Premiere Disneys Musical TARZAN in Hamburg

Wolfgang Karg

Hamburg, 19.11.2025 – Nach der Deutschlandpremiere 2008 in Hamburg mit 5-jähriger Spielzeit kehrt das Musical „Tarzan“ nun wieder in die Hansestadt zurück.

Der Umzug

35 Trucks haben Bühnenbilder, Technik und Kostüme mit einem Gesamtgewicht von 840 Tonnen in den hohen Norden gebracht, darunter mehr als 100 Requisiten – vom Lianen-Seil bis zur Dschungelpflanze. Die Dauer des Abbaus der Show in Stuttgart betrug circa 150 Stunden, der Aufbau im Stage Theater Neue Flora circa 870 Arbeitsstunden.

Die Story

Das Stück begann bei der Medienpremiere bereits, obwohl es noch gar nicht wirklich begonnen hatte. Auf den durchsichtigen Vorhang wurde ein Schiff projiziertes, das vor der afrikanischen Küste treibt. Wellengeräusche und Möwengeschrei stimmten das Publikum darauf ein, was es in den kommenden zweieinhalb Stunden zu sehen bekam.

TARZAN © Nordevents

Die Geschichte von „Tarzan“ begann dort, wo Zivilisation und Natur nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt liegen: an der Küste Afrikas, wo sich ein junges Ehepaar nach einem Schiffbruch in einer ihnen vollkommen fremden Welt wiederfindet. Die Inszenierung machte aus diesem Schauplatz keine bloße Kulisse, sondern einen vibrierenden Lebensraum. Die Bühne verwandelte sich in ein dichtes Geflecht aus Lianen, hoch aufragenden Stämmen und pulsierenden Lichtstimmungen, die das Publikum hineinzog in ein Dschungelreich voller Klang, Bewegung und stetiger Veränderung. Der Wald wirkte dabei nie statisch – er atmete, schwang, rauschte, als sei er selbst eine Figur der Handlung.

Im Zentrum steht ein Kind, das von der Gorilladame Kala aufgenommen wird. Die musikalische Umsetzung unterstrich die emotionale Wucht dieses Moments, ohne ihn direkt auszuerzählen: Man spürt, dass hier nicht einfach ein Findelkind in Sicherheit gebracht wird, sondern dass eine Lebensgemeinschaft entstand, die jenseits von Sprache funktionierte. Kala, ihr Gefährte Kerchak und der gesamte Gorillaverband bilden damit das erste wichtige Thema des Musicals: Familie als Entscheidung, nicht als Herkunft, ein Motiv, das sich durch die gesamte Erzählung zieht.

Tarzan wächst in dieser Tierwelt heran – anfänglich unbeholfen, später selbstbewusst und mit einer Körperlichkeit, die die Inszenierung besonders hervorhob. Die Luftakrobatik, für die „Tarzan“ berühmt geworden ist, wurde dabei nicht als Showeffekt sondern als Erzählmittel genutzt: Der junge Mensch lernt, sich in den Bäumen zu bewegen, ihren Rhythmus zu spüren und ihre Höhe nicht als Gefahr, sondern als Freiheit zu begreifen. Die Bühne wurde zu einem dreidimensionalen Raum, in dem der Protagonist seinen Platz suchte – und in dem das Publikum stets Zeuge seiner Entwicklung blieb.

Besonders intensiv war die Darstellung der Beziehung zwischen Tarzan und Terk, jenem quirligen, klugen Affen, der ihm spielerisch die Regeln des Dschungels erklärte und ihn zugleich infrage stellte. Ihre Freundschaft bildete einen Gegenpol zu Kerchak, der Tarzan zwar akzeptiert, aber nie vollständig als Mitglied der Gruppe betrachtet. Dieser Konflikt – zwischen Zugehörigkeit und Fremdheit, zwischen Anerkennung und Instinkt – strukturiert Tarzans Weg zur Selbstdefinition. Die Inszenierung betonte dabei die Suche nach Identität in einer Welt, die ständig neue Erwartungen stellt.

