Von der „Crying Corner“ zu den großen Pop-Hymnen: Calum Scott bewegt Hannover

Annelen Ziaja

Hannover, 06.06.2026 – Calum Scott ist längst kein Geheimtipp mehr. Nach seinem weltweiten Durchbruch und seiner gefeierten Rolle als „The Voice“-Coach zieht der sympathische Brite auf seiner „The Avenoir Tour“ die Massen an. Dass seine norddeutsche Fangemeinde durchaus textsicher ist, bewies sie beim Gastspiel in der ausverkauften Swiss Life Hall in Hannover. Schon vor dem ersten Ton spürte man eine besondere, fast schon familiäre Atmosphäre in der Halle.

Sanfte Klänge und rauchige Stimmen: Marvin Tapper und Lusaint eröffnen den Abend

An diesem Abend gab es gleich zwei Opener. Den Start machte Marvin Tapper aus Leer, Finalist von „The Voice of Germany“, bei der Calum als Coach mitgewirkt hatte. Dort bot der Weltstar dem Nachwuchstalent kurzerhand den Support-Slot an. Unterstützt von Jonas an der Gitarre (bekannt vom Duo Maël & Jonas) lieferte Marvin eine emotionale und sympathische Performance ab. Neben seiner ersten Single bestand sein Set aus Covern wie „Falling“ (Harry Styles) oder „Meer“ (Jeremias). Aufmerksam lauschten die Fans den sanften Klängen und tauchten die Halle mit Handylichtern in ein erstes atmosphärisches Licht.

Marvin Tapper © Nordevents

Als zweite Künstlerin betrat Lusaint die Bühne. Mit ihrer rauchigen, an Amy Winehouse erinnernden Stimme zog sie das Publikum in ihren Bann. Begleitet von Bjorn an der Akustikgitarre sang sie eigene Songs wie „Love Bites Back“ und „Lie to Yourself“, die zum Mitklatschen animierten. Auch ihre Cover, darunter „Wicked Game“ von Chris Isaak und ein fulminantes „Feeling Good“, sorgten für laute Rufe und begeisterten Jubel.

Lusaint © Nordevents

Stimmgewaltig und voller Energie: Calum erobert die Swiss Life Hall

Punkt 21:00 Uhr war es so weit. Nach einem atmosphärischen Intro stürmte Calum Scott mit seiner sechsköpfigen Live-Band die Bühne. Mit dem energetischen Opener „God Knows“ startete das rund 100-minütige Programm, direkt gefolgt von der treibenden Up-Tempo-Nummer „Roots“. Die Halle war zwar komplett bestuhlt, doch das Publikum matchte die unbändige Energie der Bühne vom ersten Akkord an. Das Set bot eine perfekte Balance aus brandneuem Material und geliebten Fan-Favoriten, die die enorme musikalische Reife des 37-Jährigen unterstrichen.

Calum Scott © Nordevents

Die „Crying Corner“: Wenn eine ausverkaufte Halle plötzlich stillsteht

Doch natürlich durfte die tiefe Emotionalität nicht fehlen. Nach einem kurzen Umbau fiel ein weißer Vorhang, Kerzenlicht erhellte die Bühne und Streicherklänge setzten ein. Calum leitete den intimen Teil passend als seine „Crying Corner“ ein. Ein Ort, an dem jeder fühlen durfte, was er gerade fühlte. Bei berührenden Balladen wie „No Matter What“ oder einer reduzierten Version von Whitney Houstons „I Wanna Dance with Somebody“ lagen sich viele Fans gerührt in den Armen.

Zwischen den Songs zeigte sich der Sänger bemerkenswert verletzlich. Er öffnete sich dem Publikum und sprach ergreifend über das Hadern mit der eigenen Identität und einen bislang unerfüllten Kinderwunsch vor dem Song „Mad“. Diese ehrliche Nahbarkeit ließ die Halle für einige Momente komplett stillstehen.

Nashville-Vibes, ein Heiratsantrag und eine Lektion im „Krökeln“

Auf die Tränen folgte die Party: Mit den Up-Tempo-Tracks „Peripheral Vision“ und „Stay“ riss Scott das Publikum endgültig von den Sitzen. In den Hit „Where Are You Now“ mischte er elegant ein Cover von Linkin Parks „Numb“, was die Menge laut aufjubeln ließ. Wie wandelbar der Brite ist, bewies er kurz darauf: Mit einem Cowboyhut bewaffnet stimmte er „One More Drink“ an und brachte damit echte Nashville-Vibes nach Hannover.

Ein optisches Highlight lieferte die Crowd bei „Die For You“: Tausende Handylichter verwandelten die Halle in ein funkelndes Sternenmeer. Überhaupt lebte der Abend von charmanten Interaktionen: Ein Bad in der Menge, ein (erfolgreicher) Heiratsantrag im Publikum und Scotts humorvolle Versuche, deutsche Wörter einzubauen (inklusive des typisch hannoverschen Begriffs „krökeln“ für Tischfußball), machten das Konzert unvergesslich.

Ein bewegter Weltstar und ein ohrenbetäubender Chor zum Finale

Vor den Zugaben schlug Scott noch einmal nachdenkliche Töne an. Mit Blick auf die wirtschaftlich schwierige Weltlage bedankte er sich überschwänglich bei seinen Fans. Dass die Menschen in Zeiten wie diesen ihr hart verdientes Geld für ein Konzertticket ausgeben, sei für ihn alles andere als selbstverständlich und bedeute ihm „einfach alles“.

Das Finale setzte dem Abend die Krone auf. Bei den absoluten Megahits „You Are The Reason“ und seiner weltberühmten Cover-Version von Robyns „Dancing On My Own“ kochte die Stimmung endgültig über. Die Halle sang jede Zeile so ohrenbetäubend und textsicher mit, dass Scott sichtlich bewegt auf der Bühne stand. Als die Lichter angingen, blieb ein zutiefst berührtes, glückliches Publikum in der Hannoveraner Nacht zurück.


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