Nordholz-Wanhöden, 19.07.2025 – Manche hatten es gestern etwas übertrieben und lagen etwas länger in ihren Zelten. Zum Wachwerden gab es um 12 Uhr das Frühsport-Special mit den DRUNKEN MASTERS. Eine Stunde lang mal gut ausgeschüttelt, dann konnte es mit DAS LUMPENPACK weitergehen. Lange Zeit ein Duo, tritt die Band seit 2020 in fünfköpfiger Besetzung auf. Auch Songs von ihrem siebten Album „Nie wieder W.A.C.H.“ hatten sie im Gepäck.
JULI war schon eine Ewigkeit nicht mehr bei Deichbrand. 2011 war es das letzte Mal, dass sie „Die perfekte Welle“ ritt. Das Lied wurde zu einer Art Hymne der in 2004 aufkommenden neuen Erfolgswelle deutschsprachiger Liedtexte. Nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien im Dezember 2004 nahm die Band den Song aus ihrem Repertoire und es dauerte lange, bis sie ihn wieder spielten. Aber nun wird er wieder gespielt. Vor dicht gedrängtem Publikum spielte die Band um Eva Briegel ihre größten Hits wie „Geile Zeit“ und „Dieses Leben“ – die immer noch zünden.
Das norddeutsche Trio MONTREAL ist auch wieder zurück bei Deichbrand und ihr letztes Studioalbum „Am Achteck nichts Neues“ (unsere → Rezension sowie das –> Interview mit Sebastian Sievers), eine Hommage an den Bierstand, hat sich direkt zum erfolgreichsten Album der Bandgeschichte gemausert. Seit über 20 Jahren gibt es die Band inzwischen schon. Der namensgebende Song des aktuellen Albums war natürlich auf der Setlist, genauso „Kino?!“, der legendäre „Max Power“ oder auch „Tag zur Nacht“.
Impressionen © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Auch im Palastzelt war einiges los
Zwischendurch im Palastzelt war auch einiges los. Die 26-jährige österreichische Sängerin und Songwriterin ESTHER GRAF gilt mit über 90 Millionen Streams und zehn Millionen Videoaufrufen als Stimme der Gen Z. Die derzeit in Berlin lebende Künstlerin ist aktuell die erfolgreiche Österreicherin auf Spotify. Die meist jungen Fans tanzten ausgelassen vor der Bühne auf der Expo Plaza zu Songs wie „Bist du okay?“ oder „Geldautomat“, bei „Vergessen“ oder „She’s so cool“ und „Background Check“ wurde lautstark mitgesungen.
Der Indie-Pop-Sänger IVO MARTIN, Rapper CONNY, DILLA, die Hannoveraner Sängerin PAULA CAROLINA zogen ebenso junges Publikum ins Zelt. Hip-Hopper FILOW gilt als erfolgreichster Newcomer und man hatte im Vorfeld bedenken, dass es ebenfalls zu einer Überfüllung des Zeltes wie im Vorjahr bei Culcha Candela kommen könnte. Er hat derzeit 3 Millionen monatlich Hörer:innen auf Spotify.
Newcomer PAUL WETZ ist ein Singer/Songwriter und Producer aus Süddeutschland mit einem Sound zwischen Indie und Elektronic. Seit Februar ist er mit mit „Ode an den Bass“ und vielen weiteren neuen Songs auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Song setzt er dem Club als Ort des Miteinanders in Zeiten von Spaltung und Gegeneinander ein mitreißendes Denkmal. Einen oberschenkelzerrenden Tanz performt er auf Instagram und TikTok in etlichen Videos. Parallel produzierte und schrieb er mit und für niemand geringerem als Milky Chance, Sina Seiner und Evaporate. Smoothe Synths, verspielte Bässe, lässige Drums und darauf pointierte und zugleich poetische Texte kamen beim Publikum ebenso gut an, wie das Rework von der heute auch anwesenden Band Juli „Geile Zeit“.
Und die Sonne brennt
Mit dabei an diesem Tag Electropunk von GROSSSTADTGEFLÜSTER, mittlerweile sind sie zumm 6. Mal bei Deichbrand. Sängerin Jen Bender hat schon für viele andere deutsche Künstler getextet. Die Setlist war bunt gemischt. Auch nach 22 Jahren im Musikbusiness immer noch ein Garant für eine gute Liveshow. Grossstadtgeflüster sorgen mit ihrem Auftritt für Kurzweil und manch ein Schmunzeln.
GROSSSTADTGEFLÜSTER, IVO MARTIN und ENTER SHIKARI
© Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Die sonst adrett gekleidete britische Post-Hardcore-Band ENTER SHIKARI hatten sich den Temperaturen um die 30 Grad angepasst und zeigte wieder eine tolle Performance. Die Band ist nach dem Boot des Verwandten eines Bandmitglieds benannt, das „Shikari“ hieß. Außerdem bezeichnet das Wort „Shikari“ in einigen indoiranischen Sprachen einen Jäger. Sänger und Keyboarder Roughton ‚Rou‘ Reynolds, Basser Chris ‚Batty C‘ Batten, Gitarrist Liam ‚Rory‘ Clewlow und Drummer Rob Rolfe mischen in ihren Songs Trance mit Post-Hardcore, spätere Songs Indie-Rock und Pop. Seit Jahren kämpfte der Frontmann mit Panikattacken, hielt seinen labilen Geisteszustand jedoch geheim – bis es irgendwann nicht mehr ging. Aktuell scheinen aber alle wieder fit zu sein. er sprang jedenfalls auf der Bühne herum, drehte sich, machte Grimassen und kam auch in den Bühnengraben zum Publikum.
