Nordholz-Wanhöden, 18.07.2025 – Ab heute brannte der Deich richtig – auch wenn der „Richtige“ gut 10 km entfernt war. Heute hatten beide großen Bühnen im Infield geöffnet und es konnte in die Vollen gehen. Über 1200 Kubikmeter Wasser wurden in den XXL-Pool vor dem Infield gefüllt und anschließend wird fortlaufend frisches Wasser zugeführt. Am Mittwoch hatte er gerade mal 16 Gard Wassertemperatur, auch am Donnerstag wegen Regenwetter wurde de Pool noch nicht angenommen, aber nachdem sich die Sonne zeigte, sprangen etliche ins kühle Nass. Bademeister sorgten für die Sicherheit und auch Poolspielzeug stand zur Verfügung. Zudem luden die Strandkörbe in einem Strandbereich zum Entspannen und es gab Volleyball und Chill-Zonen.
Der SuperStore mit 1.600 m² Verkaufsfläche, Kühlhaus und Recyclingstationen war mit seinem Sortiment auf die Bedürfnisse der Festival-Besucher angepasst. Neben gekühlten Getränken, Grillgut, frischen Backwaren, Fertiggerichten sowie Obst und Gemüse bot der Markt den Musikfreunden auch Hygieneprodukte und Campingzubehör an. Wer den Aldi-Store noch kennt, wird ihn schon alleine wegen der günstigeren Preise vermissen.
Ein Riesenrad sorgte wieder für Ausblick über das Gelände. Im Green Circus wurden DIY-Workshops, Bier-Yoga und Jumping Fitness angeboten. Die abends bunt beleuchteten Talking Trees als Rückzugsort im Wald inklusive Awareness Point gab es auch dieses Jahr wieder. Mit dem „Special Needs Camp“ bietet das Festival eine barrierearme Campingfläche nahe dem Festivalgelände. Der Bereich ist ausgestattet mit rollstuhlgerechten Sanitäranlagen, Stromanschlüssen für medizinische Geräte und einer Rezeption mit persönlicher Betreuung. Wer in diesem Jahr zu Hause geblieben war und auf einen Deichbrand-Livestream im Internet hoffte- Fehlanzeige.
Impressionen © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Neben den zahlreichen Konzerten werden auf einer Foodmeile über 50 Essensstände mit internationaler Küche und Bars geboten. Besonders auf dem sogenannten Playground des Festivals können verschiedene Aktivitäten und Angebote erlebt werden. Dieser Bereich liegt zwischen den Campingplätzen und dem Infield des Geländes und ist ein zentraler Treffpunkt für Festivalgäste. Auf dem Playground befinden sich unter anderem die Beach Area und die Flunkyball Arena.
Werfen, rennen, trinken
Von Donnerstag bis Samstag treten auf dem Playground Teams in der Flunkyball Arena mit jeweils sechs Spielerinnen und Spieler gegeneinander an und messen sich in ihrer Trinkfestigkeit.
Zwei Teams stellen sich beim Flunkyball im Abstand von einigen Metern gegenüber auf, jeder Spieler hat eine volle Flasche Bier, Alster oder Wasser in der Hand. In der Mitte zwischen beiden Teams steht eine Flasche, die mit einem Ball umgeworfen werden muss. Solange die Flasche liegt, darf bei der ballwerfenden Truppe getrunken werden, die Gegner müssen flitzen, um die Flasche wieder in der Mitte aufzustellen. Das Team, das zuerst „Flaschen leer“ meldet, hat gewonnen.
Zur Musik
Während POWER SQUADPOWER SQUAD bereits ab High Noon 3 Stunden lang im „ElecTrees“ beschallte, ging es mit LE FLY ab der Water Stage los. Die lustige Combo aus dem Reeperbahn-Viertel Sankt Pauli spielten in diesem Jahr nach einem Ausflug ins Palastzelt im letzten Jahr wieder auf eine der großen Bühnen. Ihre Eigenwerbung im PR-Text spricht von „die derbsten Konzert-Zerleger unter den zeitgenössischen deutschen Live-Bands“. Da können wir nur zustimmen.