Die Erzählung nahm eine neue Wendung, als eine Gruppe europäischer Forscher an der Küste landete. Unter ihnen befand sich Jane Porter, eine junge Frau, deren Neugier und Begeisterung sofort mit der Energie des Dschungels korrespondierte. Ihre Begegnung mit Tarzan bildete den erzählerischen Kern der zweiten Hälfte der Show: Es ist eine Begegnung zweier Welten, die nicht als romantische Abkürzung präsentiert wird, sondern als schrittweise Annäherung. Jane sah in Tarzan nicht ein Forschungsobjekt, sondern ein Rätsel, das sie mit Respekt und Faszination betrachtete. Tarzan wiederum erkannte in ihr etwas, das ihm bisher fehlte: ein Gegenüber, das ihm zeigt, dass Herkunft und Zukunft nicht deckungsgleich sein müssen.

Stage Entertainments deutsche Fassung legt in diesen Begegnungen besonderen Wert auf die emotionale Klarheit der Figuren. Jane ist keine fragile Außenseiterin im Dschungel, sondern eine selbstbestimmte Forscherin, die sich mit dem gleichen Mut durch die unbekannte Umgebung bewegt wie Tarzan einst als Kind. Ihre gemeinsamen Szenen eröffnen das zentrale Thema des Musicals: Was macht einen Menschen menschlich? Während Tarzan lernte, Worte zu formen und Gefühle auszusprechen, musste Jane lernen, die Rationalität ihrer Welt gegen die Intuition und Unmittelbarkeit des Dschungels abzuwägen.

Die Bedrohung der Natur durch die Forschergruppe wird in der deutschen Inszenierung eher atmosphärisch als plakativ erzählt. Die Spannung entsteht weniger durch gewaltsame Konfrontationen, sondern durch die steigende Erkenntnis, dass zwei Lebensformen aufeinandertreffen, die einander verletzen könnten, ohne es zu wollen.

Der Dschungel bleibt dabei bis zum Schluss der wahre Resonanzraum des Stücks. Er veränderte sich immer dann, wenn Tarzan neue Schritte geht: er wurde dunkler, wenn er zweifelte, heller, wenn er sich entschied, und kraftvoller, wenn er Verantwortung übernahm. Das Publikum erlebte ihn nicht nur visuell, sondern auch klanglich – durch rhythmische Percussion, körpernahe Stimmführung und jene melodischen Linien, die Phil Collins’ Kompositionen in der deutschen Fassung besonders eindringlich machen.

Die Show

Kaum hebt sich der Vorhang gab es einen lauten Donnerknall und man hatte das Gefühl, in eine Welt einzutauchen, die gleichzeitig wild und zutiefst berührend ist. Die aktuelle Hamburger Aufführung knüpft kraftvoll an die früheren Inszenierungen in Stuttgart und Oberhausen an – und zeigt erneut, warum dieses Musical zu den eindrucksvollsten Abenteuern zählt, die der deutsche Musiktheaterbetrieb in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Das stimmstarke „Zwei Welten“ während der sehr aufwändig gestalteten Eröffnungssequenz konnte gleich am Anfang begeistern.

Der Cast mit 31 Darsteller:innen

Zwei Tarzans, eine Jane: Philipp Büttner (ALADDIN, HERCULES) und Abla Alaoui übernehmen die Hauptrollen in Disneys Musical TARZAN in Hamburg. Musical-Star Alexander Klaws kehrt für 15 ausgewählte Shows als Tarzan zurück, so auch am Abend der Medienpremiere. Nebem Abla Alaoui (DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME, DIE EISKÖNIGIN), die die Rolle der Jane übernahm, stoß auch Kerry Jean neu zur Cast hinzu und übernimmt die Rolle der Kala.

