Berlin, 18.07.2026 – Wenn der Berliner Olympiapark im Sommer bebt, bittet das Lollapalooza zum Tanz. Bereits zum elften Mal verwandelten zehntausende Fans das Areal rund um das Olympiastadion in eine bunte Welt aus Pop, Hip-Hop und Indie. Das Event war fast restlos ausverkauft. Kein Wunder, schließlich genießt das Lolla als reines Stadtfestival einen Sonderstatus, der für eine ganz eigene Dynamik sorgt. Wer das Gelände im Schlaf zu kennen glaubte, wurde diesmal jedoch überrascht: Die Macher hatten den Lageplan radikal umgestaltet.
Die mutigste Neuerung betraf die legendäre „Perry’s Stage“: Der Elektro-Kessel zog aus dem Stadion nach draußen, um als Open-Air-Dancefloor die Berliner Clubkultur noch hautnäher einzufangen. Flankiert von den gigantischen Hauptbühnen (TK Maxx und Essence Stage), der neuen Newcomer-Bühne „New Horizon“ sowie den Oasen „Grüner Kiez“ und „Fashionpalooza“ präsentierte sich das Festival als perfekt durchdachter Erlebnisraum. Die Kulisse stand, die Vorfreude war riesig und es wurde Zeit, sich ins Getümmel des ersten Tages zu stürzen.
Baran Kok, Jolle, Balu Brigada, Atarashi Gakko und Makko © Nordevents
Der Samstag: Von intimen Newcomer-Momenten bis zur absoluten Eskalation
Der musikalische Startschuss des ersten Festivaltags fiel mit Baran Kok, der sich selbst als „ersten schwulen Rapper weltweit“ bezeichnet. Mit seinen energetischen Songs, verdammt ehrlichen Texten und einer ordentlichen Portion Attitüde lieferte er den perfekten Weckruf für das noch frisch eingetroffene und schon relativ zahlreiche Publikum und eröffnete das Lolla gebührend.
Kurz darauf übernahm Jolle die Bühne und bewies eindrucksvoll, warum sie in der Vergangenheit bereits für Schwergewichte wie Cro oder Tokio Hotel eröffnen durfte. Irgendwo zwischen Pop, Indie und Rock angesiedelt, blitzte ihre erstklassige Bühnenpräsenz in jeder Sekunde auf. Ein besonderes Highlight war dabei auch ihre Bühne: Überlebensgroße Teddybären und ein Mikrofonständer, der komplett in Stofftieren gehüllt war, zierten die TK Maxx Bühne. Spätestens bei ihrem Hit „Alle Märchen sind gelogen“ hatte sie das Infield komplett im Griff und riss die Menge mühelos mit.
Für die erste Dosis internationalen Flairs sorgten anschließend Balu Brigada. Die beiden neuseeländischen Brüder Henry und Pierre Beasley brachten lässigen Alt-Pop und Indie-Rock auf die Bühne. Ihr sonniger Surfrock passte wie die Faust aufs Auge zum Berliner Sommer und brachte das Gelände endgültig zum Strahlen. Der Gitarrist Henry beschloss kurzerhand schon am Anfang des Sets die Nähe des Publikums zu suchen und machte einen Ausflug in den Bühnengraben.
Komplett konträr, aber nicht minder mitreißend, wurde es bei der J-Pop-Gruppe Atarashi Gakko!. Bekannt für ihre absolut energiegeladenen Live-Shows und die von den Mitgliedern selbst entworfenen Choreografien, verwandelten sie den Platz vor der Bühne in eine riesige Tanzfläche. Im Publikum wurde schnell klar: Viele Fans waren an diesem Tag explizit nach Berlin gereist, um ihre Idole endlich live zu erleben.
Mit dem Berliner Local Hero Makko schlug das Festival am späten Nachmittag wieder urbane Töne an. Makko traf mit seinen Tracks exakt den Nerv der jüngeren Generation und behandelte Themen wie Skatepark-Melancholie, Mental Health und exzessive Partynächte. Dass er im Studio eine Allzweckwaffe ist, zeigen seine namhaften Kollaborationen mit Ski Aggu, badchieff oder Nina Chuba. Live bewies er, dass er diese Hits auch mühelos alleine tragen kann.
