Kee Avil auf der MS Stubnitz – Dekonstruierte Songs im Bauch eines Industriedenkmals

Marten Ronneburg

Hamburg, 12.08.2026 – Die kanadische Musikerin und Produzentin Kee Avil hat am Mittwochabend im Laderaum der MS Stubnitz am Kirchenpauerkai ein Konzert zwischen Avant-Pop, Post-Industrial und experimentellem Folk gespielt. Einlass war ab 19:30 Uhr, gegen 20:30 Uhr eröffnete die Künstlerin Congee Rats den Abend mit einem halbstündigen Set. Rund 50 Gäste fanden sich im Stahlrumpf des ehemaligen DDR-Fischereischiffs ein, das seit Jahren als Kulturschiff im Hamburger Hafen liegt und zu den eigenwilligsten Spielorten der Stadt zählt. Für Kee Avil war der Auftritt einer der letzten ihrer aktuellen Europatournee.

Congee Rats © Nordevents

Hinter dem Projektnamen steht die Montréaler Gitarristin, Sängerin und Produzentin Vicky Mettler. Auf der Stubnitz trat sie im Trio auf: Mettler an Gitarre, Stimme und Elektronik, Sam Gougoux an einem halb akustischen, halb elektronischen Schlagzeug-Setup und Zach Scholes, der bereits das Debütalbum „Crease” mitproduzierte. Die 2022 bei Constellation Records erschienene Platte wurde für einen Juno Award nominiert.

Rostig klirrende Gitarrenfiguren, grobe Perkussion und geflüsterter Gesang schoben sich in etwa 45 Minuten durch ein Set, das kaum Pausen zum Durchatmen ließ. Die Stimmung war durchweg düster, aber nicht schwerfällig: Zwischen kaum hörbaren Passagen und plötzlich aufreißenden Feedback-Flächen entstand eine gespannte Konzentration, die sich auf das Publikum übertrug. Statt Zwischenrufen herrschte eine Aufmerksamkeit, wie man sie in Hamburger Clubs selten erlebt – die Besucher nahmen die Musik regelrecht in sich auf. Der halligen Bordwand kam dabei eine eigene Rolle zu: Das Metall schien tiefe Frequenzen mitzutragen und verlieh dem Set eine Wucht, die Aufnahmen kaum abbilden können.

Lieber Club als Festivalbühne

Kee Avil © Nordevents

Im Gespräch vor dem Auftritt erzählte die Band, dass ihre Tour viele Festivals umfasst habe, die meisten Konzerte aber in Clubs stattfänden – drinnen, unabhängig von Jahreszeit und Wetter. Genau das schätze sie: Räume, in denen sich Klang und Aufmerksamkeit bündeln lassen. Die kleine, intime Besetzung des Abends bestätigte das eindrucksvoll.

Fotografisch war der Abend eine Herausforderung. Das reduzierte Bühnenlicht verlangten offene Blenden und hohe ISO-Werte, belohnten aber mit kontrastreichen, körnigen Bildern, die zur Musik passten.

Wer Kee Avil bisher nur von Platte kannte, erlebte auf der Stubnitz eine Künstlerin, die ihre Songs live nicht reproduziert, sondern erneut auseinandernimmt. Ein Abend, der zeigte, wie gut sperrige Klangkunst und dieser besondere Ort zusammenpassen.


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