September Love: Maite Itoiz und John Kelly läuten den Herbst in Braunschweig ein

Sandra Meyer

Braunschweig, 19.09.2025 – Ein Jahr nach ihrer erfolgreichen Herbsttour kehren John Kelly und Maite Itoiz für eine Konzertreihe durch Deutschland zurück. Unter dem Motto „September Love“ präsentierten sie am Freitagabend in der St. Michaelis-Kirche in Braunschweig ein stimmungsvolles und zugleich bewegendes Programm.

Maite Itoiz ist eine spanische Sopranistin, Produzentin, Komponistin und Multiinstrumentalistin mit klassischer Ausbildung und einem vielseitigen Stil zwischen Oper, Folk und Rock. John Kelly, bekannt aus der legendären Kelly Family, ist Sänger und Musiker und arbeitet seit vielen Jahren eng mit seiner Frau Maite zusammen. Gemeinsam gründeten sie 2006 das Projekt Elfenthal, das Symphonic Rock, Neoklassik, mittelalterliche und keltische Klänge verbindet. Alben wie „Tales from the Secret Forest “ oder „An Ancient Story“ zeichnen sich durch märchenhafte Klangwelten aus.

© Nordevents

Aktuell sind die beiden als Duo unterwegs, begleitet von der herausragenden Cellistin Elena Tkachenko. Tkachenko, die bereits weltweit aufgetreten ist, verbindet klassische Techniken mit einem modernen Repertoire und fasziniert mit ihrem einzigartigen Spielstil.

Als die Besucher um 19 Uhr in die St. Michaelis-Kirche strömen, kommt sofort herbstliche Stimmung auf. Passend zum Motto „September Love “ ist die kleine Bühne mit Blättern und Lichterketten dekoriert, Maites Harfe stimmungsvoll beleuchtet. An mehreren Stellen stehen kleine Laternen, eine Nebelmaschine wartet auf ihren Einsatz. Nach einem von den beiden komponierten Intro zu „September Love“ starten sie mit „Hey Little Girl„, einem inzwischen fast 20 Jahre alten Elfenthal-Song. Jeder beginnt mit einem Solopart an einer Seite der Kirche, dann nähern sich beide Schritt für Schritt, bis sie am Ende gemeinsam tanzen – umhüllt von Nebel. Schon der Auftakt reißt das Publikum mit, das kräftig applaudiert.

Der Abend ist eine gemeinsame Reise

Der Abend ist eine gemeinsame Reise durch die verschiedenen Stationen der beiden Musiker: Johns Zeit mit der Kelly Family, Maite als Solistin und die über 20-jährige gemeinsame Geschichte mit Elfenthal. Neben der großen musikalischen Vielfalt lebt das Konzert von den Erzählungen zu den Songs. Maite hat am Anfang der Beziehung mit John zwar auch in Deutschland gelebt und studiert, damals jedoch meist auf Englisch kommuniziert. Heute versucht sie auf der Bühne, Deutsch zu sprechen – und John fordert sie mit einem Grinsen regelmäßig dazu auf, etwas zu den Liedern zu erzählen. Inzwischen gelingt ihr das richtig gut.

Natürlich gibt es an diesem Abend auch viele Songs der Kelly Family. „Silver and Gold“ gleich am Anfang erinnert an die Streetlife-Zeit; ab den ersten Takten steht das Publikum und viele singen mit. Zu „Imagine“ stellt John fest, dass er im Publikum einige Fans aus den 90er-Jahren sieht. Er erzählt lachend und mit einem Augenzwinkern, dass er bis heute nicht mehr weiß, wie er zu dem Lied kam oder wie er auf den Text kam: „Vielleicht habe ich damals was geraucht oder so.“ Bis heute verstehe er den Text selbst nicht so ganz. Auf jeden Fall ist der Song nach wie vor ein Stimmungsgarant.  „Too Many Ways“ lebt von der Erinnerung an seine verstorbenen Eltern und ist voller Dankbarkeit.

Obwohl John Kelly bereits seit 25 Jahren im spanischen Baskenland lebt, gibt es immer noch eine tiefe Verbundenheit zu Deutschland – „Kein anderes Land hat uns so angenommen“. Das betont er immer wieder, und Maite und John singen im Zuge dessen gemeinsam „Sah‘ ein Knab ein Röslein stehn„. Maite wechselt dazu ihr Outfit zu einem knallroten Kleid und tanzt zauberhaft vor der kleinen Bühne. Im Anschluss folgt ein weiterer Kelly-Klassiker: „Red Shoes“. John leitet dazu ein, dass jetzt nur noch die roten Schuhe fehlen.

Durch Maite geht die Reise an diesem Abend immer wieder zurück in frühere Jahrhunderte der Musikgeschichte. Ihr ganzes Können im Bereich der klassischen Musik zeigt sie bei „Die Mainacht“, einem Stück von Fanny Mendelssohn aus dem frühen 19. Jahrhundert. Sie begleitet sich dazu am Keyboard, und Elena unterstützt sie tatkräftig am Cello. Bei „Hoy Comamos Y Bebamos“ zeigt sie, dass Stücke aus der Renaissance durchaus auch schwungvoll sein können. In dem Lied geht es darum, heute zu feiern, zu essen und zu trinken – denn ab morgen wird Diät gemacht.

Der offiziell letzte Song an diesem Abend ist „The Rose“ (Bette-Midler-Cover), eine zarte, sehr berührende Version, zu der Maite Keyboard und John Gitarre spielt. Als Zugabe gibt es dann als besonderes Highlight einen neuen Song: den im Mai dieses Jahres erschienenen Titel „Set Me Free„. Eigentlich als Elfenthal-Song mit Band geplant und sehr rockig, überzeugt auch die Version in kleinerer Besetzung. John und Maite geben alles auf der Bühne, um ordentlich einzuheizen. Am Ende klatscht John die erste Reihe ab und dreht noch eine Runde durchs Publikum. Der nun wirklich letzte Song des Abends ist „Txoria Txori„. Das Lied ist tief in der baskischen Kultur verwurzelt und wird oft als Hymne der Freiheit für das Baskenland bezeichnet.

Nach über zwei Stunden endete damit ein Konzert, das die Zuhörer nicht nur musikalisch, sondern auch emotional auf eine besondere Reise mitgenommen hatte.

Unser –> Interview mit John nach seinem Auftritt in Gnarrenburg im letzten Jahr.


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