PRETTY PINK, The KOOKS und Jeremias
© Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Die Stimmung im Publikum bei der britischen Indie-Rock-Band THE KOOKS war wunderbar und die Band gut aufgelegt. Die Ansprachen von Luke waren kurz und beschränkten sich überwiegend auf „Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid“ und „You Are a Crazy Audience“. Daher wurden die Songs doch sehr schnell aneinander gereiht ohne große Pausen, was meiner Meinung nach der Stimmung auch zu Gute kam. Die Band spielte neben dem gesamten Album „Inside In/Inside Out“ auch einige Songs von neueren Alben, die an dem Abend auch durchaus überzeugen konnten. Am Ende des Gigs gab es noch ein „Happy Birthday“ für den Gitarristen.
Der gebürtige Brandenburger FiNCH, der bürgerlich Nils Wehowsky heißt, pflegt in seinen Songs auch immer wieder das, was man früher mal „Porno-Rap“ getauft hat und sich selbst als vulgärer ostdeutscher Oberprolet. Gern wird von ihm auch ironisch Ostalgie vorgetragen. Nachmittags spielte er als Appetizer ein kleines Konzert auf dem Campingplatz. Der Vorhang fiel, ein Boxring war in der Bühnenmitte zu erkennen. In schwarz-weiß gestreiften Schiedsrichter-Trikots standen Musiker, Sängerinnen und Stagefotografen verteilt auf der Bühne.
Wrestling, Porno-Rap und Feuerwerk
FINCH und K.I.Z. © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Finch stieg in Siegerpose auf die Seile einer Boxecke. Das erste Lied von Finch hieß „Never Stop“. Dann demonstrierte der vermeintliche „Champignon“, dass er mit Handkantenschlag ein Billardqueue, ein Baseballschläger oder eine angebliche Steinplatte zerschlagen kann. Schön nach dem 2..Song flog das T-Shirt in die Ecke. Auch gab es zwei Wrestling-Runden mit „Deadman Dieter“. „Finchiboy“, „Herzalarm“, „Kamikaze“, „Kai hat frei“ und natürlich „Abfahrt“, Finch hatte alle Songs seiner jetzt zehnjährigen Karriere dabei. Zwischendurch gab Finch einige Songs mitten aus dem Publikum zum Besten. Eine Wrestling-Einlage gab es inklusive und am Ende der Show ein kleines Feuerwerk.
Die Zuschauer:innen hüpften, reckten Hände und selbstgemalte Schilder bei der Hip-Hop-Formation K.I.Z in die Luft und feierten jeden Track mit voller Hingabe. Alles was Beine hatte war bei dem Auftritt im Infield um die weiß gekleideten Herren zu sehen – außer Rapper Maxim Drüner, der hatte sich bei einem Auftritt im Mospit einen Fuß gebrochen und absolvierte die Show im Rollstuhl.
Auch einige Cover, etwa von Beyoncé oder den Backstreet Boys, trugen zur Stimmung bei. „Ein Affe und ein Pferd“ heizte die Menge noch einmal so richtig an. Die Berliner Tarek, Maxim und Nico lieferten durch und durch ein Konzert ab, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
SKI AGGU trat zu später Stunde auf. Die Ski-Sonnenbrille war dann nicht mehr nötig – er trug sie trotzdem. Der Berliner war das erste Mal beim Deichbrand und konnte noch nicht glauben, dass so viele vor seiner Stage versammelt waren. „Party Sahne“ und „Friesenjung“ ließen die Crowd explodieren.
Ein besonderer Höhepunkt war die Jubiläums-Ceremony anlässlich des 20-jährigen Bestehens. 60.000 Fans blickten auf zwei Jahrzehnte DEICHBRAND zurück, mit einer Foto- und Videoshow und einem spektakulären Feuerwerk, das den Himmel über dem Infield in ein Farbenmeer verwandelte.
























































































































































































































































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