KUULT im Tower Bremen – Ein Abend, der unter die Haut ging

Christian Habeck

Bremen, 27.02.2026 – Schon um 17:00 Uhr standen die ersten Fans vor dem Tower. Zwei Stunden vor Einlass, drei Stunden vor dem ersten Ton. Wer so früh kommt, weiß, was er will – und an diesem Abend sollte er genau das bekommen.

Meet & Greet: Nähe, die man nicht kaufen kann

Für zehn ausgewählte Fans begann der Abend bereits früher und mit einem ganz besonderen Erlebnis: dem Meet & Greet von 17:00 bis 19:00 Uhr. Was viele vielleicht als kurze Foto-Session erwartet hatten, entpuppte sich als etwas weit Persönlicheres.

Im Backstage-Bereich des Tower gab es keine Bühnenshow, keine künstliche Distanz, keine PR-Fassade. Stattdessen: echte Menschen, echte Gespräche. Bereits zu Beginn durften die Fans bei der Bandprobe dabei sein – und das Besondere daran war, dass sie sich Songs wünschen konnten, die die Band unplugged performte. Unter anderem erklang dabei „Glück auf“, ein Titel, den KUULT schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gespielt hatten. Akustisch, reduziert, direkt – ein Wohnzimmermoment mitten im Club.

Chris, Sänger und Herz der Band, sprach mit bemerkenswerter Offenheit. Er erzählte, dass es Songs gibt, die er heute so nicht mehr schreiben würde – Texte, die aus einer anderen Lebensphase stammen, aus einer anderen Perspektive. Gleichzeitig gebe es Titel, die er schon tausendmal gesungen hat und die er dennoch immer wieder gerne spielt. Nicht zuletzt, weil sie vom Publikum erwartet werden, weil sie Teil eines gemeinsamen Moments geworden sind, der größer ist als der Song selbst.

Beeindruckend auch die Zahl, die er nebenbei fallen ließ: Über 600 Konzerte haben KUULT in den vergangenen Jahren gespielt. Eine Hausnummer, die verdeutlicht, wie viel Erfahrung, wie viel Bühne hinter dieser Band steckt. Und doch wirkte nichts routiniert, nichts abgespult.

Chris teilte auch eine Geschichte, die für ein herzhaftes Lachen sorgte und gleichzeitig zeigt, was Musik ausmacht: Bei einem Konzert in Hamburg machte die Technik nicht mit. Der In-Ear-Monitor – der Taktgeber im Ohr, der dem Musiker das Tempo vorgibt – spielte verrückt und wurde immer schneller. Statt in Panik zu verfallen, griff Chris kurzerhand zur Akustikgitarre und improvisierte live auf der Bühne. Kein Netz, kein Boden – und trotzdem sicher gelandet. Genau das ist Musik: lebendig, unberechenbar, echt.

Um 19:00 Uhr öffneten sich die Türen für alle. Wer beim Meet & Greet dabei war, trug sichtlich mehr mit sich als einen Stempel auf dem Handgelenk.

Plus – 14 Stunden Anreise, 100 Prozent auf der Bühne

Plus © Nordevents

Punkt 20:00 Uhr betrat der österreichische Künstler Plus (Plusmusic) die Bühne. 14 Stunden Anreise lagen hinter ihm – und man merkte davon keine Sekunde. Von der ersten Note an präsentierte er sich kraftvoll, sympathisch und mit einer Energie, die sich sofort auf das bereits gut gefüllte Publikum übertrug.

Plus spielte nicht als bloßer Pausenfüller. Seine Songs funktionieren, seine Bühnenpräsenz ist ehrlich, und er nahm den Raum mit einer Selbstverständlichkeit ein, die man sich erarbeitet. Bis 21:20 Uhr hielt er die Stimmung konstant hoch und verabschiedete sich unter verdientem Applaus. Der Tower war auf Temperatur – in jeder Hinsicht.

KUULT – Wenn ein Club zum Kessel wird

Um 21:40 Uhr betrat KUULT die Bühne. Der Tower explodierte. Mit dem Intro und „Ein Zeichen“ war sofort klar: Hier wird nicht vorsichtig gestartet. Schon nach wenigen Sekunden bat Chris das Publikum, enger zusammenzurücken, damit alle etwas sehen können. Der Club war restlos ausverkauft, die Luft stand schon jetzt, und niemand dachte auch nur eine Sekunde daran, Abstand zu halten.

Kuult © Nordevents

Mit „Polaroid“ und „Hakuna Matata“ sprang der Funke endgültig über. Der Tower sang von der ersten Reihe bis ganz hinten, Arme gingen hoch, Stimmen wurden laut. Das mit uns brachte die erste emotionale Welle, bevor „Rock’n’Roll Lifestyle“ „wieder pure Energie entfesselte. Der Boden vibrierte.

KUULT zeigen ihre besondere Stärke genau in diesen Momenten, in denen sie zwischen laut und leise wechseln, zwischen Abfeiern und echtem Gefühl. „Atlantis, Zu zweit , „Mehr“ und „In einem anderen Leben“ – Songs, bei denen man spürte, wie jeder Text sitzt, wie das Publikum nicht nur mitsingt, sondern mitfühlt.

Der bewegendste Moment des Abends gehörte A46. Chris erklärte, was hinter dem Song steckt: Kurz nach dem Führerschein musste er mit dem Auto der Familie auf der A46 fahren – gemeinsam mit seinem Vater, zum Krankenhaus, weil seine Oma im Sterben lag. Unterwegs kam der Anruf. Sie war gegangen. Er fuhr auf einen Parkplatz. Und in diesem Moment hätte er sich so sehr gewünscht, dass sein Vater – der Starke, der Unerschütterliche – ihn einfach in den Arm genommen hätte. Aber das war nicht möglich.

Der Tower wurde still. Wirklich still. Und als die ersten Töne von „A46“ erklangen, sang das Publikum nicht laut – sondern intensiv. Mit Gefühl.

Danach zog das Tempo wieder an. „Südwest“, „Wach„, „Siebenundschlaferschlaf“ , ein frenetisch gefeierten Mashup mit „Neufrei“ / „Lila Wolken“ – der Club sprang, die Luft war schwer, aber niemand dachte ans Nachlassen. Mit „Freiheit“, „Gemeinsam“ , „Zuhause“ und schließlich „Musik ist Liebe“ fand dieser Abend den einzig richtigen Abschluss. Kein großes Finale, das mit Licht und Pyro überwältigt – sondern eines, das trägt.

Fazit: Mehr als ein Konzert

Dieser 27. Februar 2026 war kein gewöhnlicher Tourstopp. Er war ein Abend, an dem man spürte, warum man überhaupt auf Konzerte geht. Plus lieferten nach 14 Stunden Anreise einen starken Auftakt. KUULT übernahmen – und verwandelten den Tower in ein emotionales Kraftwerk.

Es war heiß. Extrem heiß. Es war voll. Restlos voll. Und doch war da diese Gemeinschaft, diese Nähe, diese Ehrlichkeit – vom Meet & Greet über die Geschichte von der A46 bis zum letzten gemeinsamen Ton.

Genau dafür geht man auf Konzerte.


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