Tom Odell, Lily Allen, Zara Larsson und Nieve Ella © Nordevents
Gänsehautmomente und herzergreifende Hymnen
Danach änderte sich die Dynamik des Festivals spürbar, als mit Tom Odell die großen Emotionen Einzug hielten. Wenn ein einziger Mann am Klavier zehntausende Menschen zum Schweigen und kurz darauf zum kollektiven Ausrasten bringt, ist das pure Gänsehaut. Neben Titeln wie „Black Friday“, „Heal“, „Real Love“ und „Grow Old With Me“ gipfelte sein Set natürlich im Welthit „Another Love“. Ein Moment, der zweifellos als einer der lautesten und ergreifendsten Mitsing-Momente des gesamten Wochenendes in Erinnerung bleiben dürfte.
Ein ganz besonderes Highlight folgte mit Lily Allen, die auf dem Lollapalooza kurzerhand ihr neues Album „West End Girl“ präsentierte und damit eine waschechte Deutschland-Livepremiere feierte. Ihre unverkennbare Mischung aus federleichtem Gute-Laune-Pop und bittersüßem Herzschmerz kam beim Berliner Publikum fantastisch an.
Nahtlos weiter ging es mit erstklassigem Pop aus Schweden: Zara Larsson eroberte die Crowd im Handumdrehen. Angeführt von ihrem Megahit „Lush Life“, der nach 2016 in diesem Jahr völlig zurecht die Charts ein zweites Mal stürmte, lieferte sie eine makellose Show ab. Tracks wie „Never Forget You“, „Symphony“, „Ruin My Life“ und „Ain’t My Fault“ untermauerten ihren Status als absolute Pop-Künstlerin.
Dass eine Performance nicht unbedingt eine riesige Bühne braucht, um voll einzuschlagen, bewies Nieve Ella an diesem Nachmittag eindrucksvoll. Trotz des vergleichsweise kleineren Setups herrschte eine fantastische Stimmung vor der Stage. Die britische Newcomerin lieferte eine absolut starke Show ab, bei der vor allem ihr ausdrucksstarker Gesang im Zentrum stand. Das Publikum war sichtlich begeistert von ihrer stimmlichen Präsenz und der Energie, die sie mühelos übertrug.
James Marriott und Pitbull © Nordevents
Mr. Worldwide bittet zum kollektiven Ausnahmezustand
Die undankbarste Headline-Slot-Konkurrenz des Tages? Definitiv parallel zu Pitbull antreten zu müssen. Doch James Marriott bewies am Abend auf der intimeren Horizon Stage, dass er sich vor den ganz großen Namen nicht verstecken muss. Im Gegenteil, er zog trotz der Parallelansetzung eine beeindruckend große und treue Crowd vor die Bühne. Als absoluter Running-Gag des Sets performten er und seine Band den kompletten Auftritt in Bald Caps. Musikalisch war das Ganze gewohnt stark: Marriotts Auftritt war extrem ausdrucksstark und lebte von einer intensiven Dynamik, die das Publikum bis zum letzten Akkord komplett in den Bann zog.
Das monumentale Finale des ersten Tages beim Lollapalooza war schließlich für den “Mr. Worldwide” höchstpersönlich reserviert: Headliner Pitbull bat zum kollektiven Tanz. Für ihn war es die einzige Festivalshow des Jahres in Deutschland, und die Fans hatten sich standesgemäß vorbereitet. In Anlehnung an den skurrilen Guinness-Weltrekord beim British Summer Time Festival in London in der Vorwoche, sah man auch im Berliner Publikum unzählige Zuschauer mit der typischen Pitbull-Kombination aus weißem Hemd und (Fake-)Glatze. Ob mit oder ohne Haaren: Zu globalen Megahits wie „Give Me Everything“, „Timber“, „Hotel Room Service“, „Fireball“, „International Love“ und „Don’t Stop the Party“ verwandelte sich der Olympiapark in eine einzige, gigantische Open-Air-Party, die den ersten Festivaltag gebührend abschloss.
Als sich das Publikum auf den Weg nach Hause machte, spürte man, dass „Don’t Stop the Party“ definitiv das Motto der Nacht sein würde, bevor am nächsten Tag alles von vorne los geht.





















































































































































































































































