Deichbrand Festival 2025 – Der Sonntag

Wolfgang Karg

Nordholz-Wanhöden, 20.07.2025 – Vor dem Festival waren die Wetterprognosen, die Anreise und Rapper Macklemore, dem Hauptact des Tages, die Hauptthemen. Zu ihm am Ende dieses Artikels mehr.

Die Hip-Hop- und Reggae-Band CULCHA CANDELA aus Berlin ist inzwischen auch schon 23 Jahre im Musikbusiness. Nach insgesamt mehr als fünf Millionen verkauften Tonträgern, knapp 35 Edelmetall-Awards & über 1.500 Live-Shows erfinden sich die drei Berliner Jungs zwar nicht mehr neu, aber das müssen sie auch gar nicht. Ob echte Club-Banger oder Hits mit Humor und Haltung: Die Multi-Kulti-Band weiß, was sie tut und hatte eine ganze Gruppe Tänzerinnen mitgebracht.

Im letzten Jahr mussten sie im Palastzelt spielen. Viele Besucher beschwerten sich über den Einlassstop wegen Überfüllung, das Zelt war mit 6000 Zuschauern randvoll. Das erhöhte Friendshippodest musste gesperrt werden, weil zu viele Leute hineindrängten und durch das Tanzen das Podest drohte instabil zu werden. Man versprach ihnen auf einer der großen Bühnen spielen zu dürfen – nun ist es der erste mittägliche Slot.

Impressionen © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Im April dieses Jahres hatten MONSTERS OF LIEDERMACHING ihr neues Studioalbum „Setzen, Sekt!“ (unsere → Rezension). Wer Lust auf gute Gitarren/Piano-Musik mit lustigen Texten hat, ist mit diesem Album auf jeden Fall gut beraten. Die Texte ihrer Lieder sind einerseits lustig, bringen aber auch einige Zeilen, über welche man etwas nachdenken kann.

Die aus den den Musikern Mathias Bloech, Marius Bornmann und Philipp Koch bestehende Rockgruppe HEISSKALT waren nach sechs Jahren Pause im Jahre 2024 mit ihrer Tour „Vom Tun und Lassen“, passend zum gleichnamigen Album, wieder zurück. Die tiefgründigen Texte sind mit ein Grund, weswegen die Band so sehr gefeiert sind. Die Songs wie z.B. „Heim, „Apnoe“, und „Trauriger macht“ sprechen von wahrer Verletzlichkeit ohne dabei an Authentizität einzubüßen.

Mit der 1992 gegründeten schwedischen Skatepunk-Band MILLENCOLLIN um Sänger Nikola Sarcevic wurde es noch einmal etwas härter. Knackig, dreckig, melodisch. Das klappte auch so vielen Jahren noch gut.

Heisskalt, Millencollin, Zsa Zsa und Leoniden © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Schauspielerin und Sängerin ZSÁ ZSÁ („Fack ju Göhte 2“, „Ein Fall für zwei“) hatte bei der N-Joy Starshow in Hannover abgesagt, bei Deichbrand stand sie aber auf der Bühne. Mit ihrem selbsternannten „Hyperrap“ erreicht sie vor allem den Puls der Gen Z.

Die Indie-Rock-Band LEONIDEN mischt Punk und Grunge mit Elementen aus Funk und Soul äußerst erfolgreich, auch wenn sie vor den Auftritten lieber etwas Ritalin trinken sollten. Bei Gitarrist Lennart musste seine Gitarren wieder besonders herhalten, sodass er sie immer wieder zum Stimmen abgeben musste. Auch wenn er dann vom Lautsprecherturm sprang, verletzt hat sich nur Sänger Jakob Amr an der linken Hand, als er der Pyro zu nah kam. Aber er spielte den Gig bis zum Schluss weiter. Beim vorletzten Song ging es für ihn in die Menge und trommelnd beim Stagediven wieder zur Bühne zurück. Volle Power, so kennt man sie.

Ein schwülwarmer letzter Festivaltag

Am letzten Tag war aufgrund der Schwüle war der Pool bestens besucht, während andere schon ihre Sachen zusammenpackten, da Gewitter angesagt wurden.
Das die Schweiz Uhren und Schokolade bester Qualität herstellt, ist allgemein bekannt. Das aber auch die Musiker aus der Schweiz erster Klasse sind, dagegen eher weniger. Einen bemerkenswerten Eindruck hinterließ Julian Pollina, besser bekannt unter seinem Künstlernamen FABER. Eine Menge Musiker unterstützten ihn. Sein Drummer spielt mit einer Hand an den Drums und mit der anderen hält und spielt er Posaune. Auch Faber ist ein Multi-Tasking Talent, so twistet er mit seiner Gitarre in der Hand bei seinem Song „Nichts“ über die Bühne und das Publikum feiert ihn lautstark dafür. Nach seinen Worten fand er die Einladung von Deichbrand mutig, aber fand sich selber mutig, die Einladung angenommen zu haben. Seine Musik fällt ja tatsächlich etwas aus dem sonstigen musikalischen Programm. Das Publikum dankte Faber für diesen Abend mit einem sehr lauten, langanhaltenden Applaus, den er sich in unseren Augen auch wirklich verdient hatte.


