Der Deichbrand-Sonntag bat zum letzten Tanz

Wolfgang Karg

Nordholz/Wanhöden, 19. Juli 2026 – Vier Tage, sechzigtausend Menschen, ein Acker, der sich in eine der lebendigsten Festivalstädte Norddeutschlands verwandelt hat – am Sonntag ging das Deichbrand in seine letzte Runde. Auch wenn die Beine langsam schwerer wurden und das ein oder andere Zelt schon eingepackt am Wegesrand lag, war von Müdigkeit im Infield an diesem letzten Tag wenig zu spüren. Im Gegenteil: Der Sonntag beim Deichbrand hat sich in den vergangenen Jahren zu einem eigenen kleinen Höhepunkt entwickelt, und 2026 macht da keine Ausnahme.

Impressionen

© Nordevents – Antje und Wolfgang Karg


Cascada weckte das Gelände ein letztes Mal

Den Auftakt machte wie gewohnt das Frühsport Special, und in diesem Jahr übernahm Cascada diesen Job mit spürbarer Spielfreude. Die Eurodance-Institution gab beim Deichbrand ihr Debüt und holte mit bekannten Hits genau die Energie zurück ins Gelände, die nach einer durchfeierten Nacht nötig war. Zwischen Kaffeebechern und ersten Cocktails wurde hier schon am Vormittag ausgelassen mitgesungen – ein charmanter Einstieg in den letzten gemeinsamen Tag.

New Port: Der bunte Abschluss abseits der Hauptbühnen

Während sich das Infield weiter füllte, zog die New Port am Nachmittag noch einmal ein vielseitiges Publikum an. Remote Bondage zeigten, wie sehr sich diese Bühne inzwischen als Spielwiese für unterschiedlichste Spielarten zwischen Rap, Rock und elektronischen Einflüssen etabliert hat. The Molotovs sorgten für rohe Rockenergie. Ok.Danke.Tschüss lieferten unverwechselbaren Indie-Charme, der langsam zum Kultact avanciert. Majan setzen mit eingängigen Popmelodien einen deutlich softeren Kontrapunkt.

Etwas weiter im Nachmittagsprogramm sorgen BAC für kräftige Rap-Momente. Na h dem Ausfall von Massendefkt waren 100 Kilo Herz mit Punk am Start. Nachdem Majan die Bühne geräumt hatte, wurde das Fußball-WM-Finale auf der neuen Bühne gezeigt. Jassin mit gefühlvollem Deutschrap und Kochkraft durch KMA mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Punk und Party für Abwechslung als Rausschmeißer auf der New Port.

Parallel dazu lohnte sich auch am letzten Tag ein Abstecher zur ElecTrees-Stage. Mit Christian Löffler, Eskei83, Kristin Velvet, Kollektiv Turmstrasse, Moonbootica, No.Mads, Schlepp Geist und Suzé bot die Electronic Selection ein letztes Mal ein breites Spektrum zwischen tanzbaren Beats und atmosphärischen Sounds – der perfekte Ort für alle, die zwischen den großen Bühnen kurz durchatmen wollen, ohne auf Musik zu verzichten.

The Rasmus, 102 Boyz, The Molotovs und Makko

© Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Ikkimel, Makko und Giant Rooks bringen den Nachmittag in Fahrt

Auf Fire und Water Stage nahm der Sonntagnachmittag ebenfalls spürbar an Tempo zu. The Rasmus brachten mit ihrer finnischen Rockgeschichte eine internationale Note mit auf die Bühne, 102 Boyz sorgten mit ihrem treibenden Rap-Sound und Makko (der mit der Zahnlücke) mit energiegeladenen Beats für Bewegung. Bitch-Sängerin Ikkimel überzeugte mit ihrer unverkennbaren Mischung aus Pop und Rap, die längst über die deutsche Musikszene hinaus für Aufsehen sorgt. Etwas später übernahmen Giant Rooks die Fire Stage und liefern mit ihrem Indie-Rock-Sound genau jene Mischung aus Melancholie und Mitreißkraft, die sie in den letzten Jahren zu einem der spannendsten Live-Acts Deutschlands gemacht hat. Ihre Songs entfalten sich live noch eindringlicher als auf Platte, und spätestens beim größten Refrain des Sets wird klar, warum diese Band auf immer größeren Bühnen landet.

BAC, Ok.Danke.Tschüss, 01099 und Giant Rooks

© Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

01099: Beats für die letzten warmen Stunden

Um 18:10 Uhr übernahm 01099 die Water Stage und brachten mit präzisen, tanzbaren Beats genau die Energie mit, die für die letzten warmen Stunden des Festivals gebraucht wird. Die deutsche Rapcrew aus Dresden hat sich in den vergangenen Jahren einen festen Platz in der deutschen Rapszene erspielt, und live zeigte sich, warum ihre Auftritte so gefragt sind – druckvoll, direkt und mit einem sicheren Gespür dafür, wann eine Menge mitgehen will. Und das testeten sie auch auf einem Podest mitten im Infield.

Sido: Der große Schlussakkord

Dann war es dann so weit: Sido übernahm die Water Stage und beschloss als Headliner das Deichbrand 2026. Kaum ein anderer Künstler steht so sehr für die Bandbreite der deutschen Rapgeschichte wie er – von schonungsloser Direktheit bis zu großen, emotionalen Hymnen ist bei seinem Auftritt alles dabei. Live zeigt sich genau diese Mischung aus Härte und Nahbarkeit, die ihn seit Jahren zu einem der verlässlichsten Live-Acts des Landes macht. Zwischen alten Klassikern, die das gesamte Publikum mitsingt, und neueren Songs entsteht ein Set, das keine Atempause lässt. Als die letzten Töne verklangen, ist das Infield ein einziges Meer aus erhobenen Armen – ein würdiger Schlusspunkt für ein Wochenende, das von der ersten bis zur letzten Minute überzeugt hat.

Fazit des Tages und Blick nach vorn

Der Sonntag beim Deichbrand 2026 hatte alles, was einen guten Festivalabschluss ausmacht: eine ausgelassene Frühschicht mit Cascada, ein dicht gepacktes Nachmittagsprogramm zwischen New Port und ElecTrees, starke Auftritte von Ikkimel, Makko, Giant Rooks und 01099 sowie einen Sido-Auftritt, der bis zur letzten Sekunde Energie ins Gelände brachte. Kein müdes Ausklingen, sondern ein Fest, das bis zum Schluss volle Kraft gab. Auch das Wetter bot von Sonnenschein und 16 Grad bis windigen 16 Grad am Sonntag Abwechslung.

Und schon jetzt liegt eine leise Vorfreude in der Luft: Mit der neuen New Port, dem bargeldlosen Bezahlsystem und einem Line-up, das erneut bewiesen hat, wie genreübergreifend dieses Festival denkt, hat sich das Deichbrand für die kommenden Jahre bestens aufgestellt. 2027 darf kommen – und die Vorfreude auf die nächste Ausgabe an der Nordseeküste beginnt schon jetzt. Der Termin steht jedenfalls schon: 15. bis 18. Juli 2027.


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