Neon, Bass und Ekstase – Das Fairground Festival im Ausnahmezustand

Jonas Sehlen

Hannover, 29.11.2025 – Das Fairground Festival hat sich in den letzten Jahren von einem alternativen Szene-Event zu einem festen Termin im deutschen elektronischen Festivalkalender entwickelt. Der besondere Charakter ergibt sich aus der Mischung aus Kirmes-Optik, Industrieästhetik und einem Line-up, das konsequent auf aktuelle Strömungen aus Techno, Hard Techno, Hardstyle und Club-Sounds setzt. Die Veranstalter setzen dabei bewusst nicht auf Mainstream-EDM, sondern auf Artists mit klarer Szene-Verankerung. Auch in diesem Jahr zeigte sich wieder, dass das Festival vor allem für seine kompromisslose musikalische Ausrichtung steht.

Den ersten klaren musikalischen Höhepunkt lieferte am Abend Wildstylez auf der Harder Styles Stage. Der Niederländer gehört seit über 15 Jahren zur internationalen Hardstyle-Spitze, war Teil des legendären Projekts Headhunterz & Wildstylez und ist regelmäßig auf Großfestivals wie Defqon.1 oder Qlimax vertreten. Sein Set auf dem Fairground war entsprechend routiniert: melodischer Euphoric Hardstyle, große Breaks, sauber aufgebaute Drops – technisch präzise und klar auf Festivalpublikum ausgelegt.

Fairground Festival © Nordevents

Im weiteren Verlauf des Abends verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die Torus Techno Stage, wo Kobosil übernahm. Er zählt zu den einflussreichsten Vertretern des aktuellen Hard-Techno-Sounds. International bekannt wurde er durch seine kompromisslose Ablehnung von Kommerzialisierung im Techno sowie durch seine extrem druckvollen Sets. Auch hier setzte er auf durchgehenden Vortrieb, schnelle Tempi und eine konsequent reduzierte, industrielle Klangästhetik.

Gegen 22:30 Uhr folgte die offiziell inszenierte Opening Ceremony auf der Mainstage, die bewusst ohne DJ auskam. Stattdessen standen visuelle Effekte im Mittelpunkt: Laser, Pyrotechnik, Flammensäulen und Feuerwerk dienten als symbolischer Startschuss für den weiteren Verlauf der Nacht. Diese Form der Eröffnung hat sich beim Fairground Festival mittlerweile als fester Programmpunkt etabliert.

Später in der Nacht folgte mit Kalte Liebe ein Live-Act, der sich stilistisch zwischen Techno, EBM und Darkwave bewegt. Das Duo hat sich in den letzten Jahren vor allem durch seine düstere, analoge Klangästhetik und seine klare visuelle Identität einen Namen gemacht. Ihre Releases finden sich regelmäßig in DJ-Sets internationaler Hard-Techno-Artists, und auch live setzen sie stark auf Atmosphäre statt auf klassische Club-Dramaturgie.

Im weiteren Verlauf übernahm KI/KI die Mainstage. Die Amsterdamer DJin hat sich innerhalb weniger Jahre von einer Underground-Entdeckung zu einer festen Größe auf internationalen Festivals entwickelt. Ihr Stil verbindet klassischen Rave-Techno mit modernen Hard-Techno-Elementen. Bekannt ist sie auch für ihre Vinyl-Sets und ihre Nähe zur europäischen Rave-Szene. Ihr Auftritt auf dem Fairground passte entsprechend gut in den nächtlichen Festivalverlauf.

Direkt danach folgte mit Klangkuenstler einer der aktuell gefragtesten deutschen Hard-Techno-Exporte. Über sein eigenes Label Outworld hat er den Sound des modernen Hard Techno stark mitgeprägt. Seine Produktionen werden weltweit gespielt, sein Stil ist klar auf maximale Energie ausgelegt. Auch auf dem Fairground blieb er dieser Linie treu und lieferte ein Set, das sich konsequent am oberen Tempolimit bewegte.

Einer der zentralen Programmpunkte der Nacht war der Auftritt von Charlotte de Witte. Die Belgierin zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Techno-DJs weltweit. Mit ihrem Label KNTXT prägt sie den aktuellen Peak-Time-Techno entscheidend mit und ist Stammgast auf Festivals wie Tomorrowland, Awakenings oder Time Warp. Ihr Set auf dem Fairground war entsprechend klar strukturiert, druckvoll und präzise – ein klassischer Headliner-Slot.

Im direkten Anschluss folgte Amelie Lens, die ebenso zur internationalen Techno-Spitze gehört. Auch sie stammt aus Belgien und hat mit ihrem Label Lenske eine eigene Plattform für modernen Techno geschaffen. Ihre Karriere ist eng mit der Entwicklung des schnelleren, energiegeladenen Festival-Techno der letzten Jahre verbunden. Ihr Set bildete einen der letzten großen Höhepunkte der Nacht.

Insgesamt zeigte das Fairground Festival auch in diesem Jahr wieder seine klare programmatische Linie: Fokus auf zeitgenössische elektronische Musik jenseits des Mainstreams, mit international etablierten Headlinern und starkem Bezug zur aktuellen Techno- und Hardstyle-Szene.


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