Bremen., 19.02.2026 – Drei Bands, ein klar getakteter Ablauf und am Ende ein Gitarrist, der seit über fünf Jahrzehnten Rockgeschichte schreibt: Der 19. Februar im Modernes Bremen war kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern eine präzise aufgebaute Dramaturgie – mit einem Finale, das eindrucksvoll zeigte, warum Michael Schenker bis heute zu den stilprägenden Figuren des Hardrock zählt.
MALVADA © Nordevents
Punkt 19:30 Uhr – MALVADA setzen das erste Ausrufezeichen
Ohne Verzögerung, ohne Warmreden: Um 19:30 Uhr betraten MALVADA die Bühne. Das internationale Rock-Quartett spielte bis 20:00 Uhr ein kompaktes, energiegeladenes Set, das von Beginn an Druck aufbaute. Ihr Sound war roh, direkt und dennoch kontrolliert – klassischer Rock mit modernem Punch.
Die Band verstand es, das Modernes sofort einzufangen. Keine langen Ansagen, stattdessen klare Strukturen, treibende Grooves und eine Bühnenpräsenz, die Nähe erzeugte. Gerade im Clubformat funktionierte diese Direktheit hervorragend. Die ersten Reihen rückten enger zusammen, Köpfe nickten im Takt, Applaus brandete früh auf. MALVADA erfüllten ihre Rolle als Opener nicht nur – sie nutzten sie.
20:15 Uhr – ROOK ROAD erhöhen die Schlagzahl
Nach einem kurzen Umbau übernahmen um 20:15 Uhr ROOK ROAD. Ihr Set dauerte bis 21:00 Uhr und brachte eine spürbare stilistische Verschiebung mit sich. Wo MALVADA auf unmittelbare Energie setzten, arbeiteten ROOK ROAD stärker mit klassischer Hard-Rock-Dramaturgie: markante Riffs, klar aufgebaute Refrains, eine kraftvolle Rhythmussektion.
Die Band wirkte eingespielt und souverän. Besonders in den mittleren Songs ihres Sets zeigte sich eine klare Handschrift – melodisch, aber nie weichgespült. ROOK ROAD spielten nicht gegen das Publikum, sondern mit ihm. Bis 21:00 Uhr war die Halle merklich dichter geworden, die Erwartungshaltung spürbar gestiegen. Der Spannungsbogen war gesetzt.
Rook Roads © Nordevents
21:30 Uhr – Bühne frei für Michael Schenker
Nach einer weiteren Umbaupause wurde es um 21:30 Uhr dunkel im Modernes. Kein übertriebenes Intro, kein Pathos – stattdessen der erste Ton von „Natural Thing“. Ein direkter, kraftvoller Einstieg, der sofort klarmachte: Dieser Abend gehörte den UFO-Jahren.
Mit „Only You Can Rock Me“ und „Hot ’n’ Ready“ folgten zwei Klassiker, die das Publikum endgültig in Bewegung brachten. Michael Schenker stand im Zentrum des Geschehens – fokussiert, beinahe stoisch. Seine ikonische Flying V, schwarz-weiß wie eh und je, war nicht nur optisch ein Statement, sondern klanglich das Herz des Abends.
Als die ersten Töne von „Doctor Doctor“ erklangen, ging ein kollektives Raunen durch den Raum. Kaum ein Song steht so sehr für die prägende Phase von UFO zwischen 1974 und 1978. Der Refrain wurde lautstark mitgesungen, während Schenker die Leadlinien mit jener Mischung aus Präzision und Melodieführung spielte, die ihn seit Jahrzehnten auszeichnet.
Mihael Schneker © Nordevents
Tiefer hinein in die Schenker-Ära
Mit „Mother Mary“ und „I’m a Loser“ wurde das Set dichter. Hier zeigte sich die Dynamik der damaligen Studioaufnahmen auch live: Wechsel zwischen treibenden Passagen und kontrollierten Breaks, getragen von einer Band, die Schenkers Spiel den nötigen Raum ließ.
„This Kids“ brachte eine leicht rauere Note ins Set. Der Song entwickelte live eine besondere Intensität, getragen von klar akzentuierten Gitarrenläufen. Es folgte „Lights Out“ – kompakt, druckvoll, mit messerscharf gespielten Leads. Das Modernes reagierte mit Szenenapplaus.
Der epische Mittelpunkt des Abends war jedoch „Rock Bottom“. Das ausgedehnte Solo geriet zu einer Demonstration kontrollierter Virtuosität. Kein zielloses Technikfeuerwerk, sondern ein sauber aufgebauter Spannungsbogen. Schenker arbeitete mit Dynamik, ließ Pausen wirken, steigerte sich kontrolliert – ein Lehrstück in Melodieführung.
Gefühl, Groove und Finale
Mit „Love to Love“ nahm das Konzert eine emotionalere Wendung. Die getragenen Passagen entwickelten eine fast introspektive Atmosphäre, bevor die Band wieder in kraftvolle Refrains überging. Es folgten „Let It Roll“ und „Can You Roll Her“, die das Publikum erneut geschlossen in Bewegung brachten.
Ein ruhigerer Moment entstand mit „Reasons Love“. Hier trat das Gefühl stärker in den Vordergrund als die Geschwindigkeit. Schenker spielte reduziert, präzise, mit klarem Ton.
Den finalen Energieschub setzte schließlich „Too Hot to Handle“. Noch einmal zog die Band das Tempo an, noch einmal wurde jeder Refrain lautstark begleitet. Als der letzte Akkord verklang, war die Botschaft eindeutig: Das war keine nostalgische Rückschau – das war lebendige Rockgeschichte.
Ein Abend mit klarer Struktur
Was diesen Konzertabend besonders machte, war die konsequente Dramaturgie:
19:30 Uhr – MALVADA: roh, direkt, energiegeladen
20:15 Uhr – ROOK ROAD: druckvoll, klassisch, strukturiert
21:30 Uhr – Michael Schenker: präzise, melodisch, stilprägend
Jeder Act hatte seinen Platz, jede Phase ihre Funktion. Der Spannungsbogen war logisch aufgebaut und mündete in ein Set, das die kreative Hochphase der UFO-Jahre nicht nur zitierte, sondern eindrucksvoll neu auf die Bühne brachte.
Michael Schenker bewies im Modernes Bremen einmal mehr, warum sein Name in einem Atemzug mit den großen Gitarristen des Hardrock genannt wird. Sein Spiel wirkte konzentriert, kontrolliert und klar strukturiert. Keine überflüssige Show, keine Effekthascherei – sondern Substanz.
Bremen erlebte einen Abend, der 50 Jahre Rockgeschichte nicht nur würdigte, sondern sie mit Präzision und Leidenschaft ins Hier und Jetzt holte.






































