Die Spaßkapelle LE FLY aus Hamburg dürfen bei keinem Deichbrand fehlen. Sie eröffneten die Water Stage für dieses Jahr. Denn diese Macher, die seit nunmehr über einem Jahrzehnt ihr gemeinsames Unwesen treiben, drei äußerst zeitlos schwingende Albenbretter aufnahmen und bald jede Club- und Festivalbühne des Landes bespielt haben, sind streng genommen nicht nur Hamburger, sondern St. Paulianer. Somit stand da eine Horde Männer auf der Bühne und performt ihre St. Pauli Tanzmusik – Rap, Rock, Rumba, Reggae.
Nächste Band, die eigentlich gefühlt immer dabei ist: ROGERS. Die Punkrock-Band aus Düsseldorf um Sänger Christian Hoffmeier war zum 9. Mal dabei und gehört irgendwie schon zur Crew. Laute Musik voller Herz und mitten ins Gesicht. Gegen den Strich, ohne Zensur oder vorgehaltener Hand. Auf ihrem aktuellen Album „Mittelfinger für immer“ sind politische, sozialkritische sowie ruhige Songs zu zwischenmenschlichen Themen – allesamt garniert mit einer gehörigen Portion rotzigem Punkrock.
Die deutsche Folk-Band VERSENGOLD aus Bremen folgte mit anspruchsvoller Lyrik, ausgefallenen Arrangements mit Einflüssen aus Irish Folk. Die von Gründungsmitglied Hoyer geschriebenen Texte erzählen oft Geschichten mit Tiefgang und vielerlei Deutungsmöglichkeiten.
Versengold, Booze & Glory, Losin und Ennio © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Ausverkaufte Headline Tour, ein voller Festival-Sommer, New Music Award Gewinner, EP Release und und und – ein Highlight jagt das Nächste für ENNIO. Mit seiner explosiven sowie gefühlvollen Live-Show, tiefgründigen Texten und einem unwiderstehlichen Sound in seinen einzigartigen Songs hat er sich in kürzester Zeit zum Shootingstar der Indie Szene entwickelt. 2022 gewann er den „New Music Award“ als Newcomer des Jahres.
FRANK TURNER war einst ein Schulkamerad von Prinz William auf dem feinen College in Eton, kommt aus der englischen Upper-Class. Seit seinem Ende in der Band Million Dead im Jahr 2005 ist der Singer-Songwriter mit der markanten Reibeisenstimme mit seinen THE SLEEPING SOULS unterwegs. Seine Musik zeigt deutliche Einflüsse aus Folk-Rock und Punk. Und das immer wiederkehrende Wort Fucking in seinem Wortschatz zeichnete ihn dann wieder als echten Engländer aus. Sein Konzert war stimmungsvoll, der Künstler und seine Band wurden als sympathische Unterhalter gefeiert, die Folk-Rock und Folk-Punk-Hymnen mitgesungen. Dieser Musiker ist kein klassischer Rockstar. Jedwede Allüren scheinen Turner fremd zu sein. Er bringt seine Songs vor allem live super auf die Bühne, ein Mix aus kraftvollen Hymnen und gefühlvollen Balladen.
Frank Turner & The Sleeping Souls, Rogers, Paula Hartmann und Picture this © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Luca Manuel Montesinos Gargallo, besser bekannt als Rapper MONTEZ schaffte es, eine emotionale Verbindung zu seinem Publikum herzustellen, sowohl durch seine Musik als auch durch seine Bühnenpräsenz. Egal, ob „Auf und Ab“, „Liebe in Gefahr“, „Fieber“ oder „Weinst du“ – der 31-Jährige hatte all seine bekannten Hits mitgebracht
Sängerin Ina Bredehorn ist seit 2013 ist sie unter dem Künstlernamen Deine Cousine unterwegs und wir haben bereits über viele ihrer Auftritte berichtet und Alben rezensiert. Gewohnt dynamisch war ihr Auftritt.
Montez, Deine Cousine, Konra K und Deichkind © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
KONTRA K war bereits 2018 schon einmal auf diesem Festival. Er vermarktet sich gerne als Junge von der Straße mit Hang zum Kampfsport und vermischt gesellschaftskritische Töne mit eigenen Erfahrungen. Natürlich gab es wieder reichlich typische sexistische, misogyne und chauvinistische Textzeilen, Feuer- und Luftschlangenshow inklusive. Kontra K hat bewiesen, dass er zu den besten Live-Acts im Deutschrap gehört.
