15. Rock am Beckenrand Festival im Harz

Christian Deike

Wolfshagen, 29./30.08.20205 – Alljährlich am letzten Augustwochenende, findet im beschaulichen Bergdorf Wolfshagen am Harz ein Punkrock-Festival statt, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Die Macherinnen und Macher von Rock am Beckenrand luden ein und viele Fans, rund 3000 Besuchende, folgten dieser Einladung zum 15. Jubiläum. 

Es ist schon ein einzigartiges Erlebnis, was dort geboten wird. Umrahmt von Hügeln und hohen Fichten, liegt ein kleines Waldfreibad inmitten der Harzer Natur und bietet somit eine Kulisse für Bands und Publikum, an die man lange zurückdenkt!

© Nordevents

Eröffnet wird das Festival traditionell am Donnerstagabend auf dem Wolfshäger Kirchenvorplatz. Dieses Jahr sollte die Richie Miller House Band den Startschuss für das Rock am Beckenrand 2025 übernehmen. Pünktlich gegen halb sieben abends ging es mit einigen 100 Fans auf dem kleinen Platz an der Kirche schon in die Vollen – Ein besserer Start ins Warm-up war kaum denkbar. Mit klarer Kante und eindringlichen Texten sorgte Wiebke auf der Bühne von der ersten Minute an für Stimmung und das Publikum lies sich gerne mitreißen.

Nachdem die Band gegen 19.15 Uhr die Bühne freigemacht hatte, folgte der Alleinunterhalter Mambo Kurt und packte seine Heimorgel aus. Auch wenn es ungewöhnlich ist, war dieser Auftritt einer der humorvollsten an diesem Abend.

Die Band Wiesecräcker bildete den Abschluss an diesem Abend. Die Ska-Punkband aus Hannover machte dieses Warm Up zum 15. Geburtstag von Rock am Beckenrand perfekt.

Der erste Festivaltag dürfte für einige am Freitag mit einem „Dicken Kopf“ begonnen haben, da der Donnerstagabend schon einiges an Partys bereithielt. Dass die Veranstaltenden vorsorgen, weiß man aus den vergangenen Festivals in Wolfshagen. Mit Bieryoga und Poolgymnastik werden alle wieder fit für den Tag gemacht. Denn schon am Freitag warteten einige Acts darauf, von ihren Fans gefeiert zu werden. Den Anfang machten Pentastone, The Narrator und Elf Morgen auf der Mainstage. Die Poolstage wurde von Blaufuchs, Remote Bondage und Mandel Kokain Schnaps (MKS) in Beschlag genommen. MKS war eigentlich nicht für das Festival angemeldet, da die Alex Mofa Gang krankheitsbedingt absagen musste, entschieden sich MKS sofort einzuspringen, um den Beckenrand zu rocken.

Highlights der Hauptbühne am Freitag

Die drei Highlights des Abends betraten ab 20 Uhr die Bühne. Den Anfang machte die Punkband Team Scheisse. Die Bremer trafen mit ihren Texten den Nerv des Publikums und die Fans feierten mit der Band zu Liedern wie „Schmetterling“, „FA“, „Kaffee die Tage“ oder „Mittelfinger“ rund 75 Minuten. Nach einer kurzen Umbauphase der Bühne betraten die Sindelfinger Punkrocker von Heisskalt als Headliner die Stage. Stimmgewaltig und mit harten Gitarrenriffs gelang es ihnen, dass Publikum von Anfang an mitzureißen. Die Moshpits wurden von Song zu Song nun auch immer größer und es wurde aufgrund der trockenen Tage, viel Staub aufgewirbelt, da half auch der Regen am frühen Freitagvormittag nicht. Vielleicht war eben dieser Staub der Grund, warum die Fans immer lautstärker „..in den Pool..“ riefen, um die Band im Schwimmerbecken des Freibades zu sehen. 

Um 23.45 Uhr trat die letzte Band des ersten Tages auf. Schmutzki gaben sich die Ehre und waren allesamt gut gelaunt. Die Band aus Stuttgart gründete sich 2011 und ist seit Jahren eine feste Größe im Punkrockgeschäft. Die Stimmung in der Band war so gut, dass kurzerhand der Circlepit zur Bühne wurde, samt Sänger und Schlagzeug – ein schöner Abriss am späten Abend!

