Cuxhaven, 16. April 2026 – Es hätte ein Verlegenheitskonzert werden können. Kurzfristig eingesprungen für die erkrankte Berliner Band „Berlin 21″, stand das 2021 gegründete Wiener Quartett ELSA an diesem Donnerstagabend vor einem Publikum, das zum Teil gar nicht wusste, wen es zu erwarten hatte. Doch spätestens nach dem zweiten Song war klar: Dieser Abend würde nicht in Verlegenheit enden, sondern in Begeisterung.
Die Hapag-Halle am Steubenhöft, ein über hundert Jahre alter historischer Hafenbahnhof, bot wieder eine ungezwungene Atmosphäre, die Musiker wie Publikum gleichermaßen schätzen. Und tatsächlich schien dieser Raum wie gemacht für die Musik von ELSA: roh, weit, mit einem Hauch Weltläufigkeit. Draußen der Nordseewind, drinnen eine Wärme, die von der Bühne ausging.
ELSA © Nordevents – Antje und Wolfgang Karg
Elsa Steixner, geboren und aufgewachsen in Wien, ist Sängerin der Band ELSA sowie Stipendiatin ArtEZ Academy of the Music in den Niederlanden. Mit dieser Vita im Gepäck – und dem frisch erschienenen zweiten Album „JUMP!“ (2025)– trat sie auf eine Bühne, die ihr zunächst gar nicht versprochen war.
Steixner trägt, Bazzanella träumt
Die 28-jährige Gitarristin und Ukulelespielerin eröffnete mit „What For“, dem Opener des neuen Albums. Ein starker Groove mit sommerlichem Vibe, bevor ein langer, atmosphärischer Abschnitt in Nachdenkliches führt. Ein Statement, das sofort zeigte: Diese Band spielt nicht auf Nummer sicher. Julian Bazzanella am Keyboard ist dabei weit mehr als Begleitung. Seine Harmonik war kühn, bisweilen dissonant, immer klar im Dienst der Songs. Er ist es auch, der mit trockenem Lachen eingesteht, die Band sei „vielleicht ein bisschen zu allergisch“ darauf, sich zu wiederholen. Man merkt es.
Jakob Lang am Kontrabass und Bass und Daniel Louis am Schlagzeug bildeten ein rhythmisches Fundament, das nie dominierte, aber stets trug. Besonders in den ruhigeren Stücken – „Haiku in Wien“ etwa, das mit sparsamster Instrumentierung auskam – war das Zusammenspiel der vier von einer Selbstverständlichkeit, die sich nur durch jahrelange gemeinsame Arbeit ergibt.
Die Kompositionen kreisten um das Thema Mut, die Überwindung von Angst. Schwere Themen, die Band machte sie leicht. Es gab Bass und Schlagzeugsolis und auch ein Lied vom kommenden dritten Album. Direkt vor der Pause wurde „Down to the river to pray“ a Capella gesungen. „Wir borgen uns gerne Musik aus“, so Elsa.
Eine Stimme, die bleibt
Was Elsa Steixner von vielen Zeitgenossinnen unterscheidet, ist die Qualität ihrer Stille. Nicht das Laute, das Ausgreifende ist ihr stärkstes Mittel – es ist das Innehalten, die Sekunde vor dem nächsten Ton. Ihre Musik verbindet den Sound der Jazz- und Bluestradition mit den intimsten Facetten des Singer-Songwritings. Das klingt nach Formel, war es aber nicht. In „Courage“ – einem der eindrücklichsten Momente des Abends – wurde aus dem kleinen Lied etwas Größeres: eine Einladung, sich selbst zuzuhören. Das Publikum im Kuppelsaal nahm sie an.
Zeitlos, aber nicht altmodisch
Obwohl alle vier Musiker eine solide Jazzbasis aus ihrem Studium mitbringen, lässt sich ihre Musik nicht kategorisieren – sie bewegt sich frei zwischen Art Pop, Folk, Blues und improvisatorischer Offenheit. In Cuxhaven war das in jedem Moment spürbar. Kein Song klang wie der Katalogauszug eines Genres, jeder wie eine eigene kleine Welt.
Mehrfach ausgezeichnet – darunter der Publikumspreis beim Jazzfestival Avignon und eine Nominierung für den Austrian Amadeus Music Award – hat sich ELSA eine starke internationale Präsenz aufgebaut. 2025 spielte die Band in Häusern wie dem Porgy & Bess, dem Wiener Konzerthaus und im Rahmen der Wiener Festwochen sowie bei Aufnahmen in den Abbey-Road-Studios in London. Die Hapag-Halle Cuxhaven reiht sich in diese Orte ein – nicht trotz, sondern wegen ihrer Bodenständigkeit.
Fazit: Ein Glücksfall, dieser Einsprung
Der letzte Song hieß „Sunshine and good bye“. Wir möchten ein bisschen Sonne da lassen, sagte Elsa.
Was bleibt, ist das Gefühl eines Abends, der mehr war als ein Konzert. Steixner selbst sagt über Liveauftritte, es gehe ihr nicht darum, dass die Leute gut fänden, was die Band mache – sondern dass sie sich selber spürten. Diesem Ziel kamen ELSA an diesem Abend in der Hapag-Halle sehr nahe. Das Publikum des Jazz und Folk Cuxhaven (JFC) verließ den alten Hafenbahnhof mit dem Gefühl, etwas Echtes erlebt zu haben.





































