DEICHKIND war auch wieder da! Wir hatten über die Hamburger Band bereits vor 3 Wochen vom Uelzen Open R berichtet, an diesem Abend sind sie auch hier Headliner.
Alles wirkte wie eine große Performance. Der weiße Vorhang öffnete sich nach einem ausgedehnten Intro in der Mitte, Personen mit Masken standen in einer Reihe und bewegten die Arme, hohe Bühnenelemente bewegten sich hin und her. Großartig gestylt schritten die drei Bandmitglieder unterstützt von Tänzern/Darstellern über die Bühne. Dazu kamen sehenswerte Choreografien, wie man sie sonst nur vom Tanztheater kennt, inklusive Pyro und Konfetti.
Mal stand ein Pseudogitarrist mit einer Gitarre aus Smartphones auf einem Podest, mal ritt ein Sänger mit langer goldener Kette um sich geschlungen zum Song „Auch im Bentley wird geweint“ auf einer riesengroßen, knallroten Gucci-Tasche über die Bühne. Ist anfänglich alles weiß-rot gehalten, wechselte nach einigen Songs in die Farben schwarz-weiß. „Wer sagt denn das?“ stand passend zum Song auf den umherwandernden Bühnenelementen, Shirts und Hosen der Deichkind-Akteure. Arbeit nervt!“ hieß es vor gelb-schwarzen Bühnenbildern. In und auf einem riesigen Fass wurden Deichkind zu ihrem Song „Illegale Fans“ durch die Menge getragen, zum Ende des Konzertes auch in einem Schlauchboot.
Gespielt wurden z.B. Songs wie „Bon Voyage“, dem bereits ein Vierteljahrhundert alten Hit aus der Anfangszeit von Deichkind. „Bück dich hoch“, „Arbeit nervt“, „Leider geil“: Es sind all diese Lieder, die sich im Alltag längst zu geflügelten Worten entwickelt haben. Aus ihrer politischen Haltung machen die Hamburger keinen Hehl. Themen wie der Klimawandel und der Krieg in Europa finden mit kurzen, eingängigen Phrasen statt. Nachdem das Publikum „Zugabe!“, forderte, eskaliert Deichkind zum Ende mit „Krawall und Remmidemmi“.
Der australische DJ TIMMY TRUMPET aus Sydney war der letzte Act auf den großen Bühnen an diesem Tag. Er erlangte insbesondere durch das Lied „Freaks“ im Jahr 2014 Bekanntheit. Er bot eine ansteckende Energie und die einzigartige Kombination, die aus seinem aus DJing und Live-Trompetenspiel hervorging.
Im Palastzelt mache der Stuttgarter DJ und Produzent KONSTANTIN SIBOLD und bei den ElecTrees die Techno-DJin und Produzentin CLARA CUVÉ jeweils um 04:00 Uhr das Licht aus. Clara ist die für ihre energiegeladenen Sets und ihre Fähigkeit, verschiedene Genres wie Breakbeat, Jungle und Hardcore zu mischen, bekannt.





































































































































































































































































































































































1 Gedanke zu „Deichbrand Festival 2025 – Der Freitag“
Kommentare sind geschlossen.