Neuenkirchen-Scholien – Wenn ein kleines Dorf zum fünften Mal in Folge zum Epizentrum der Rockmusik wird, dann ist klar: Hier geht es nicht nur um Bands und Bier, sondern um Herzblut. Am Freitagabend, 8. August 2025, startete auf dem Hof Schröder das Jubiläumswochenende von Scholien Rocks – und der Auftakt ließ erahnen, warum dieses Festival längst Kultstatus erreicht hat.
Als wir gegen 17:00 Uhr das Gelände betraten, war die Band Mont Go bereits beim Soundcheck, die Anlage wurde abgemischt, und der Platz füllte sich spürbar. Pünktlich um 18:00 Uhr begann das Programm – und das bei Wetter, das man an der Küste eher selten erlebt: strahlender Sonnenschein, 25 Grad und selbst bis in die späten Abendstunden angenehm warm. Perfekte Bedingungen für einen Festivalstart, der sich schnell zu einer großen Familienfeier entwickelte. Auffällig war, wie viele Besucher ihre Kinder mitgebracht hatten – vom Kleinkind im Bollerwagen bis zum Teenager vor der Bühne.
Impressionen © Nordevents
Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt: Ein Cocktailstand mixte bunte Sommerdrinks, der BBQ-Grill versorgte Hungrige mit saftigen Burgern, Pommes und Co., daneben lockten Stände mit Schokofrüchten und Waffeln sowie ein Wagen mit frisch belegten Baguettes und duftenden Crêpes. Dazu kamen zwei Merch-Stände – einer mit offiziellen Festivalartikeln wie Shirts, Hoodies und Caps, der andere mit Band-Merch, direkt von den Künstlern verkauft. Für die jüngsten Gäste gab es ein Kinderkarussell und einen kleinen Spielplatz, auf dem es fast genauso turbulent zuging wie vor der Bühne.
Besonders positiv fiel auf, dass hier nicht die üblichen Dixi-Toiletten dominierten, sondern saubere, feste Sanitäranlagen in einwandfreiem Zustand bereitstanden – ein Detail, das viele Festivalgänger zu schätzen wussten.
Gitarrenpower aus dem Norden – der Freitagabend
Den musikalischen Startschuss setzte Mont Go aus Cuxhaven – ein Trio, das seine Handschrift zwischen Alternative, Rock, Metal und Punk/Hardcore gefunden hat. Ihren Namen verdanken sie einem spanischen Berg, dessen Silhouette an einen schlafenden Elefanten erinnert – verschlafen ist an dieser Band jedoch gar nichts. Für ihr Debütalbum „Odyssee“ zog es sie von der Nordsee an die Costa Blanca, wo sie im renommierten Casa Pepe Studio unter der Regie von Uwe Hoffmann – bekannt durch Die Ärzte, Sportfreunde Stiller und Extrabreit – elf Songs aufnahmen. Am Freitag brachten sie diese Studioenergie mit voller Wucht auf die Bühne: druckvolle Riffs, punktgenaues Schlagzeug und eine Bühnenpräsenz, die sofort Funken ins Publikum überspringen ließ.
Direkt im Anschluss folgte Kein Wunder, ebenfalls aus Cuxhaven, mit ihrem deutschsprachigen Punk-Rock-Pop. Gegründet von langjährigen Freunden, ist die Band bekannt für ehrliche Texte, die Alltagsgeschichten mit einem Augenzwinkern erzählen, und für ihre Nähe zum Publikum. Sänger und Gitarrist suchte immer wieder den Dialog mit den Zuschauern, brachte sie zum Lachen und zum Mitsingen – ein Auftritt, der genau den familiären, offenen Geist von Scholien Rocks verkörperte.
Ein kleiner Wermutstropfen: 5th Avenue mussten kurzfristig absagen. Doch das Organisationsteam reagierte professionell und holte Nu Kidz ins Boot, die mit jugendlicher Energie und einer Mischung aus Punk und Alternative nahtlos ins Line-up passten.
Einer der Höhepunkte des Abends war der Auftritt von Sloppy Joe’s aus Hamburg. Das Power-Trio steht für kompromisslosen Hard Rock, eingängige Riffs und eine ungebremste Spielfreude. Pop-Songs vergangener Jahrzehnte verwandelten sie in donnernde Heavy-Rock-Versionen, die das Publikum feierte. Zum Abschluss sorgten BloodWhite mit wuchtigen Gitarrenwänden und rauem Gesang für einen kraftvollen, lauten Schlusspunkt unter den ersten Festivaltag.
Wer danach noch Energie hatte, zog zur Aftershow im Bunker, wo DJ ChrisTechMin bis tief in die Nacht elektronische Beats und tanzbare Rock-Edits auflegte. In der kompakten Club-Atmosphäre wurde getanzt, gelacht und weitergefeiert – ein perfekter Ausklang für einen gelungenen Auftakt.
Bands © Nordevents
Der Samstag – mehr als Musik
Heute, am zweiten Festivaltag, wird das Programm noch einmal breiter. Schon am Vormittag lockt der beliebte Flohmarkt mit Ständen voller Schätze, Kuriosem und handgemachten Produkten aus der Region. Für Kinder gibt es Spielmöglichkeiten und Unterhaltung, sodass auch Familien entspannt durch den Tag kommen.
Musikalisch verspricht der Samstag weitere energiegeladene Auftritte, eingerahmt von einer Atmosphäre, die von Herzlichkeit, Offenheit und echter Gemeinschaft lebt. Auch kulinarisch wird erneut eine breite Auswahl geboten – vom deftigen BBQ bis zur süßen Versuchung.
Das Wetter bleibt laut Vorhersage gut, doch der aufgeweichte Boden macht vorsichtige Anreisepläne nötig. Das Organisationsteam bittet um umweltbewusste Anreise zu Fuß, per Fahrrad oder in Fahrgemeinschaften. Wer mit dem Auto kommt, sollte den Abschlepphaken griffbereit haben.
Zum Jubiläum gibt es nicht nur eine verbesserte Lichtanlage, sondern auch eine neue barrierefreie Toilettenanlage im alten Stall – stilecht kommentiert von Hofherr Carlo Schröder: „Wo früher Kühe speisten, jetzt die Rocker …“ – der Rest sorgt vor Ort für ein Schmunzeln.
Der Freitag hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Energie, Liebe zum Detail und musikalische Vielfalt in Scholien Rocks steckt. Von der internationalen Studioerfahrung von Mont Go über die Publikumsnähe von Kein Wunder bis zum Hard-Rock-Druck von Sloppy Joe’s war der Auftakt so bunt wie kraftvoll. Heute geht es weiter – und wer kann, sollte dabei sein. Denn eines steht fest: Scholien Rocks bleibt laut, bunt – und vor allem rockig.















































































