Berlin, 02.12.2025 – Berlin steht Kopf, als Ice Nine Kills im Rahmen ihrer„A Work Of Art“-Tour in der ausverkauften Uber Eats Music Hall gastieren. Schon lange vor Einlass liegt eine besondere Spannung in der Luft – Fans in blutverschmierten Kostümen, Horror-Make-up und Filmreferenzen prägen das Bild rund um die Halle. Es wird schnell klar: Dies ist kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern der Auftakt zu einer cineastischen Metalcore-Nacht der besonderen Art.
Ice Nine Kills – Foto Credit: Salma Bustos
Kurzer, intensiver Support – das Feld ist bereitet
Die Vorbands übernehmen früh die Aufgabe, das Publikum auf Temperatur zu bringen. TX2 eröffnen gegen 18:30 Uhr den Abend mit moderner Härte, hoher Energie und direkter Publikumsansprache. Die ersten Moshpits lassen nicht lange auf sich warten. Creeper bauen die dunkle Atmosphäre weiter aus, verbinden Gothic-Elemente mit Punk-Attitüde und liefern einen stilistisch perfekt passenden Übergang in den späteren Hauptakt. The Devil Wears Prada setzen schließlich ein kraftvolles Ausrufezeichen: wuchtige Breakdowns, präzise gespielter Metalcore und ein Publikum, das nun endgültig auf Betriebstemperatur ist. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht – und genau das ist auch gut so.
Ice Nine Kills – vom Underground-Projekt zur Horror-Metal-Ikone
Bevor sich der Vorhang für den Hauptakt hebt, lohnt ein Blick zurück: Ice Nine Kills wurden 2002 von Spencer Charnas und Jeremy Schwartz in Massachusetts gegründet. Lange Zeit galt die Band als ambitioniertes Metalcore-Projekt mit wechselnden Stilrichtungen, bevor sie 2018 mit „The Silver Scream“ den entscheidenden Schritt in eine völlig eigene künstlerische Welt wagte. Das Konzept, jeden Song einem berühmten Horrorfilm zu widmen, erwies sich als Geniestreich. Mit der Fortsetzung „Welcome To Horrorwood: The Silver Scream 2“ (2021) perfektionierten sie diesen Ansatz und hievten sich endgültig in die erste Liga des modernen Metalcore. Tourneen mit Größen wie Metallica oder Papa Roach folgten – ebenso wie internationale Charterfolge.
Ice Nine Kills schaffen seitdem etwas, das nur wenige Bands beherrschen: Sie verbinden harte Musik, eingängige Refrains, visuelle Erzählung und Filmzitate zu einem geschlossenen Gesamtkunstwerk. Ihre Shows sind keine reinen Konzerte mehr – sie sind aufwendig inszenierte Horror-Theaterstücke mit musikalischer Wucht.
Einlass nach Horrorwood
Als um kurz nach 21:15 Uhr das Licht erlischt, verwandelt sich die Uber Eats Music Hall schlagartig in eine filmische Bühne. Das Intro setzt ein, erste Darsteller erscheinen, und mit „Meat & Greet“ betreten Spencer Charnas und seine Mitstreiter die Szenerie. Von der ersten Sekunde an herrscht Ausnahmezustand: textsichere Fans, massive Moshpits, dichte Lichtstimmung – Berlin ist sofort Teil der Inszenierung.
Die folgenden Songs entfalten sich wie einzelne Kapitel eines blutigen Drehbuchs.„Stabbing In The Dark“ bringt nicht nur musikalisch, sondern auch visuell maximale Intensität, während bei „Funeral Derangements“ das gesamte Infield in Bewegung gerät. Immer wieder wechseln sich brutale Breakdowns mit fast poppig-melodischen Refrains ab – typisch Ice Nine Kills.
Theater, Splatter und schwarzer Humor
Was diese Band live so einzigartig macht, ist die kompromisslose Liebe zum Detail. Jede Szene wirkt durchdacht, jede Figur sitzt perfekt. Bei „Wurst Vacation“ sorgt ein blutverschmierter Metzger für schockierende Momente, „Ex-Mørtis“ wird von kreischenden Kettensägen-Sounds und bedrohlichen Tänzer*innen begleitet. Selbst humorvolle Kontraste werden gezielt eingesetzt: Ein groteskes Augenzwinkern durchzieht die Show wie ein roter Faden.
Spencer Charnas agiert dabei weniger als klassischer Frontmann, sondern vielmehr als Hauptdarsteller in seinem eigenen Horrorfilm. Er wechselt mühelos zwischen Theatralik, Wahnsinn, Charme und Brutalität – und trägt die komplette Inszenierung mit beeindruckender Präsenz.
Das große Finale
Im letzten Drittel der Show steigert sich die Intensität nochmals spürbar. Klassiker wie „The Shower Scene“ lassen die Halle beben, während „The Impression That I Get“ für eine überraschend kollektive Feier zwischen Chaos und Euphorie sorgt. Spätestens hier gibt es kein Halten mehr – Crowdsurfer, Circle Pits und ekstatische Gesichter prägen das Bild.
Mit „It Is The End“ erreicht das Horrorspektakel seinen dramatischen Höhepunkt, bevor der neue Song„A Work Of Art“ den endgültigen Schlusspunkt setzt. Die Bühne gleicht nun vollkommen einer Filmszene: Schauspiel, Musik und Publikum verschmelzen zu einem einzigen brodelnden Strudel aus Lärm, Licht und Emotion.
Nicht bloß ein Konzert – ein Gesamtkunstwerk
Ice Nine Kills liefern in Berlin nicht einfach ein Konzert – sie präsentieren ein multimediales Gesamtkunstwerk aus Metalcore, Horrorfilm, Theater und Musiktheater. Technisch präzise, visuell überwältigend und emotional maximal intensiv beweist die Band eindrucksvoll, warum sie derzeit zu den spannendsten und außergewöhnlichsten Live-Acts der internationalen Heavy-Szene zählt.
Die „A Work Of Art“-Tour ist nicht nur eine Konzertreise, sondern ein Statement: Ice Nine Kills haben ihr eigenes Genre erschaffen – irgendwo zwischen Moshpit, Kinosaal und Albtraum. Berlin hat diesen Albtraum mit offenen Armen empfangen.































