Hamburg, 15.05.2026 – Manche Alben altern nicht – sie verdichten sich mit den Jahren zu kulturellen Erinnerungsorten. „Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd gehört zweifellos dazu. Als die ersten Herzschläge von „Speak to Me“ am Freitagabend durch die fast ausverkaufte Laeiszhalle hallen, ist sofort klar: Dieses Publikum ist nicht gekommen, um bloß ein Tribute-Konzert zu hören. Es sucht das Gefühl einer anderen Zeit.
Veranstaltet von Star Entertainment, widmete sich die Produktion dem legendären Konzeptalbum mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit – musikalisch ebenso wie visuell. Wo viele Nostalgie-Shows auf bloße Wiedererkennung setzen, arbeitete diese Aufführung präzise an Atmosphäre, Dynamik und Klangfarbe. Die Kombination aus Lichtdesign, Projektionen und einem erstaunlich transparenten Sound verlieh dem Abend cineastische Qualität.
Pink Floyd’s Dark Side of the Moon © Nordevents
Im Mittelpunkt standen zwei Musiker, die dem Material nicht nur Respekt, sondern auch ihre eigene Geschichte verliehen. Sänger P.J. Olsson ist weit mehr als ein klassischer Tribute-Frontmann. Der Amerikaner arbeitet seit vielen Jahren mit dem Alan Parsons Live Project zusammen und bringt damit eine direkte Verbindung zur Entstehungsgeschichte von „Dark Side of the Moon“ mit. Parsons war 1973 als Toningenieur maßgeblich an der Produktion des Albums beteiligt. Olsson überzeugte in Hamburg mit einer warmen, erstaunlich wandlungsfähigen Stimme, die sowohl die fragile Melancholie von „Us and Them“ als auch die dramatische Wucht von „Time“ transportierte. Dabei verzichtete er auf bloße Imitation und interpretierte die Songs mit spürbarer Eigenständigkeit.
Die größten Begeisterungsstürme allerdings erntete Gitarrist Jay Stapley. Der Brite gehört seit Jahrzehnten zu den gefragtesten Studio- und Tourmusikern Europas und stand nicht nur mit Roger Waters auf der Bühne, sondern spielte unter anderem auch mit Marius Müller-Westernhagen zusammen. Stapley spielte die legendären Gitarrenparts von David Gilmour (80) mit beeindruckender Präzision, ohne dabei steril zu wirken. Gerade in den langen Solopassagen zeigte sich seine enorme Klasse: Jeder Ton saß, gleichzeitig blieb Raum für Dynamik und Emotion. Besonders bei „Money“ und „Comfortably Numb“ gelang ihm jener schwebende, fast sphärische Sound, der untrennbar mit der Musik von Pink Floyd verbunden ist.
We don’t need no education
Bemerkenswert war auch, wie konzentriert das Publikum zuhörte. Kaum jemand zückte dauerhaft das Smartphone, stattdessen dominierte jene seltene Konzertstille, die nur entsteht, wenn Musik generationenübergreifend wirkt. Und doch hatte der Abend auch seine leicht ironischen Momente: Als bei „Another Brick in the Wall“ der Refrain „We don’t need no education“ von hunderten überwiegend grauhaarigen Fans mitgesungen wurde, lag ein charmantes Augenzwinkern über dem Saal.
Nach der kompletten Aufführung von „Dark Side of the Moon“ weitete die Band das Programm zu einer Reise durch das Gesamtwerk von Pink Floyd aus. „In the Flesh?“, „The Happiest Days of Our Lives“ und „Wish You Were Here“ sorgten für zusätzliche emotionale Höhepunkte, bevor „Run Like Hell“ als druckvolle Zugabe den Schlusspunkt setzte.
Natürlich schwingt bei solchen Abenden immer auch die Sehnsucht nach dem Original mit. Doch gerade, weil eine Wiedervereinigung der zerstrittenen Pink-Floyd-Legenden in weiter Ferne liegt, entfalten Tribute-Shows wie diese ihre Berechtigung. Wenn sie – wie in Hamburg – musikalisch derart hochwertig umgesetzt werden, funktionieren sie nicht als Kopie, sondern als respektvolle Verneigung vor einem Werk, das längst Musikgeschichte geschrieben hat.
























































