lassen sich musikalisch von Tolkiens Fantasy-Welt inspirieren, mit reichlich Pyrotechnik und einer Bühnenpräsenz, die dem Publikum sofort Spaß bereitete. Eingängiger, radiotauglicher als die vorangegangenen Acts, aber nicht weniger kraftvoll gespielt.

H.E.A.T. und Wind Rose © Nordevents

Als letzter Act des Tages übernahm Hämatom die Hauptbühne und setzte mit ihrem Party-Metal einen energiegeladenen Startpunkt. Die Band, bekannt für ihre humorvolle, aber druckvolle Bühnenpräsenz, brachte das Publikum schon in den ersten Minuten in Bewegung.

Atmosphäre zwischen Langhaus und Lautsprecherturm

Was den Donnerstag besonders machte, war weniger die Größe der Bühnenshow als die Kulisse drumherum. Während auf der Hauptbühne die Gitarren aufheulten, öffnete das Wikingerdorf seine Tore, drehte sich das Riesenrad über den Köpfen der ankommenden Festivalgemeinde, nachdem erste Besucher bereits am Vortag ihre Zelte auf dem Campingplatz aufschlugen.

Fazit

Von Party-Metal über Power-Metal bis zu klassischem Hard Rock deckte das Line-up unterschiedliche Geschmäcker ab, ohne beliebig zu wirken. Auch die Entscheidung, den Mittwoch nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, sondern direkt mit Live-Musik zu füllen, sprach für die Organisation.

Der Donnerstag lieferte einen energiegeladenen, stilistisch abwechslungsreichen Einstieg, der Lust auf mehr machte, ohne bereits alle Trümpfe auszuspielen. Die einzigartige Kulisse zwischen Wikingerdorf und Bühnentürmen tat ihr Übriges, um schon am ersten Abend jene Atmosphäre zu erzeugen, für die dieses Festival mittlerweile bekannt war.


Weitere Festivalbeiträge
Schon geteilt?