Hitzeschlacht im Skaters Palace: Lagwagon bringen Münster zum Kochen

Beeke Fitschen

Münster, 23.06.2026 (BF)  Im Skaters Palace herrschten an diesem Abend beinahe tropische Temperaturen. Die Halle war voll, die Luft stand sowohl drinnen als auch draußen und Lagwagon brauchten nur wenige Sekunden, um das Publikum in Bewegung zu versetzen. Bereits beim Opener „Kids Don’t Like to Share“ entstand vor der Bühne ein Moshpit. Später wagten sich auch einzelne Stagediver in die Menge. Die Stimmung blieb dabei ausgelassen und gemeinschaftlich.

Im Mittelpunkt des Konzerts stand das 1995 erschienene Album „Hoss“, das Lagwagon vollständig und in der ursprünglichen Reihenfolge spielten. Die Setlist begann mit „Kids Don’t Like to Share“ und führte über Klassiker wie „Violins“, „Bombs Away“, „Move the Car“ und „Razor Burn“ bis zu „Ride the Snake“. Für viele Fans war dieser Block der Höhepunkt des Abends, denn „Hoss“ gehört zu den wichtigsten Alben des melodischen Skatepunks der 1990er-Jahre.

Lagwagon © Nordevents

Live wirkten die Stücke auch mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung erstaunlich frisch. Die schnellen Gitarren, das druckvolle Schlagzeug und die eingängigen Melodien funktionierten in der engen, heißen Halle besonders gut. Lagwagon spielten konzentriert, aber keineswegs routiniert. Die Band war sichtbar gut aufgelegt, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und hatte hörbar Freude an den Reaktionen aus den ersten Reihen.

Sänger Joey Cape führte mit seiner charakteristischen, leicht rauen Stimme durch den Abend. Unterstützt wurde er von den Gitarristen Chris Flippin und Chris Rest, Bassist Joe Raposo und Schlagzeuger Dave Raun. Gemeinsam sorgten sie für einen kraftvollen, klaren Sound, der auch bei den besonders schnellen Stücken nicht an Präzision verlor.

Nach dem kompletten „Hoss“-Album war das Konzert noch lange nicht beendet. Mit Songs wie „Alien 8“„Making Friends“„Bubble“, „E Dagger“, „Mr. Coffee“„May 16“ und „Falling Apart“ führte die Band durch verschiedene Phasen ihrer Karriere. Dadurch wurde der Abend nicht nur zu einer Jubiläumsreise, sondern zu einem kompakten Überblick über mehr als drei Jahrzehnte Lagwagon.

Skatepunk im skaterpalace

Die Geschichte der Band begann 1990 im kalifornischen Goleta. Zunächst trat sie unter dem Namen Section 8 auf, bevor sie sich in Lagwagon umbenannte. Ihr Debütalbum „Duh“ erschien 1992 bei Fat Wreck Chords. Es folgten „Trashed“ und „Hoss“, mit denen sich die Gruppe einen festen Platz in der Punkrock- und Skatepunk-Szene erspielte. Lagwagon verbanden hohes Tempo und harte Gitarren mit melodischen Refrains und persönlicheren Texten – eine Mischung, die zahlreiche Bands beeinflusste. Trotz Besetzungswechseln und längerer Pausen blieb die Gruppe aktiv. Einen besonders persönlichen Einschnitt verarbeitete sie 2005 auf dem Album „Resolve“, das dem verstorbenen früheren Schlagzeuger Derrick Plourde gewidmet war. Mit späteren Veröffentlichungen wie „Hang“ und „Railer“ zeigte die Band, dass sie sich nicht allein auf ihren Klassikern ausruht.

Das Konzert in Münster bewies dennoch, wie stark gerade die älteren Songs bis heute funktionieren. Vor dem großen Lagwagon-Schriftzug und inmitten eines dicht gedrängten Publikums entstand ein intensiver Punkrockabend. Die Hitze war anstrengend, verstärkte aber zugleich das Gefühl, Teil eines besonderen Konzerterlebnisses zu sein.

Als mit „Bye for Now“ der letzte Song gespielt war, verließ ein erschöpftes, durchgeschwitztes und sichtbar zufriedenes Publikum die Halle. Lagwagon haben gezeigt, dass ihre Musik auch 2026 nichts von ihrer Energie verloren hat.


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