Busdorf, 21.08.2026 – Am Freitag bot das Baltic Open Air acht Bands zwischen Neuer Deutscher Härte, Power Metal, Folk-Punk und Gothic Rock – mit Eisbrecher als Headliner.
Schleswig/Busdorf, 21.08.2026 – Der zweite Konzerttag im Wikingerland Haddeby bündelte acht Bands mit ganz unterschiedlichen musikalischen Handschriften. Vom Nachmittag bis in die Nacht reichte das Spektrum von treibendem Deutschrock über Power-Metal-Bombast bis zu rauem Pub-Rock – ein dichtgedrängtes Programm, das keine Verschnaufpausen ließ.
Die australischen Rock’n’Roll-Veteranen Rose Tattoo sollten im Rahmen ihrer Abschiedstournee „One Last Ride” auf treten, aber der 79-jährige Frontmann Angry Anderson musste ins Krankenhaus. Als Ersatz wurde eine ebenfalls aus Australiern stammende Band gefunden.
Beim Femal Fronted Rock e.V. gab sich Sabina Classen-Hirtz von Holy Moses (aufgelöst 2023) für eine Autogrammstunde die Ehre.
Erdling eröffneten mit dunkler Mythologie
Den Auftakt übernahmen Erdling, die deutsche Dark-Rock-Band um Frontmann Neill Freiwald. Seit ihrer Gründung Ende 2014 zählten Erdling mittlerweile zur Speerspitze der deutschen Dark-Rock-Szene. Dunkle, mystische Stimmung wurde mit rauen musikalischen Elementen und Geschichten aus der nordischen Mythologie verbunden– ein Stil, der zur Wikinger-Kulisse in Haddeby passte wie kaum ein anderer im Line-up.
Abends spielte die wohl älteste Newcomer-Bandaus dem Norden. NördLust (gesprochen Nordlust) ist wohl die erste Band, die aus einer Idee eines K.I.-Projektes entstand! Das ging über Youtube so ab, dass Grobi (Erhardt Eiermann) mit ein paar Freunden die REALE Band ins Leben rief. Die ersten Livegigs liegen nun hinter den Jungs und auch auf demBAO wurden sie abgefeiert.
Deutschrock mit teils kritischen, aber überwiegend lustigen Texten über Saufen und Party. Songs wie „Böser alter Mann“, „Wenn mich mal der Teufel holt“, „Mein Lieblingstier ist der Zapfhahn“, oder „Holla die Gewaltfee“ brachten das Publikum in Wallung.
Impressionen und Auftritt NördLust © Nordevents | Antje und Wolfgang Karg
Soulbound mit Botschaft zwischen den Songs
Soulbound aus Bielefeld, aktuell mit ihrem Album „sYn” auf Tour, präsentierten sich als Band, die Nähe und Echtheit über reine Inszenierung stellt. Musikalisch bewegte sich die Band um Sänger Johnny Stecker zwischen Alternative Metal und Nu Metal, mit einer Setlist, die Härte und emotionale Ansagen geschickt austarierte.
Schattenmann im neuen, härteren Gewand
Schattenmann traten mit ihrem aktuellen Album „Endgegner” im Gepäck an, das die Band musikalisch und optisch neu positionierte – deutschsprachiger Metal mit spürbaren Core-Einflüssen. Ein echter Sprung nach vorn: neuer Look, satterer Sound und ein Selbstbewusstsein, das frühere Auftritte klar hinter sich lassen. Viele Fans sangen jede Textzeile mit– ein Beleg dafür, dass sich die Band zu einer verlässlichen Größe entwickelt hat.
Mr. Irish Bastard brachten irischen Punk
Mit Mr. Irish Bastard folgte um 17:45 Uhr ein Stimmungsumschwung hin zu ausgelassenem Folk-Punk. Die Band aus Münster, seit fast zwei Jahrzehnten aktiv und von uns schon oft fotografiert, verband nach eigenem Bekunden den rauen Geist des Punks mit den erzählerischen Traditionen irischer Folkmusik.
