01099 in der Hamburger Sporthalle – Sommergefühle, Superstimmung und ein holpriger Zeitplan

Christian Habeck

Hamburg, 18.12.2025 – Ausverkauftes Haus in der Hamburger Sporthalle: Rund 4.000 Besucherinnen und Besucher wollten am Abend dabei sein, als 01099 im Rahmen ihrer „Extra aus Dresden angereist“-Tour Halt in der Hansestadt machten. Der enorme Andrang unterstrich eindrucksvoll, welchen Stellenwert die Dresdner Rapcrew inzwischen bei ihrem – überwiegend sehr jungen – Publikum genießt.

Der Abend begann allerdings mit einem kleinen Dämpfer. Einlass war pünktlich um 18:00 Uhr, der Veranstalter hatte den Konzertbeginn für 19:00 Uhr angekündigt. Tatsächlich betrat die Vorband Aaron die Bühne jedoch erst um 19:30 Uhr. Sein Set endete bereits kurz vor 20:00 Uhr – musikalisch solide, atmosphärisch passend, aber deutlich zu kurz, um die lange Wartezeit im Vorfeld zu rechtfertigen. Noch unschöner: Der Hauptact 01099 startete erst gegen 20:20 Uhr. Die langen Pausen zwischen Einlass, Support und Headliner fielen spürbar negativ auf und sorgten gerade im sehr jungen Publikum für zunehmende Ungeduld.

01099 © Nordevents

Mit dem Opener „Frisch“ war diese jedoch schlagartig vergessen. Die Hamburger Sporthalle verwandelte sich binnen Sekunden in eine pulsierende, textsichere Crowd. Es folgten „Küssen“ und „Oh man„, zwei Songs, die den warmen, melodischen 01099-Sound perfekt transportieren und das Publikum direkt abholen.

Spätestens bei „Tanzalarm“ und „Halligalli“ war klar, wohin die Reise geht: 01099 liefern keinen klassischen Rap-Abend, sondern ein hybrides Pop-Hip-Hop-Erlebnis, das irgendwo zwischen Sommerplaylist, Klassenfahrt-Soundtrack und Festival-Euphorie angesiedelt ist. Der Altersdurchschnitt lag gefühlt bei 16 Jahren, entsprechend textsicher, lautstark und emotional präsent zeigte sich das Publikum – selten hat man eine Halle gesehen, in der nahezu jede Zeile kollektiv mitgesungen wird.

Zwischen Leichtigkeit und leiser Melancholie

Besonders stark wirkte „Glücklich„, das mit seiner schlichten Ehrlichkeit genau den Nerv der jungen Zuhörerschaft trifft. „Baltimore“ und „Eigentlich“ (mit den bekannten LEA-Parts vom Band) sorgten für ruhigere, beinahe nachdenkliche Momente, ohne den Fluss des Konzerts zu bremsen.

Ein klarer Höhepunkt folgte mit „S1“. Der Song, der vom nächtlichen Unterwegssein, vom Verlieren der Zeit und vom Weiterziehen erzählt, funktionierte live als verbindendes Element zwischen Bühne und Halle. Hier zeigte sich eindrucksvoll, warum 01099 derzeit als eine der zugänglichsten und sympathischsten Hip-Hop-Formationen Deutschlands gelten.

Crowd-Moment und Sommerklassiker

Für „Pistazieneis“ wechselte die Band in die B-Stage mitten im Publikum – ein cleverer dramaturgischer Kniff, der Nähe erzeugte und für frenetische Reaktionen sorgte. „So heißJacke zu“ und „Was ich in die Lieder steck“ unterstrichen nochmals den sommerlichen Grundton des Abends, obwohl draußen längst Dezemberkälte herrschte.

Zurück auf der Hauptbühne folgte eine dichte Abfolge aus „Durstlöscher“, „Flasche kreist“ und dem augenzwinkernden „Last Christmas„-Cover, das überraschend gut funktionierte und dem Abend einen ironisch-festlichen Twist verlieh. Spätestens bei „Tempo“ und „Supernova“ war die Halle endgültig im Ausnahmezustand.

Zugabe mit Herz und Nostalgie

Nach gut 90 Minuten Spielzeit verabschiedete sich die Band zunächst, kehrte aber für eine umjubelte Zugabe zurück. „Unsinn“, das eigens für die Tour geschriebene Weihnachtslied 2025 und schließlich „Himmel Pink“ bildeten einen stimmungsvollen Abschluss. Mit 2000er wurde nochmals bewusst Nostalgie bedient – ein Song, der selbst die jüngsten Fans kollektiv in Bewegung versetzte.

Musikalisch und atmosphärisch in Bestform

01099 lieferten in Hamburg ein energetisches, extrem publikumsnahes Konzert, getragen von einer begeisterungsfähigen, sehr jungen Crowd und einer Setlist, die kaum Durchhänger zuließ. Die deutlich verspäteten Startzeiten und langen Pausen bleiben jedoch ein klarer Kritikpunkt, der bei einem ausverkauften Konzert dieser Größenordnung unnötig ist. Musikalisch und atmosphärisch zeigte sich die Band dennoch in Bestform – als Boyband des Ostens, die Hip-Hop entstaubt und emotional zugänglich macht.

Ausblick: Festivals 2026

Auch im kommenden Jahr wird man 01099 auf großen Bühnen erleben können. Bereits bestätigt sind folgende Festival-Auftritte:

  • 16.–19.07.2026: Deichbrand Festival (Cuxhaven)
  • 15.08.2026: Highfield Festival (Leipzig)
  • 03.–06.09.2026: Glücksgefühle Festival (Hockenheimring)

Wer die Hamburger Show erlebt hat, weiß: Das wird laut, bunt – und sehr voll.


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