Tutto Amore Italia

Zur Abwechslung gab es bei Deichbrand sogar auch Italo-Schlager. Hinter ROY BIANCO & DIE ABBRUNZATI BOYS stecken mehrere Musiker, die als fiktive Italo-Schlager-Band aus Sirmione auftreten. Die Bandmitglieder stammen eigentlich aus Bayern. Hinter dem Namen „Roy Bianco“ verbirgt sich ein Sänger, und hinter „Die Abbrunzati Boys“ ein Gitarrist und Sänger, der auch als Komponist tätig ist, dazu kommt die Showband. Ihre Lieder? Immer mit viel Schmalz, immer mit viel Amore. Nach dem „Schlagerstrudel“ wurden weiße (Plastik)-Rosen verteilt.

Dani Lia, Faber, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys und La Dispute © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Die vier Hip-Hopper/Rapper Longus Mongus, Ion Miles, Monk und Big Pat sowie die Produzenten MotB, Sami und Themba sind BHZ. Sie mussten 2024 den Tod ihres Bandmitglieds Dead Dawg verkraften. Ihm wurde der letzte Song gewidmet.

LEONY ist derzeit auf allen Bühnen präsent und Ihre Songs laufen im Radio rauf und runter. Mit vier Tänzerinnen war sie am Start und ihre Ohrwürmer ,,Remedy‘‘, ‚,Fire“ und ,,Faded Love“ durften nicht fehlen. Das Palastzelt erstrahlte das erste Mal an diesem Licht mit viel Licht und einer glamurösen Show. Leonie kam im Glitzerlook die Show-Treppe herunter und präsentierte eine gute Show.


Deichbrand-Festival hielt an Auftritt von Macklemore fest

Der US-Rapper MACKLEMORE trat trotz Antisemitismusvorwürfen im Vorfeld des Festivals auf. Hintergrund für Kritik sind unter anderem Aussagen und Inhalte des Künstlers zum Nahostkonflikt. Entsprechende Kommentare gab es in den sozialen Medien. Das Deichbrand-Festival habe allerdings auch „Schulungen bzw. Sensibilisierungen ihres Teams zum Thema Antisemitismus“ durchgeführt.

BHZ, Leony und Macklemore © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Nachdem er wegen „Fuck America“-Rufen von einem Festival in Las Vegas ausgeladen wurde, gab es Absagen vom Neon City Festival oder World Club Dome wegen antisemitischen Äußerungen. Deichbrand hielt am Headliner fest. Auch bei diesem Auftritt nutze er die Gelegenheit, Israel in einem kurzen Statement zu kritisieren und das Leid im Gazastreifen anzuprangern. Auch spielte er das umstrittene Lied Song „Hind’s Hall“. Aus der scheinbar einfachen Frage „Kann die Kunst vom Künstler getrennt werden?” ist eine knallharte Business-Entscheidung geworden. Ohne Frage: Es wurde eine gute, professionelle Show präsentiert, die eines Headliners würdig war.

Fazit

Bestes Festivalwetter, die angesagten Unwetter für Sonntag blieben aus, stattdessen ein schöner, sonnig-warmer Tag. Ein kontroverser Headliner brachte am Sonntag wieder eine sehr gute Show. Ob das Line-Up eines 20-jährigen Jubiläums würdig war? Da scheiden sich die Geister. Überschattet wurde das Festival von einem Vorfall: Ein 36-Jähriger aus Bremen wurde im Bereich des Campinggeländes tot aufgefunden. Auf den ersten Blick wurden bei dem Toten keine Spuren von Fremdeinwirkung erkannt. Und so stürzen sich viele Medien auf den Toten und Macklemore, dass es im Rückblick wieder ein schönes Deichbrand-Festival war, ist wohl bei vielen kein Thema mehr.

Das nächste Deichbrand-Festival wird vom 16. bis 19. Juli 2026 stattfinden. RISE AGAINST, SDP, SIDO und die BEATSTEAKS sind als erste Acts für das kommende Jahr bereits bestätigt.


Weitere Festivalbeiträge
Schon geteilt?

1 Gedanke zu „Deichbrand Festival 2025 – Der Sonntag“

Kommentare sind geschlossen.