Hildesheim-Drispenstedt, Samstag, 08.08.2026 – Wo sonst Hubschrauber und Ultraleichtflieger vom Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt abheben, verwandelte sich das Gelände auch in diesem Jahr wieder in eine einzige, glückliche schwarze Familie. Das M’era Luna war 2026 erneut ausverkauft: 25.000 Gäste pro Tag, gleißende Sonne, 30 Grad – und eine Stimmung, die von der ersten bis zur letzten Minute trug.
Stimmung und Publikum
Was sofort auffiel: die pure, ansteckende Freundlichkeit. Absolute Spitzenklasse, so lässt sich die Atmosphäre unter den Besuchern zusammenfassen. Kaum jemand, dem man nicht mit einem Lächeln begegnete. Geschätzt zwei Prozent der Gäste liefen nicht in Schwarz oder kostümiert herum – der große Rest hatte sich mit sichtbarer Hingabe herausgeputzt, jedes Detail mit Liebe zusammengestellt. Die Hingabe, mit der hier jeder seinen eigenen Look präsentierte, gab dem ganzen Gelände dieses besondere Funkeln. Genau dieses gemeinsame Zelebrieren macht das M’era Luna Jahr für Jahr zu etwas Besonderem.
Impressionen © Nordevents/ Sandra Wohlgemuth
Hitze und Mittelaltermarkt
Die 30 Grad forderten ihren Tribut, keine Frage. Ab dem frühen Nachmittag wurde Schatten zur begehrtesten Ware auf dem Gelände, und wer ein schattiges Plätzchen ergatterte, hielt daran fest wie an einem kleinen Schatz. Trotzdem blieb die Laune ungebrochen. Der Mittelaltermarkt war fast durchgängig proppenvoll, ein Fixpunkt für alle, die zwischen den Konzerten eintauchen wollten. Und ein echtes Plus: Die Preise, ob auf dem Markt oder sonst auf dem Gelände, waren im Vergleich zu anderen Festivals und Konzerten spürbar moderater – ein Detail, das die gute Stimmung zusätzlich befeuerte und selbst bei sengender Hitze niemandem die Laune verdarb.
Die Acts © Nordevents
Das musikalische Programm
Los ging es um 11 Uhr mit Mortes auf der Main Stage, praktisch zeitgleich mit Beyond Obsession auf der Club Stage. Xandria und Principe Valiente übernahmen als Nächstes, gefolgt von Tabernis und Auger – ein Samstag, der von der ersten Minute an Fahrt aufnahm.
Um 14 Uhr betrat Unzucht die Main Stage, und was dann folgte, war einfach nur mitreißend: Wahnsinnsstimmung, ein Publikum, das jede Zeile mitschrie, egal ob brandneues Stück oder langjähriger Fanliebling. Genau dieser Mix aus Vertrautem und Neuem sollte sich als roter Faden durch den ganzen Tag ziehen. Parallel lief M. Walking On The Water auf der Club Stage.
Nach Hocico und Tyske Ludder folgte um 16 Uhr Megaherz – und wieder dasselbe Bild: textsicher bis in die letzte Reihe, alte Hits und neue Songs im energiegeladenen Wechsel, eine Stimmung, die einfach nicht abflachte. Diorama spielte zeitgleich auf der Club Stage, bevor Combichrist um 16:55 Uhr übernahm. Es folgten Veljanov und The Birthday Massacre um 18:05 Uhr.
Um 19:05 Uhr wurde es auf der Club Stage laut – richtig laut. Agonoize sorgte für pure Ekstase im Publikum, textsicher und hochemotional wie schon die Acts zuvor, aber mit einer Ansage: Bass und Lautstärke waren so extrem, dass man sie streckenweise fast körperlich spürte. Ein intensives, forderndes Erlebnis, das noch lange nachhallte.
Auf der Main Stage sorgte um 20 Uhr White Lies für denselben Ausnahmezustand wie die Acts davor – textsicher, mitreißend, voller Energie. Nachtmahr lief parallel auf der Club Stage.
Und dann, um 21 Uhr: In Extremo. Der größte Andrang des ganzen Tages, das Publikum komplett außer sich, befeuert von einer riesigen Feuershow und einer Bühnenpräsentation, die alles Vorherige in den Schatten stellte. Fotografieren war während des Auftritts verboten, offenbar wegen der Pyrotechnik, und das völlig ohne Vorwarnung. Aber genau das machte den Moment umso intensiver: nur zusehen, nur mitreißen lassen. Der stärkste, emotionalste Auftritt des Tages, ohne jeden Zweifel.
Front Line Assembly übernahm danach die Club Stage, bevor Within Temptation um 22:45 Uhr die Main Stage zum großen Samstagabschluss brachte. Vierzehn Songs standen auf der Setlist: Opener „We Go to War”, danach „Bleed Out”, “Faster”, “Wireless”, „The Howling”, „Stand My Ground”, „In the Middle of the Night”, „Lost”, „The Reckoning”, „Supernova” und „Don’t Pray for Me”. Schade nur: Die ganz großen Klassiker kamen erst ganz zum Schluss – „Paradise (What About Us?)”, „Ice Queen“ und als krönender Abschluss “Mother Earth”. Ein wenig Wehmut, dass man auf die bekanntesten Hymnen so lange warten musste – aber als sie kamen, war es Gänsehaut pur, ein Finale, das den ganzen langen, heißen Tag noch einmal auf den Punkt brachte.
Nach Mitternacht ging die Nacht im Disco Hangar weiter: Fernando Honorato und Daniel Graves legten von 0 bis 5 Uhr auf, für alle, die von diesem Tag noch nicht genug hatten. Und das waren an diesem Samstag wohl die allermeisten.
Ein Tag, der von der ersten Note an trug: Hitze, Menschenmassen, Wartezeiten im Schatten – nichts davon konnte dieser Stimmung etwas anhaben. Am Ende bleibt der Eindruck eines Festivals, das seine Gemeinschaft feiert wie kaum ein anderes, und ein Samstag, der mit In Extremo und Within Temptation ein Finale bekam, das lange nachwirkt.































































































































































1 Gedanke zu „In Extremo, Within Temptation und 25.000 glückliche Menschen“
Kommentare sind geschlossen.