Soulbound, Schattenmann, Mixed Up Everything und Mr. Irish Bastard © Nordevents
Warkings mit Maske und Moshpit
Mit den maskierten multinationalen Power-Metal-Kriegern von Warkings kehrte an diesem späten Nachmittag jene Theatralik zurück, die das Festival ohnehin prägte. Wilde Moshpits – kaum eine andere Band im Umfeld entfachte eine derart rohe Energie. Auch wenn sich mancher Kritiker über die Kostümierung und die bewusst überzeichnete Attitüde mokierte, ist unbestritten: Wer damit Hallen füllte und dem Publikum einen unvergesslichen Abend bereitete, verdiente Anerkennung.
Nestor mit Achtziger-Glanz
Die schwedischen Adult Oriented Rocker (AOR) Nestor lieferten am frühen Abend ihren von den Achtzigern inspirierten Sound ab. Etwas zu makellos eingespielt, aber mit kraftvollem, präzisem Gesang und breitbeinigen Gitarren, die den Sound jener Dekade wiederaufleben ließen, ohne museal zu wirken. Mit ihrem 2024er-Album „Teenage Rebel”, das es bis auf Platz 12 der deutschen Charts schaffte, brachten Nestor gestandene Hit-Refrains mit, die zum Mitsingen einluden.
Warkings, Nestor und Eisbrecher © Nordevents
Kurzfristiger Wechsel: Mixed Up Everything sprangen ein
Für die ausgefallenen Rose Tattoo wurde mit Mixed Up Everything Ersatz für den Slot gefunden. Die australische Band aus Melbourne besteht aus den vier Brüdern Todd, Kevin, Blake und Koby Dhima und formierte sich 2016, als sie begannen, eigene Songs zu schreiben. Bekannt wurden die vier zunächst nicht durch eigenes Material, sondern durch Coverversionen von Bands wie Metallica, Alice in Chains und The Offspring, die es online auf weit über hundert Millionen Aufrufe brachten. Über ihre YouTube-Videos gewannen sie sogar die Aufmerksamkeit großer Rockacts wie Scorpions, Foo Fighters und The Offspring. Angefangen hatte alles mit Straßenmusik in Melbourne, wo die Brüder als Jugendliche mit selbstgeschriebenen wie gecoverten Songs auftraten, bevor daraus eine feste Band mit bislang drei Studioalben wurde.
Für das Publikum in Haddeby bedeutete der Tausch von fünf Jahrzehnte Rock’n’Roll-Geschichte in eine junge, hungrige Cover-Band mit ungewöhnlicher Vorgeschichte. Statt eines bekannten Abschiedskonzerts stand nun eine Entdeckung auf dem Programm.
Eisbrecher als kompromissloser Abschluss
Den Schlusspunkt setzte Headliner Eisbrecher. Die Neue-Deutsche-Härte-Band um Alexander „Alexx” Wesselsky reiste mit ihrem aktuellen Album „Kaltfront” und ohne Leadgitarrist Noel Pix (Jochen Seibert) an, der die Band 2024 verließ. Brachiale Gitarren mit elektronischer Kälte und gesellschaftskritischen Texten mit vereinnahmender Bühnenpräsenz von Wesselsky und beeindruckender Lichtshows sorgte für eine mitreißende Atmosphäre – ein Headliner-Auftritt, der dem zweiten Festivaltag ein kraftvolles Finale gab. Joachim Witt ist eng mit der Band verbunden und performte an diesem Abend den gemeinsamen Song „Zeitgeist“
Fazit
Der Freitag zeigte das Baltic Open Air von seiner vielseitigsten Seite: von der Mythologie bei Erdling über die ausgelassene Feierlaune der Iren, dem theatralischen Overkill der Warkings und schließlich die Schlagkraft von Eisbrecher. Kaum ein Programmpunkt wirkte redundant – eher fügte sich die Bandbreite zu einem Tag zusammen.





















































































































































































































































































































