Alter Bridge eröffnen ihre Tour in Hamburg – kraftvoller Auftakt ohne Schnickschnack

Sascha Beckmann

Hamburg, 15.01.2026 – Vier Jahre mussten die Hamburger Fans warten, nun war es endlich so weit: Alter Bridge sind zurück in der leider nicht ausverkauften Sporthalle Hamburg. Und nicht nur das – der Auftritt am Donnerstag markierte zugleich den offiziellen Auftakt der neuen „What Lies Within“-Tour, die die US-Rockband bis Ende Oktober durch Europa und die USA führen wird. Nach über zwei Jahren Bühnenpause war spürbar: Dieser Abend war nicht nur ein Wiedersehen mit dem Publikum, sondern auch ein Neustart für die Band selbst.

Bereits das Vorprogramm hatte es in sich. Den Abend eröffneten Sevendust, die Groove-Metaller aus Atlanta. Zwar verpasste ein Teil des Publikums – und auch der Autor – ihren Auftritt aufgrund des frühen Beginns. Doch aus den Reihen der Fans war später immer wieder zu hören, dass Sevendust mit druckvollem Sound und viel Energie einen starken Einstieg geliefert hatten.

Danach übernahmen Daughtry das Ruder und sorgten dafür, dass die Sporthalle endgültig auf Betriebstemperatur kam. Mit sattem US-Rock, eingängigen Refrains und deutlich mehr Showelementen als der spätere Headliner bewiesen sie, warum sie mehr und mehr eine feste Größe im modernen Rock werden.

Daughtry © Nordevents

Als Alter Bridge schließlich die Bühne betraten, verzichteten sie bewusst auf großes Tamtam. Kein bombastisches Intro, kein überladener Bühnenaufbau – stattdessen ein direkter Einstieg mit „Silent Divide“, einem Song vom frisch erschienenen achten Studioalbum (hier unsere –> Rezension). Myles Kennedy, der sich mit seinem weißen Shirt deutlich von der schwarz gekleideten Masse abhob, bewegte sich ruhig und konzentriert über die Bühne. Große Gesten oder lange Ansprachen suchte man vergebens – erst nach einigen Songs wandte sich der Sänger erstmals an das Publikum und sprach offen darüber, wie ungewohnt es sei, nach längerer Pause wieder vor so vielen Menschen zu spielen.

Alter Bridge © Nordevents

Musikalisch blieb die Band ihrem bewährten Stil treu: wuchtige Gitarrenriffs von Ausnahmegitarrist Mark Tremonti, präzises Drumming und Kennedys markante, oft hohe Stimme prägten den Abend. Neue Songs wie „Tested And Able“ fügten sich nahtlos in die Setlist ein, während Klassiker wie „Metalingus“, bis heute der meistgehörte Song der Band, für kollektives Mitgehen sorgten. Die Mischung aus neuem Material und über 20 Jahren Bandgeschichte funktionierte – auch wenn sich der Sound über die fast zwei Stunden Spielzeit stellenweise sehr geschlossen und homogen präsentierte.

Die ruhigen Töne sorgten für Gänsehaut

Ein besonderer Moment war die Akustikpassage in der Mitte des Sets. Kennedy und Tremonti nahmen auf Barhockern Platz und spielten„In Loving Memory“. Die ruhigen Töne sorgten für Gänsehaut und erinnerten zugleich an die Vergangenheit einiger Bandmitglieder: Tremonti, Bassist Brian Marshall und Schlagzeuger Scott Phillips hatten ihre musikalischen Wurzeln bei Creed, jener Band, die Anfang der 2000er mit großen Rockballaden weltweit erfolgreich war.

Zum Finale zog Alter Bridge das Tempo noch einmal an. Mit den Zugaben „Blackbird“ und „Isolation“ setzten sie einen kraftvollen Schlusspunkt unter einen Abend, der ohne aufwendige Effekte auskam. Statt Nebel und Pyrotechnik setzte die Band auf Licht, Präsenz und vor allem auf handgemachte Rockmusik. Unterm Strich war der Tourauftakt in Hamburg ein voller Erfolg: starke Supportacts, ein fokussierter Headliner und ein Publikum, das genau dafür gekommen war. Wenn Alter Bridge diesen Kurs beibehalten, dürfte die „What Lies Within“-Tour ein würdiges neues Kapitel in der langen Bandgeschichte werden.


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