Wenn der Blues nach Hause kommt – Danny Bryant in den Hapag-Hallen

Wolfgang Karg

Cuxhaven, 16. Mai 2026 – In dem über 100 Jahre alten historischen Hafenbahnhof am Steubenhöft hatte der Blues an diesem Samstagabend seine Heimat gefunden – zumindest für ein paar Stunden. Wer die Hallen kennt weiß, warum Musiker sie lieben: Die Musiker spielen nur auf einem leicht erhöhten Podest, sehr dicht vor dem Publikum, was zu einem wesentlich intensiveren Erlebnis beiträgt als an vielen anderen Spielorten. Der Club-Charakter bleibt dabei gewahrt. Und genau das braucht ein Mann wie Danny Bryant. Keine Distanz. Keine Barrieren. Nur Musik, Mensch und Moment.

Danny Bryant © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Vor neunzehn Jahren trat Danny bereits beim Verein Jazz und Folk Cuxhaven auf, damals noch im Trio mit seinem Vater am Bass. Das Publikum war begeistert, und viele Besucher von 2007 waren wieder dabei. Eine Erwartungshaltung, die Bryant an diesem Abend mit Leichtigkeit übertraf.

Ein Mann kehrt zurück – und bringt sein ganzes Leben mit

Danny gehört zu den namhaftesten britischen Bluesmusikern, der mit Carlos Santana, Greg Allman, Joe Cocker und Walter Trout gespielt hat. Bryant, der längst mehr ist als ein klassischer Bluesmusiker, verbindet kraftvolle Gitarrenarbeit mit emotionalem Storytelling, rockigen Grooves und einer modernen musikalischen Handschrift. Das Classic Rock Magazine adelte ihn einmal als „Britain’s National Blues Treasure“ – in den Hapag-Hallen an diesem Abend fühlte sich das nicht wie ein leerer Ehrentitel an.

Der Mann war kaum wiederzuerkennen. Danny Bryant hat schwer abgenommen. Vor zwei Jahren steckte er in einer tiefen Krise, psychisch und körperlich. Auf seinem aktuellen Album „Nothing Left Behind“ schreibt er, dass er in der Klinik lag und fast gestorben wäre – das Ergebnis von jahrelangem Alkoholkonsum, schnellem Leben und schlechten Entscheidungen. Damals habe er entschieden, das Leben zu umarmen und einiges zu ändern. Und es war auch lange nicht sicher, ob dieser Termin eingehalten werden kann, Danny hatte einen Unfall und sich den Arm gebrochen.

Mit „Nothing Left Behind“ meldet sich Danny Bryant kraftvoll zurück. Das im Januar erschienene Album ist das Ergebnis dieser inneren Wandlung: ein unerwartet farbenreicher Sound – rau, direkt, emotional. Die Songs sind persönlich; er verarbeitet darin eine schwierige Zeit, aus der er gestärkt hervorgegangen ist. Stilistisch verbindet er kraftvolle Gitarren, emotionale Geschichten und rockende Grooves zu einer modernen, vielseitigen Handschrift.

Produziert wurde das Album in den Megaphon Studios – mithilfe von Grammy-Preisträger Toningenieur Ian Dowling (bekannt von Adele) und Mixer Eddie Spear (Rival Sons, U2) entstand dabei ein Werk, das den Hörer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt und Bryant durchgängig in Bestform zeigt.

Die Show: Fünf Musiker, ein Feuer

Mit im Gepäck: seine top eingespielte Band, neue Songs voller Intensität – und Bryants unverkennbarer Mix aus Gitarrenpower, Bluesrock und einem Hauch von Soul, alles getragen von Dannys rauer, kraftvoller Stimme. Das Quintett – Marc Raner an der zweiten Gitarre, Jamie Pipe an den Keyboards, Artjom Feldtser am Bass und Alex Hinz am Schlagzeug – spielte sich durch einen Abend, der von der ersten Minute an unter Strom stand.

Was den Abend in Cuxhaven auszeichnete, war diese besondere Unmittelbarkeit. Bryant stand mit einer Präsenz auf der Bühne, die man nicht proben kann, sondern nur erleben. Er ging auf seine Mitspieler ein, stellte sich manchmal ganz nahe zu ihnen, während diese ihre Solos spielten, und schien alles einzuatmen.

Wer die Tour-Berichte aus anderen deutschen Städten kennt, weiß: Dieses Muster zog sich durch die gesamte Deutschlandtournee. Danny eröffnete mit „Three Times as Hard“ – ein programmatischer Titel, der sofort saß. Die Band klang groß, aber nicht aufgeblasen. „Prisoner of the Blues“ lieferte ein starkes, kantiges Gitarrensolo – kein virtuoses Selbstzweckfeuerwerk, sondern ein Solo, das erzählt.

Wer Bryants Konzerte kennt, weiß: Die Intensität springt über, wenn er die Bühne betritt – seine Gitarrenriffs, sein Gesang und seine Bühnenpräsenz ziehen in Bann. Und doch war Cuxhaven etwas Eigenes. Die Intimität des Saals, die hanseatische Zurückhaltung des Publikums, die langsam, aber sicher schmolz – und dann, irgendwo zwischen dem dritten und vierten Song, endgültig dahinsank. Man sah es in den Gesichtern: Dieser Mann meint es ernst.

Fazit: Ein Abend, der nachhallte

Die Hapag-Hallen haben an diesem Maiabend gezeigt, was sie können: Ein Raum, der Musik atmen lässt. Und Danny Bryant hat gezeigt, was er kann: einem Publikum etwas von sich schenken, das weit über Noten und Akkorde hinausgeht.

Die Lyrics wirkten an diesem Abend wie ein Tagebuch – ohne Selbstmitleid, aber mit großer Ehrlichkeit. Danny Bryant spielte nicht um sein Leben. Er spielte aus ihm heraus. Wer an diesem Abend dabei war, wird sich noch lange daran erinnern. Und wer es verpasst hat? Der sollte die nächste Gelegenheit nicht vorüberziehen lassen.

Wer an diesem Abend sich nicht den Eurovision Song Contest im Fernsehen anschauen wollte, hatte mit dem Danny Bryant Quintett alles richtig gemacht. Douze Points Danny Bryant.


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