Hamburg, 18. Juni 2026 – Die raue, ehrliche Country- und Folkmusik der Marke Zach Bryan oder Noah Kahan boomt und schwappt längst als gewaltige Welle über den Atlantik zu uns. Nachdem der 24-jährige Singer-Songwriter Max McNown erst im vergangenen Dezember bei seinem ausverkauften Deutschland-Debüt in der Hamburger Fabrik für kollektive Gänsehaut gesorgt hatte, kehrte die spannende neue Stimme des modernen Americana nun zurück an die Elbe. Dass seine norddeutsche Fangemeinde überaus textsicher ist, bewies sie am Donnerstagabend in der gut gefüllten Georg-Elser-Halle. McNown unterstrich auf seiner „The Cost of Growing Up Tour“ eindrucksvoll, warum er längst kein reiner Social-Media-Hype mehr ist.
Crowe Boys © Nordevents
Mit „Made to Wander“ im Gepäck: The Crowe Boys begeistern als Opener
Die Crowe Boys, bestehend aus den Brüdern Ocie und Wes Crowe, eröffneten den Abend mit ihrem packenden Mix aus Alternative-Folk und Americana. Die Band aus New Orleans, die für ihre Südstaaten-Wurzeln bekannt ist, erlangte ab 2024 große Aufmerksamkeit durch die sozialen Medien. Besonders ihr Song „Where Did I Go Wrong?“ ging auf TikTok viral und festigte schlagartig ihren Status in der Szene. Mit dem Rückenwind dieses Erfolgs und den Songs ihres Debütalbums Made to Wander im Gepäck übernahmen sie die Rolle des Openers. Vom ersten Akkord an bewiesen die Brüder, dass sie genau der richtige Act waren, um das Publikum perfekt für den Hauptact aufzuwärmen.
Zwischen intimer Offenheit und donnerndem Country Pop
Nach technischen Schwierigkeiten startete das Konzert mit ein wenig Verspätung. Der Jubel war jedoch umso größer. Die Live-Band stand in den hinteren Ecken der Bühne, während die Flanken von den Gitarristen besetzt wurden. Dazwischen erstreckte sich ein riesiges, fast schon einschüchterndes Vakuum im Zentrum der Bühne, dominiert nur von McNowns Namen auf dem Backdrop.
McNowns © Nordevents
Doch als der sympathische Amerikaner mit dem energetischen Opener „Forever Ain’t Long Enough“ auf die Bühne stürmte, füllte er diese Leere sofort mit seiner unbändigen Energie aus. Das Publikum matchte die Spielfreude von der ersten Sekunde an. Wo er sich anfangs bei „Hotel Bible“ noch fast introvertiert an den Mikrofonständer klammerte und sich an den Bühnenrand setzte, übernahm im nächsten Song die komplette Energie die Bühne.
Getragen von einer mächtigen Soundwand wechselte die Show dynamisch zwischen erdigem Singer-Songwriter-Folk und stadiontauglichen Hymnen, zwischen emotionalen Anekdoten und partytauglichem Country. Spätestens bei dem treibenden „Turned Into Missing You“ gab es im Saal kein Halten mehr, überall schossen die Hände in die Höhe. Ein absolutes Highlight bot „Night Diving“: McNown schmiss sich auf die Knie und sang sich mit seiner rauen, markanten Stimme die Seele aus dem Leib. Zwischendurch lockerte er das Set mit einem Gitarrenintermezzo auf, bei dem er seinen Song „Marley“ fließend in ein sommerliches Reggae-Cover von Bob Marleys „Three Little Birds“ übergehen ließ. Doch dies war nicht das einzige Cover des Abends: Sein Lied „Something to Someone“ mischte er perfekt mit Coldplays „Yellow“ und als erste Zugabe folgte Tears for Fears’ „Everybody Wants to Rule the World“. Die Mischung aus eigenen Songs und Coversongs gefiel dem Publikum sehr gut.
Ein ohrenbetäubender Chor zum Finale
Die eigenen Zugaben setzten dem Abend schließlich die Krone auf. Seinem Megahit „A Lot More Free“ lauschten zu Beginn alle andächtig und absolut still. Doch spätestens beim Chorus hielt es keinen mehr, und es wurde lauthals mitgesungen, wunderbar untermalt von Mundharmonika und Pfeifen. Beim abschließenden „Better Me For You (Brown Eyes)“ kochte die Stimmung endgültig über. Die Georg Elser Halle sang jede einzelne Zeile so ohrenbetäubend und textsicher mit, dass McNown sichtlich bewegt und mit einem breiten Grinsen auf der Bühne stand und den Chorus kurzerhand noch einmal anstimmte.
Max McNown hat an diesem Abend bewiesen, dass er bereit für die ganz großen Bühnen ist. Seine Show war ein perfekt ausbalancierter, hochemotionaler Ritt zwischen intimer Nahbarkeit und mitreißendem Folk-Rock. Als die Lichter angingen, blieb ein zutiefst berührtes, glückliches Publikum in der Hamburger Nacht zurück.


























































































