The Baboon Show reißen den Schlachthof ab

Christian Habeck

Bremen, 29.01.2026 – Es gibt diese Abende, an denen man den Schlachthof betritt und schon vor dem ersten Ton weiß, dass man ihn nicht trocken, nicht geschniegelt und ganz sicher nicht nüchtern verlassen wird. Der gestrige Donnerstagabend war genau so ein Abend. Punkrock, wie er sein muss: laut, verschwitz, körperlich und vollkommen enthemmt. Zwei Bands, keine Pausen zum Durchatmen – und ein Publikum, das von der ersten Minute an bereit war, alles zu geben.

Pünktlich um 20:00 Uhr eröffneten The Meffs den Abend und machten unmissverständlich klar, dass hier heute niemand nur „Vorband“ sein würde.

The Meffs © Nordevents

The Meffs – Wut, Druck und kein Sicherheitsabstand

The Meffs kamen ohne Umwege auf die Bühne und zündeten mit Deathwish sofort die erste Stufe. Kein Warmspielen, kein Abtasten – der Song schlug ein wie ein Fausthieb und riss den Raum direkt aus der Lethargie eines langen Arbeitstags. Die Energie war roh, ungefiltert und genau richtig für diesen Abend.

Mit „So Modern“ legte das Duo nach, bissig und treibend, mit einer Aggression, die sich direkt ins Publikum fraß. Die ersten Körper begannen zu schieben, Köpfe nickten im Takt, und die Distanz zwischen Bühne und Menge existierte praktisch nicht mehr. „Breathe“ wirkte wie ein kurzes Anspannen der Muskeln, ein Moment der Verdichtung, bevor die nächste Explosion folgte.

Diese kam mit „Stamp It Out„. Der Song fühlte sich an wie ein Ventil, das komplett aufgerissen wurde. Laut, kompromisslos, ohne jede Rücksicht. Fight schloss nahtlos an und brachte noch einmal mehr Druck in den Raum – Punkrock, der nicht gefallen will, sondern fordert.

Mit „Look At You“ zeigte die Band, dass sie auch mit Dynamik spielen kann, ohne ihre Grundspannung zu verlieren. „Disorder“ sorgte anschließend für spürbare Unruhe, ein Song, der live noch kantiger wirkte und den Schlachthof endgültig wachrüttelte. BBBB trieb das Tempo noch einmal nach oben, bevor Clowns als wütender Schlusspunkt alles bündelte, was The Meffs an diesem Abend ausmachte.

Der Schlachthof war aufgeheizt, der Boden klebte bereits – perfekte Voraussetzungen für das, was nun folgen sollte.

The Baboon Show – Eskalation als kollektiver Zustand

The Baboon Show © Nordevents

Bereits um 21:10 Uhr betraten The Baboon Show die Bühne – und ab diesem Moment gab es kein Halten mehr. Mit „Be a Baboon“ explodierte der Raum förmlich. Innerhalb von Sekunden flogen die ersten Becher, Bierduschen prasselten von oben herab, und die Menge geriet in Bewegung. Crowdsurfer tauchten auf, einer nach dem anderen, getragen von einem Publikum, das genau wusste, was es tat.

Walk the Walk“ schob gnadenlos nach vorne. Cecilia hatte den Schlachthof sofort im Griff, nicht von oben herab, sondern mitten drin. Ihre Stimme war Druck, Haltung und pure Energie zugleich. Bei God Bless wurde der Abend für einen kurzen Moment hymnisch, ohne auch nur einen Hauch an Intensität zu verlieren.

Mit Forward ging es genau dahin, wohin dieser Abend wollte: nach vorne, immer weiter. Der Raum war inzwischen tropisch, Schweiß tropfte von der Decke, und selbst diejenigen, die einfach nur dastanden, waren längst klatschnass. Hurray wurde zum kollektiven Ausrasten, getragen von einer Euphorie, die sich nicht mehr kontrollieren ließ.

Spätestens bei „Fire“ war klar: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Cecilia sprang immer wieder in die Menge, ließ sich tragen, dirigierte das Publikum mit ausgestrecktem Mikrofon und surfte über Köpfe hinweg. Irgendwann ließ sie sich vom höchsten Punkt aus einfach fallen – blindes Vertrauen in die Menge, die sie auffing, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Der Schlachthof tobte.

Der emotionale Höhepunkt kam mit „Radio Rebelde„. Eine Hymne, die live jedes Mal eine eigene Magie entfaltet. Der gesamte Saal sang geschlossen mit, Fäuste in der Luft, Bier in den Haaren, völlig egal, wer man war oder wo man herkam. Ein letzter Stage Dive, ein letztes gemeinsames Brüllen – dann war Schluss.

Am Ende dieses Abends blieb kein Zweifel: Das war kein Konzert zum Anschauen, das war ein Konzert zum Mitmachen, Mitfühlen und Verlieren. Zwei Bands, die alles gaben, ein Publikum, das es zurückzahlte, und ein Schlachthof, der wieder einmal bewiesen hat, warum er einer der wichtigsten Orte für solche Abende ist.


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