Ein lauer Abend im Grünen – akustische Intimität trifft Indie-Folk-Wucht

Sascha Beckmann

Hamburg, 08.08.2025 – Hamburg zeigte sich gestern Abend von seiner besten Seite: laue Temperaturen, ein zarter Sommerwind und das sanfte Rauschen der Bäume in Planten un Blomen – die perfekte Kulisse für ein Konzert aus der Reihe Draußen im Grünen, veranstaltet von OHA! Music.

Als die Lichter am Musikpavillon langsam glühten, betraten gegen 20.30 Uhr The Gardener & the Tree die Bühne – die Indie-Folk-Band aus Schaffhausen in der Schweiz, die seit über einem Jahrzehnt mitreißende Songs zwischen Lagerfeuerromantik und Stadion-Energie liefert. 2013 gegründet, startete alles mit einer Handvoll Freunde, die Musik machen wollten, die wächst und gedeiht – so wie es der Bandname verspricht. Ihre erste Veröffentlichung, die Revolution EP (2014), war noch ein Geheimtipp. Spätestens mit der Mossbo EP (2017) und der Hymne „Postcards“ erspielten sie sich jedoch eine treue Fangemeinde.

The Gardener & the Tree © Nordevents

Gestern Abend spürte man sofort, warum die Band 2019 den Swiss Music Award als „Best Live Act“ gewann. Sänger Manuel Felder – dessen Stimme oft als „wie ein Lagerfeuer“ beschrieben wird – fesselte das Publikum schon mit den ersten Tönen. Songs aus dem Debütalbum 69591, LAXÅ (2018) wechselten sich mit neueren Stücken vom Album Intervention (2021) ab. Die Mischung aus melancholischen Balladen und treibenden, percussionsgetriebenen Folk-Nummern sorgte für eine dynamische Dramaturgie, die im Musikpavillon besonders gut funktionierte.

Zwischen den Liedern erzählte Felder kleine Anekdoten – etwa vom Songwriting in einem kalten schwedischen Haus, wo viele der Ideen zu 69591, LAXÅ entstanden, oder von den langen Proben im Bandkeller, die Intervention formten. Das Publikum lachte, applaudierte und ließ sich von der Wärme dieser Geschichten ebenso tragen wie von der Musik selbst.

zwischen echten Bäumen und musikalischen Gärtnern

Höhepunkte waren neben „Postcards“ vor allem „Wild Horses“ und „Mama’s Guitar“, bei denen der gesamte Pavillon im Takt klatschte. In den leiseren Momenten, wenn nur Stimme und Gitarre den Raum füllten, war es so still, dass man die Blätter rascheln hörte – dann wieder explodierte die Band in mitreißende Refrains, die das Publikum von den Bänken rissen.

Als nach gut 90 Minuten die letzten Akkorde verklangen, blieb der Eindruck eines Abends, der die Geschichte einer Band fortschreibt, die ihre Wurzeln kennt, aber ständig neue Zweige treibt. Und so passte es perfekt, dass sie im Herzen von Planten un Blomen spielten – zwischen echten Bäumen und musikalischen Gärtnern, die ihr Publikum mit jedem Song neu pflanzen und wachsen lassen.

Fazit:

Das Konzert von The Gardener & the Tree im Musikpavillon von Planten un Blomen war weit mehr als ein lauer Sommerabend mit schöner Musik – es war ein lebendiges Kapitel in der Geschichte einer Band, die seit über zehn Jahren konsequent wächst, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. OHA! Music hat mit Draußen im Grünen einmal mehr bewiesen, wie man eine intime, atmosphärische Bühne für große Gefühle schafft. Zwischen sanften Folkballaden, treibenden Indie-Hymnen und der rauen, warmen Stimme von Manuel Felder entstand ein Abend, der noch lange nachklingen wird – wie ein gut gepflegter Garten, der jedes Jahr ein Stück mehr erblüht.


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