Hamburg, 21.02.2026 – Als sich gestern Abend die Türen des Bahnhof Pauli öffneten, war schnell klar, dass dieser Abend auf dem Hamburger Kiez kein gewöhnlicher werden würde. Der Club füllte sich rasch, schließlich war mit The Bros. Landreth eine der derzeit spannendsten Bands zwischen Roots-Rock, Americana und Soul angekündigt. Schon lange vor Konzertbeginn staute sich die Menge dicht vor der Bühne, Gespräche mischten sich mit erwartungsvollem Murmeln – ausverkauftes Haus, stickige Luft, beste Voraussetzungen.
Den Auftakt machte Begonia, ebenfalls aus Kanada. Mit ihrer kraftvollen, soulig gefärbten Stimme und einer spürbaren emotionalen Direktheit zog sie das Publikum schnell auf ihre Seite. Ihre Songs pendelten zwischen verletzlicher Intimität und hymnischer Größe, immer getragen von einer beeindruckenden Bühnenpräsenz. Spätestens zur Mitte ihres Sets war klar: Das war weit mehr als ein bloßes Vorprogramm – das war ein eigenständiges Highlight, das den Raum perfekt auf Temperatur brachte.
Nach kurzer Umbaupause betraten dann Dave und Joey Landreth unter lautem Applaus die Bühne. Die Brüder aus Winnipeg gründeten ihre Band 2013 und erspielten sich mit ihrem Debütalbum„Let It Lie“ früh internationale Aufmerksamkeit. Es folgten mehrere Auszeichnungen, darunter zwei JUNO Awards, und nicht zuletzt zusätzliche Bekanntheit, als Bonnie Raitt ihren Song„Made Up Mind“ interpretierte. Was die Landreths auszeichnet, ist die Mischung aus virtuoser Musikalität – insbesondere Joey Landreths gefeiertes Slide-Gitarrenspiel – und einem Songwriting, das gleichermaßen persönlich wie zeitlos wirkt.
The Bros. Landreth © Nordevents
Im Bahnhof Pauli zeigten sie in rund 85 Minuten, warum sie live einen so hervorragenden Ruf genießen. Gleich zu Beginn spannten sie einen weiten Bogen zwischen gefühlvollen Balladen und groovendem Roots-Rock. Die Harmonien der Brüder verschmolzen mühelos, mal sanft und zerbrechlich, mal kraftvoll und voller Wärme. Die Band agierte dabei stets songdienlich und dennoch mit beeindruckender Präzision – jede Note saß, ohne je steril zu wirken.
Besonders die ruhigeren Momente entfalteten im vollgepackten Club eine beinahe magische Intensität. Wenn die Instrumentierung sich zurücknahm und nur Stimme und Gitarre im Raum standen, hätte man sprichwörtlich eine Stecknadel fallen hören können. Im nächsten Moment wiederum verwandelten bluesige Gitarrenläufe und treibende Rhythmen den Saal in ein wogendes Meer aus mitnickenden Köpfen.
keine band für grosse gesten
Die Nähe zur Reeperbahn verlieh dem Abend eine zusätzliche, leicht raue Note – doch auf der Bühne dominierten Wärme, Humor und eine spürbare Dankbarkeit gegenüber dem Publikum. Immer wieder suchten die Brüder den direkten Austausch, erzählten kleine Anekdoten aus ihrem Tourleben und lachten miteinander. Diese familiäre Atmosphäre übertrug sich auf den gesamten Raum.
Als nach gut 85 Minuten die letzten Akkorde verklangen, wollte die Menge das Duo kaum ziehen lassen. Der Applaus brandete noch lange nach, ein deutliches Zeichen dafür, dass hier nicht nur ein Konzert stattgefunden hatte, sondern ein intensives Gemeinschaftserlebnis.
Der Abend im Bahnhof Pauli bewies eindrucksvoll: The Bros. Landreth sind keine Band für große Gesten um ihrer selbst willen – ihre Stärke liegt in der Ehrlichkeit, im Detail und in der Kunst, mit leisen wie lauten Tönen gleichermaßen zu berühren.


