Seepferdchen für 399 Menschen

Der zweite Tag erwartete am frühen Morgen 399 Menschen, die noch einmal im Leben das Seepferdchen machen wollten. Die Crew der Beckenrocker hat im Vorfeld ein besonderes und einmaliges Patch für die Badehose designt. Klar, dass sich viele das Abzeichen unter den Nagel reißen wollten. Auch der Samstag begann mit Frühsport. In den Camps wurde wieder die beliebte Bieryogastunde gegeben und im Nichtschwimmerbecken ging es mit 30 Minuten Aqua-Fitness dem Kater an den Kragen. 

Musikalisch ging an diesem Tag auch einiges. Der erste Knaller war die Band Montreal, die schon um 13.45 Uhr auftrat. Die 3 Jungs waren sehr gut gelaunt und das Infield zu dem frühen Zeitpunkt sehr gut gefüllt. Montreal war schon des Öfteren Gast am Beckenrand in Wolfshagen und ist auch immer ein Garant für eine ausgelassene Stimmung vor der Bühne. Die Bands Smile and Burn und Rantanplan machten am Nachmittag die Hauptbühne unsicher. Beide Bands, haben eine klare Haltung in ihren Texten und Aussagen und die Fähigkeit, mit ihrer Musik die Festivalbesucher schnell in ihren Bann zu ziehen. 

Highlight an der Poolstage am frühen Samstagabend

Wenn die Masse der Besuchenden im Pool eskaliert, kann das vor allem daran liegen, dass die Awesome Scampis auf der Bühne stehen. Die Band schafft es, die Stimmung innerhalb von Sekunden eskalieren zu lassen! Wenn Bälle, Poolnudeln und Menschen durch die Luft fliegen, ein 2 Meter großer Scampi durch die Gegend läuft, Das Wasser des Schwimmbades mehr in der Luft, als im Becken ist, der Sänger klatschnass durch die Menge läuft und alle grölen: „Ich hab Dir, ohhohhohh, aus Versehen Bier mitgebracht“, dann kann man wirklich von einer musikalischen Eskalation sprechen. Die Band aus dem Ruhrpott ist supersympathisch, hat viel Humor, Texte, die trotz allem Haltung haben und so viel mehr, um ordentlich abzufeiern! 

Zurück zur Mainstage

Für den Abend an der großen Bühne waren doch recht unterschiedliche Bands eingeladen. Den Anfang machte dabei Lostboi Lino. Der junge Rapper starte mit einer Version von Herbert Grönemeyers 80er Hit „Männer“ in textlich abgewandelter Form. Sein Musikstil liegt irgendwo zwischen Rap, Grunge und Alternative. Auf jeden Fall sehr kurzweilig und gut hörbar.

Die Band Adam Angst war für 21.45 Uhr angekündigt und legte mit ihrem Set auch direkt los. Geradliniger Punkrock, Texte, die manchmal wehtun und Lieder von hart bis sanft. Frontman Felix konnte sich richtig auslassen und nutzte die Bühne in seiner gesamten Breite. Die Crowdsurfer, die sich bei Lostboi Lino zurückgehalten hatten, sind bei Adam Angst alle auf einmal zur Bühne getragen worden. Laut Aussage der Band, hatten sie bisher noch nie so viele Crowdsurfer im Graben vor der Bühne!

Der Abschluss

Headliner und Abschlussband des letzten Festivalabends war die Potsdamer Band Großstadtgeflüster. Die Band hätte man vermutlich nicht auf einem Punkrock Festival erwartet, da sie musikalisch eher dem Hip-Hop oder Pop zuzuordnen sind. Der Stimmung an diesem Abend tat das aber keinen Abbruch. Alle Festivalbesucher feierten, tanzten und sangen bis in die Nacht mit den beiden aus dem Berliner Umkreis. Auch Helga, die schwarze Ente und das Maskottchen der Veranstaltung, lies sich zum Crowdsurfen überreden und wurde vom gesamten Publikum über die Menge getragen.

Der Auftritt von Großstadtgeflüster war ein würdiger Festivalabschluss, bei dem es einige überraschende Bands gab, viele Gespräche, viel Freude, viele liebe Menschen und eine Crew, die sehr stolz sein kann, auf das geleistete in den letzten 15 Jahren!

Übrigens

Der Ticketverkauf für die Veranstaltung 2026 ist bereits im vollen Gange und das Datum steht auch schon fest. Rock am Beckenrand findet 28. und 29. August 2026 statt und ihr solltet das auf keinen Fall verpassen! Denn 2027 wird das Team eine Pause einlegen.  


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