Die Ahab`s Rocknacht

Wolfgang Karg

Cuxhaven, 18.04.2026 – Cuxhaven. Der Norden. Ein Abend – und zwei Bands aus dem Süden. Es gibt Konzertabende, die man nicht plant zu lieben. Man geht hin, weil ein Freund einen mitschleppt, weil der Eintritt erschwinglich war, weil man einfach mal wieder raus wollte. Und dann stehst du plötzlich mittendrin, der Bass drückt dir gegen die Rippen, jemand neben dir singt Texte mit, die er noch nie gehört hat, und du merkst: Hier passiert gerade etwas Echtes.

Genau das war es, was Drive Hunt und Voltwechsel in der Eventlokcation Captain Ahab`s ausgelöst haben — und, wie sich beim Blick auf ihre Tourgeschichte zeigt, an jedem anderen Abend auch.

Zwei Bands, eine Sprache

Drive Hunt aus Regensburg brachte Female Fronted Hard Rock auf die Bühne. Mit ihrer EP „To The Top“ haben sie sich regional etabliert, bevor sie 2025 auf ihre erste Deutschlandtour gingen — mit kraftvollen Riffs, die an die goldene Ära des Hard Rocks erinnern. Angeführt wird die Regensburger Band von Frontfrau Sabrina Sixx, Sängerin und Gitarristin, für die Rock mehr als eine Musikrichtung ist, sondern ein Lebensgefühl. Ihr Stimmspektrum reicht von sanften, gefühlvollen Klängen bis zur rauen, kraftvollen Rock-Röhre.

Drive Hunt startete mit „Beast in Disguise“ und „Inner Dimension“ in den Abend und endete mit „Crazy Train“ — 13 Songs, die keinen Millimeter nachließen. Coverversionen wie „Zombie“ von The Cranberries oder “ Sweet Child o‘ Mine“ von Guns N’ Roses waren ebenfalls dabei. Letzteres passte gut, Gitarrist Max Bluesch sieht ja aus wie Slash ohne Zylinder.

Drive Hunt © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Nach einer kurzen Umbauphase stand Voltwechsel aus Graz auf der kleinen Bühne — eine Band irgendwo zwischen Metal und deutschsprachigem Grunge-Rock, mit Texten, die zum Nachdenken einladen, massiven Gitarrenriffs und einem drückenden Bass als Fundament ihres markanten Sounds.

Voltwechsel © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg

Die vier Österreicher haben Blut geleckt: Nach ersten musikalischen Schritten in Deutschland im Frühling 2025 kehrten sie im April 2026 zurück — in neuer Formation, aber mit derselben Power. Fast genau vor einem Jahr standen sie an gleichem Ort noch ohne eine Sängerin.

Die neue Sängerin ist Laura Trolp. Sie stieß Anfang 2026 zur Band, um den scheidenden Sänger und Gründungsmitglied Patrick Schmidleithner zu ersetzen, und markiert den Beginn als „Female-Fronted“-Rockband. Zusammen mit ihr wurden Anfang 2026 neue Songs wie „Anfang unsrer Zeit“ veröffentlicht. 

Voltwechsel brachten ihr Debütalbum „Frei und doch gefangen“ mit. Laura Trolp, Gerald Silberschneider (ebenfalls neu in der Band), Gernot Neumann und Nino Markgraf — allesamt mit Bandvergangenheit — spielten wie eine Einheit, die nichts mehr zu verlieren hat und alles geben will. Die Texte auf Deutsch, die Riffs auf Anschlag, die Energie mit jedem Song steigend. Es war erst das zweite Konzert mit der neuen Besetzung.

Zwei Bands, eine Sprache

Was diese beiden Bands zusammenbringt, ist mehr als ein gemeinsames Booking. Es ist eine geteilte Haltung: kein Glamour, kein Overproducing, kein aufgeblasenes Rockstar-Gehabe. Nur Musik, die meint, was sie sagt.

Die beiden Bands haben auf ihrer gemeinsamen Tour durch Deutschland unterschiedliche Bühnen bespielt und dabei bewiesen, dass guter Rock keine Großstadt braucht.

Was bleibt

Drive Hunts rohe Energie und Voltwechsels tiefgründige Texte hatten nichts zu beweisen — sie konnten einfach sein. Man könnte jetzt schreiben, dass diese Bands die nächsten großen Dinge sind, dass die Szene nach ihnen gesucht hat, dass alles perfekt war. Aber das wäre nicht ganz ehrlich — und wäre auch gar nicht nötig.

Was Drive Hunt und Voltwechsel leisten, ist etwas Wertvolleres als Perfektion: Sie erinnern daran, warum Konzerte überhaupt existieren. Drive Hunt verspricht ehrlichen, modernen Hard Rock — roh, direkt und hundert Prozent live. Sie halten dieses Versprechen. Voltwechsel wiederum fordern etwas vom Publikum — sie wollen nicht einfach nur gehört werden, sondern gehört und gedacht. Das ist selten. Das ist wertvoll.

Zwei verschiedene Line-ups — und das für kleines Geld. Hier kann man sehen, staunen und Neues erleben. Überraschungen sind gewiss. Sie war etwas Besseres: ein Beweis, dass Rock in Deutschland lebt — in kleinen Clubs, sogar in Cuxhaven – überall dort, wo noch jemand bereit ist, einen Abend lang wirklich zuzuhören. Wer die Chance hatte, dabei zu sein, hat sie hoffentlich genutzt. Wer nicht — der sollte die Namen dieser beiden Bands im Gedächtnis behalten. Sie kommen hoffentlich ein drittes Mal wieder.

Das Benefizkonzert stand unter dem Motto „No Hate, just Rock“ zugunsten der Lebenshilfe Cuxhaven. Des Weiteren gab es am Anfang des Abends ein Video gegen Hetze, Mobbing und Gewalt von der Oberschule Cuxhaven-Mitte, Klasse 9 c zu sehen.


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