Daneben übernahm Elindo Avastia die Rolle von Tarzans bestem Freund Terk. Dem Hamburger Publikum ist der charismatische Darsteller noch als Schneemann Olaf aus Disneys DIE EISKÖNIGIN bekannt. Auch die Darsteller von Kerchak und Clayton, Dániel Rákász und Luciano Mercoli zogen mit ins Stage Theater Neue Flora. Dániel Rákász bringt Bühnenerfahrung aus ganz Europa mit. Der ungarische Tänzer überzeugte das Publikum unter anderem schon in „Dirty Dancing“, „Tanz der Vampire“ und „Der Glöckner von Notre-Dame“. Luciano Mercoli spielt in „Tarzan“ den Gegenspieler Clayton – ein Expeditionsführer, der es auf die Gorillas abgesehen hat, um diese für viel Geld an Zoos zu verkaufen.

Klaws begeisterte stimmlich unter anderem mit dem sehr gefühlvoll gesungenen Solo „Wer ich wirklich bin“. Großartig ist zudem sein Zusammenspiel mit Bühnenpartnerin Abla Alaoui (Jane), mit der er wunderbar harmoniert. In ihr romantisches Duett „Auf einmal“ legten beide viel Gefühl, und die erste Begegnung von Tarzan und Jane im Song „Unbekannt“ war recht witzig. Auch solo vermag Abla Alaoui mit glockenklarem Gesang zu begeistern, was sie vor allem in ihrem Lied„Auf diesen Tag hab ich gewartet“ unter Beweis stellte.

Die Darstellerin aus Kalifornien Kerry Jean (Ersatzmama Kala) und Matthias Otte (Kerchak) harmonierten ebenfalls sehr gut miteinander. Jean stand bereits in Musicals wie „Tina“, „Der König der Löwen“ und „Hair“ auf der Bühne und zog die Aufmerksamkeit des Publikums in der Rolle der Gorilladame schnell auf sich. Ein Höhepunkt der Show ist ihre Interpretation der eingängigen Popballade „Dir gehört mein Herz“, nachdem es lautstarken Szenenapplaus gegeben hatte.

Ihr zur Seite steht mit Matthias Otte ein starker Kerchak, der den Silberrücken Respekt einflößend verkörpert. Mit seinem Solo „Gar keine Wahl“ gelang es ihm sehr gut, seinem Charakter Tiefe und Kontur zu verleihen.

Bühnenbild und Musik

Andere Disney-Musicals hat „Tarzan“ haben zwar aufwändigere Bühnenbilder, doch das Ensemble braucht bei diesem viel Platz für akrobatische Einlagen. Das Bühnenbild ist vor allem in Grüntönen gehalten und ragt in den Zuschauerraum hinein. Es wird sehr viel mit Lichteffekten gearbeitet. Darsteller laufen immer wieder durch das Publikum oder schweben darüber hinweg. Die Musik von Phil Collins, der zu den aus dem Film bekannten Liedern neun weitere Songs komponiert hat, ist eingängige Popmusik, die schnell ins Ohr geht.

Fazit

Die Hamburger Aufführung von „Tarzan“ zeigt eindrucksvoll, warum dieses Musical über Jahre hinweg sein Publikum mit einer gelungenen Mischung aus Komödie, Drama und Romantik begeistert: Sie verbindet spektakuläre Luftakrobatik mit einer warmherzigen, berührenden Geschichte, die sowohl Kinder als auch Erwachsene erreicht. Die starke Ensembleleistung, das dynamische Bühnenbild und die präzise musikalische Umsetzung schaffen ein Erlebnis, das gleichzeitig vertraut und neu wirkt.

So entfaltet „Tarzan“ in Hamburg eine Erzählung, die auf bekannten Motiven beruht, diese aber so atmosphärisch und sensibel verbindet, dass sie mehr ist als ein klassisches Abenteuer. Es ist ein Coming-of-Age inmitten von Urwaldlicht, ein Drama über Vertrauen und Mut sowie letztlich eine Hymne auf jene Familien, die wir im Laufe unseres Lebens für uns selbst wählen.

Am Ende gab es STanding- Ovations. Wer sich fallen lassen möchte in ein Abenteuer voller Gefühl, Energie und erstaunlicher Menschlichkeit, dem sei diese Inszenierung uneingeschränkt empfohlen. Kurzweilige Unterhaltung ist garantiert.


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